Schulisch näher zu Oberegg

Reute will auf der Oberstufe enger mit Oberegg zusammenarbeiten. An der Orientierung am Mittwoch begründet der Vorderländer Gemeinderat zudem den Verzicht auf eine Steuersenkung.

David Scarano
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REUTE. In Ausserrhoden dominieren zurzeit die Zukunft der Sekundarschule I und Steuersenkungen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den politischen Diskurs. An der Orientierungsversammlung der Gemeinde Reute am Mittwochabend nahmen die Behördenmitglieder zu beiden Themen Stellung. Schulpräsident und Gemeinderat Charly Breitenmoser gab den rund 20 anwesenden Personen bekannt, dass die gemeinsame Oberstufe mit Oberegg aufrechterhalten werden soll, dies unter anderem aus Gründen der Nähe und der gutnachbarschaftlichen Beziehung.

Aktuell erarbeiten die Ausserrhoder Gemeinde und der Innerrhoder Bezirk eine neue Vereinbarung. Gemäss Charly Breitenmoser strebt Reute ein grösseres Mitspracherecht an, etwa, wenn es um die Wahl der Schulmodelle geht, wie er auf Anfrage präzisierte. «Wir wollen nicht reine Leistungsbezüger sein», so der Schulpräsident. Heute Freitag erhält die Rüütiger Schulkommission einen ersten Entwurf der neuen Vereinbarung, anschliessend befasst sich der Gemeinderat damit.

Oberegg auf Reute angewiesen

Die weitere Zusammenarbeit ist auch im Sinne des Innerrhoder Bezirks. Wie Breitenmoser sagte, werde es ohne die Rüütiger Schüler knapp für den Sek-Standort Oberegg. Sinkende Schülerzahlen sind auch Auslöser für die Diskussionen über die Zukunft der Sekundarschule in Trogen. Ende November entscheidet der Gemeinderat Rehetobel, wohin er die Schüler in Zukunft schicken will. Gehen die Rehetobler nach Heiden, führt das wohl zum Ende der Sek in Trogen. Dies wiederum würde eine Kettenreaktion auslösen: Trogner und Wäldler müssten sich neue Partner suchen.

In der vergangenen Woche äusserte sich der Gemeinderat Wolfhalden zu einer möglichen «Sek Appenzellerland über dem Bodensee» (siehe Ausgabe vom 11. November, «Sek AüB als Vision»). Reute ist nicht abgeneigt. Auf Anfrage erklärte Charly Breitenmoser, dass die neue Vereinbarung mit Oberegg kein Präjudiz gegen die gemeinsame Vorderländer Sekundarstufe schaffe, doch es sei nicht der richtige Zeitpunkt, um die Vision zu diskutieren: «Wir müssen zuerst den Entscheid der Regierung über die Sek I im kommenden Frühjahr abwarten.» Eine Überlagerung würde sonst zu einer Verwirrung in der Bevölkerung führen.

Konservativ budgetiert

Zum Auftakt der Orientierung hatte Gemeindepräsident Ernst Pletscher über das Budget 2012 informiert. Wie in den Jahren zuvor rechnet der Gemeinderat mit einer schwarzen Null. Wegen den wirtschaftlich unsicheren Zeiten habe der Gemeinderat «konservativ budgetiert». Bei Ausgaben von rund 3,7 Mio. Franken soll ein Überschuss von 8000 Franken resultieren. Der Steuerfuss bleibt bei 4,2 Einheiten. Ein Votant erkundigte sich bei Ernst Pletscher, wieso keine Senkung ins Auge gefasst wurde. Er verwies dabei auf die Gemeinde Heiden, die den Steuerfuss um 0,2 Einheiten senkt und dafür ein Minus von 900 000 Franken in Kauf nimmt. Pletscher antwortete, dass sich der Gemeinderat intensiv mit dieser Frage befasst habe. «Eine Steuerfusssenkung ist für Reute nicht der richtige Weg, um die Attraktivität zu steigern. Auch wenn wir beispielsweise die Steuern um 0,4 Einheiten senken würden, befänden wir uns im Mittelfeld», so der Rüütiger Gemeindepräsident, der sich auch persönlich gegen diese Art Wettbewerb aussprach. Er sei dagegen, wenn sich Gemeinden auf diese Weise gegenseitig Einwohner abjagen. Zudem verwies er auf den Kanton. Dieser habe in verschiedenen Bereichen die Steuern gesenkt. Mit Blick auf die sinkenden Einwohnerzahlen sagte Ernst Pletscher: «Diese Strategie ist aber nicht aufgegangen.»