Schulen im Appenzellerland trotzen dem Corona-Virus

Für Schüler und Lehrer gelten die offiziellen Schutzmassnahmen. Diese werden kreativ umgesetzt – etwa in Form alternativer Begrüssungsrituale. Mancherorts wird das Virus auch Teil des Unterrichts.

Janine Bollhalder
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In Italien sind die Schulen aufgrund des Corona-Virus geschlossen worden.

In Italien sind die Schulen aufgrund des Corona-Virus geschlossen worden.

Alessandro Crinari / Keystone

Das Corona-Virus hat sich den Appenzeller Kantonen schnellen Schrittes genähert: Eine infizierte Person ist bereits in Quarantäne. In Italien, dem am schwersten vom Corona-Virus betroffenen Land Europas, sind sämtliche Schulen und Universitäten geschlossen worden. Vorläufig bis Mitte März.

In Heiden hingegen folgt der Schulalltag bislang seinem normalen Lauf. «Ich merke den Kindern nichts an», sagt Hans-Peter Hotz, pädagogischer Schulleiter in Heiden.

Hans-Peter Hotz, Pädagogischer Schulleiter Heiden.

Hans-Peter Hotz, Pädagogischer Schulleiter Heiden.

PD
«Es ist uns wichtig, keine Panik zu verbreiten. Wir halten uns an die Vorschriften des Bundesamts für Gesundheit sowie an die Leitlinien des Kantons.»

Dazu gehört, dass fleissig die Hände gewaschen werden sollen und das Händeschütteln zu unterlassen ist. Und: «Kranke Kinder gehören nicht in die Schule», sagt Hotz. «Das ist aber generell so und nicht nur im Falle des Corona-Virus.»

Besorgte Eltern können Skilagerbesuch verhindern

In der Schule Heiden hat in den letzten Tagen eine Projektwoche stattgefunden. Ein Teil der Schüler verbrachte diese Zeit im Skilager. «Gewisse Eltern waren deswegen beunruhigt», sagt Hotz.

«Es ist eine spezielle Situation. Deshalb hätten wir es akzeptiert, wenn die Eltern aus Sorge ihr Kind lieber nicht ins Lager geschickt hätten.»

Dass die Kinder trotz Schulpflicht von ihren besorgten Eltern von Lagern abgemeldet werden dürfen, besagt auch das Faktenblatt zum Corona-Virus für die Volks-, Mittel- und Berufsschule des Kantons. An dieses hält sich auch die Schule Teufen. «Wir haben rote Flyer zum Thema aufgehängt und mit den meisten Schülern Videos zum Thema angeschaut – etwa, wie man korrekt die Hände wäscht», sagt Urs Schöni, Schulleiter in Teufen.

Die Schüler der zweiten Oberstufe haben aus dem Virus gar ein klassenübergreifendes Projekt gemacht und erarbeiten in kleinen Gruppen Vorträge und Plakate. Diese werden sie bald den restlichen Schülern vorstellen und sie so über das Corona-Virus informieren.

In Italien sind die Schulen geschlossen worden. Das rote Faktenblatt wird in den Appenzeller Schulen fleissig aufgehängt.

In Italien sind die Schulen geschlossen worden. Das rote Faktenblatt wird in den Appenzeller Schulen fleissig aufgehängt.

Alessandro Crinari / KEYSTONE/Ti-Press

Auch in Herisau ist bisher keine Panik ausgebrochen. «Ich merke den Schülern nichts an und es hat kaum Anrufe von Eltern gegeben», sagt Schulleiter Michael Häberli. «Wir haben auch sehr schnell die Initiative ergriffen und auf schriftlichem Weg Informationen an die Eltern gesendet.»

Das weitere Vorgehen weist auch in Herisau das Faktenblatt zum Corona-Virus. «Wir haben die Flyer in der Schule aufgehängt», sagt Häberli. Im Unterricht behandelt wird die Situation aber nicht speziell. «Natürlich erklären die Lehrpersonen die abgegebenen Infos. Aber es liegt in der Verantwortung der Eltern, die Kinder über die genauen Hintergründe zum Corona-Virus zu informieren.»

Anders sieht es in der Kantonsschule Ausserrhoden aus. Hier wird im Unterricht aktiv über das Corona-Virus gesprochen. «Es ist ein bewegendes Alltagsthema», sagt Georg Amstutz, Leiter des kantonalen Kommunikationsdienst Ausserrhoden. Auch er kommt auf das Faktenblatt zu sprechen: «Es ist die Basis. Es gibt aber auch darüber hinaus Massnahmen, welche man ergreifen kann.» Den Kantonsschüler beispielsweise werde Desinfektionsmittel verteilt und auf grossen Bildschirmen in der Mensa Videos zum Thema abgespielt.

«Die Schülerinnen und Schüler erfahren auch viel online, etwa über die sozialen Netzwerke»

Die Schule ist ein sensibler Raum, an der viele Leute aufeinandertreffen. «Wir besprechen geplante Anlässe mit dem Kantonsarzt», sagt Amstutz. Es geht darum zu analysieren, wer teilnimmt, ob die Veranstaltung drinnen oder draussen stattfindet und auch, ob Personen dabei sind, welche aus Risikogebieten stammen oder dorthin Kontakt hatten. «Wir müssen zwingend die Kontaktdaten der an einem Anlass anwesenden Personen haben – um Alarm zu schlagen, wenn eine Person nachweislich am Corona-Virus erkranken würde.»

Ein einzelner Krankheitsfall in der Schule würde nicht zwingend bedeuten, dass die gesamte Schule geschlossen wird. «Der Einzelfall wird mit dem Kantonsarzt besprochen und das weitere Vorgehen geplant - auch angelehnt an die Strategie des Bundes.»

Im Chinderhort Appenzell geht ebenfalls alles seinen gewohnten Lauf. «Wir erhalten täglich ein E-Mail mit Informationen zum Corona-Virus von einer Ärztin. Dieses hängen wir zur allgemeinen Information auf», sagt die Kita-Leitung. Die Betreuerinnen halten sich an die Vorschriften, achten aber auch darauf, dass die Kinder sich nicht fürchten. «Es gibt aber schon besorgte Eltern, die nachfragen, ob Kinder, die husten, von uns nach Hause geschickt werden.» Dem sei aber nicht so:

«In einer Kita wird andauernd gehustet, das deutet nicht sofort auf das Virus hin.»
Patrick Bacher, Schulleiter Appenzell

Patrick Bacher, Schulleiter Appenzell

PD

Auch Schulleiter Patrick Bacher aus Appenzell hat im Schulbetrieb nichts Ungewöhnliches bemerkt. «Wir thematisieren das Corona-Virus nicht speziell im Unterricht. Wenn aber Fragen auftauchen, werden diese durch die Lehrpersonen aufgenommen und behandelt», sagt Bacher und berichtet: «Gemeinsam mit den Schülern sind die Lehrpersonen kreativ und erfinden alternative Begrüssungsrituale.» Die Schule hält sich ebenfalls an die Schutzmassnahmen und hat die Eltern informiert.

Abgesagt oder verschoben

Gemäss dem vom Bund verhängten Verbot für Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen, ist das Jugend-Unihockeyturnier des Appenzeller Turnvereins abgesagt worden.
Im Gegensatz dazu heisst es vorläufig, dass die Appenzeller Handballriege ihre Spiele wahrnehmen wird. Gleiches gilt auch für den BSG Vorderland. Präsident Labinot Povataj begründet: «Wir locken nur 80 bis 100 Zuschauer an.» Zur Sicherheit werden aber Flyer aufgehängt, welche auf die Verhaltens- und Hygieneregeln hindeuten sowie Desinfektionstüchli verteilt. Unter den gegebenen Vorsichtsmassnahmen seitens Bund und Kantone spielt auch der Unihockey-Verein Appenzell weiter.

Für Personen, die sich in Risikogebieten aufgehalten haben, heisst es trotzdem: Zu Hause bleiben und den Liveticker verfolgen.

Nicht abgesagt, aber verschoben worden ist die Generalversammlung der Hof Weissbad AG sowie die Delegiertenversammlung des Appenzellischen Feuerwehrverbandes.

Angesichts der Lage mit dem Corona-Virus setzten beide Appenzeller Kantone einen kantonalen Führungsstab ein. In Innerrhoden können Veranstaltungen mit bis zu 150 Personen ohne Einwilligung des Gesundheitsamts durchgeführt werden. Es soll allerdings auf die Schutzmassnahmen geachtet werden. Organisatoren von Veranstaltungen mit 150 bis 1000 Personen sollen sich mit dem Gesundheitsamt in Verbindung setzen. In Ausserrhoden gilt das Gleiche. Es wird auch auf die freiwillige Möglichkeit hingewiesen, das Risiko von Veranstaltungen, die bis 149 Teilnehmende anlocken, mit dem kantonsärztlichen Dienst abzuklären. Personen ab 65 Jahren wird nahegelegt, nicht an Veranstaltungen teilzunehmen.