Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SCHULE: Ihr Herz schlägt für die Integration

Eva Schönenberger ist schulische Heilpädagogin. Warum Schulen dazu aufgefordert sind, solche Experten einzusetzen, liegt nicht nur an den stark gestiegenen Sonderschulkosten, wie die Gähwilerin sagt.
Martina Signer
Kinder mit besonderen Bedürfnissen werden von schulischen Heilpädagogen begleitet und gefördert, um die Integration in die Regelklasse zu erleichtern. (Bild: Andree-Noelle Pot/Keystone)

Kinder mit besonderen Bedürfnissen werden von schulischen Heilpädagogen begleitet und gefördert, um die Integration in die Regelklasse zu erleichtern. (Bild: Andree-Noelle Pot/Keystone)

Ein Sonderschüler verursacht für Schulgemeinden hohe Kosten. Pro Schuljahr und Schüler derzeit um die 36000 Franken. Kein Wunder also, dass Kinder mit Lernschwächen, Verhaltensschwierigkeiten oder geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen, aber auch mit hohen Begabungen heutzutage mit Biegen und Brechen in der Volksschule integriert werden sollen. Oder nicht?

Eva Schönenberger ist Leiterin der schulischen Heilpädagogik an den Mosnanger Schulen und wird täglich mit Kindern konfrontiert, die mit den genannten Besonderheiten leben, lernen und in der Regelschule bestehen müssen. Schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen sind speziell ausgebildete Lehrpersonen, die Kinder mit Lernschwierigkeiten, besonderen Begabungen und sonstigen besonderen Bedürfnissen gezielt unterstützen und fördern. Eva Schönenberger sieht in der Integration solcher Kinder viele Chancen. Sowohl für die Schüler selbst als auch für die Klasse. Die Integration trage auch zur Heterogenität einer Schule bei. Ausserdem schreibt der Kanton in seinem Sonderpädagogikkonzept (siehe Kasten) vor, dass möglichst viele Kinder in der Regelklasse beschult werden sollen.

Schwach beim Lernen, aber sozial stark

Bei auffälligen Kindern stellt sich laut Eva Schönenberger früher oder später immer die Frage, wie die Schule sein sollte, damit Integration gelingen kann. Es stellt sich im Folgenden die Frage, ob die notwendige Gestaltung persönlich, organisatorisch und finanziell machbar ist. «Wir schulischen Heilpädagogen versuchen unser Möglichstes, um die Kinder in der Volksschule zu behalten», sagt sie. Sie selber hat in ihrer Arbeit auch mit Kindern aus dem Autismus-Spektrum gearbeitet, die in der Regelklasse integriert werden konnten. Bei auffälligen Kindern handelt es sich nicht immer um sehr ruhige oder sehr lebendige Kinder, sondern auch um besonders begabte Schüler. Es ist sehr wichtig, dass diesen Kindern die nötige Förderung erteilt wird. Auch Kinder, welche in einem Fach sehr gut sind, können in anderen Fächern zusätzliche Unterstützung und besondere Förderung benötigen. «Was wir auch oft beobachten, sind lernschwache Schüler, die dafür über eine starke Sozialkompetenz verfügen. Sie kennen fast alle Mitschüler auf dem Pausenplatz beim Namen und kümmern sich um jüngere und schwächere Kinder.» In manchen Fällen sei es auch wichtig, die Selbstkompetenz im Auge zu behalten. Können sich die Kinder Ziele setzen? Können sie evaluieren, ob ihnen etwas gelingt oder ob ihre Leistung besser sein könnte? Wie und unter welchen Umständen er­reichen sie ihr Ziel? Solche oder ähnliche Fragen klärt eine schulische Heilpädagogin oder ein schulischer Heilpädagoge zusammen mit den Betroffenen. Integrative Pädagogik steht und fällt laut Eva Schönenberger mit allen Beteiligten: «Nur wenn alle am gleichen Strick ziehen, kann eine Integration gelingen.» Dies setze auch voraus, dass alle Lehrpersonen mitmachen und auch für unkonventionelle Heran­gehensweisen offen sind. Nicht allen Lehrpersonen falle dies leicht. «In der Schulgemeinde Mosnang bin ich in der glücklichen Lage, dass die Lehrerinnen und Lehrer mich bei meiner Arbeit unterstützen, wie ich es umgekehrt bei ihrer tue.»

So wenig wie möglich separieren

Für die Kinder selbst ist es von grosser Bedeutung, dass sie sich nicht anders auf- und angenommen fühlen als ihre Mitschüler. Deshalb und um Stigmatisierung zu vermeiden, arbeitet Eva Schönenberger mit den Schülern, die besondere Förderung benötigen, gerne in Gruppen, in welchen alle Kinder mitarbeiten. Man versuche, Kinder mit besonderen Bedürfnissen so wenig wie möglich zu separieren.

Trotz erschwerter Bedingungen in einer Regelklasse unterrichtet zu werden helfe den Schülern mit besonderen Bedürfnissen, sich später in der Gesellschaft zurechtzufinden, ist sich Eva Schönenberger sicher. Kinder sollen in eine Arbeitswelt entlassen werden, die sie schon in der Schule kennen gelernt haben. Der Umgang ist nicht immer berücksichtigend und sanft, sondern manchmal auch rau und unerbittlich. Dies schon während der obligatorischen Schulzeit erfahren zu haben ermöglicht besseres Gelingen der Integration in die Erwachsenenwelt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.