Schüler feiern grosses Abschiedsfest

Für das Schulhaus Bühl in Nesslau ist das 175-Jahr-Jubiläum der Schule auch gleichzeitig der Schlusspunkt. Am Samstag feierten der Ort und die Schülerschaft mit zahlreichen Gästen und viel Publikum dieses Ende mit einem gebührenden Abschlussfest.

Thomas Geissler
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Die Zeitschrift «Bühler Post».

Die Zeitschrift «Bühler Post».

NESSLAU. Das Schulhaus Bühl ist das letzte, der in den Streusiedlungen befindlichen Aussenschulen der Gemeinde, das zum Ende des Schuljahres aufgrund der geringen Schülerzahlen geschlossen wird. In diesem letzten Schuljahr sind es noch 15 Kinder, die hier von der ersten bis dritten Primarklasse den Unterricht besuchen – zu wenige, um den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Deshalb werden sie nach den Sommerferien in Nesslau zur Schule gehen.

Schüler wagen den Sprung

Angelehnt an diesen Wandel hatten sich die Schülerinnen und Schüler in einer Projektwoche mit diesem «Sprung in die neue Welt» befasst. Unter diesem Titel, der auch zum Motto des Abschlussfestes wurde, erarbeiteten sie sich gemeinsam mit der Theaterpädagogin Susanne Roth verschiedene Szenen rund um das Schulhaus, dessen Historie und ihren eigenen Schritt von Bühl nach Nesslau.

Schulhaus bleibt Treffpunkt

Diesen Sprung, der sinnbildlich auch für das Auseinandergehen der Schüler stand, die in Nesslau auf verschiedene Klassen verteilt werden, setzten sie sportlich und darstellerisch in einem kleinen Theaterstück auf der Bühne um. Ebenso zeigten sie musikalischen Pfiff mit einem amüsanten Schulhaus-Rap, «erinnerten» sich gespielt an Ereignisse aus der Geschichte des Hauses, wie dem Umbau 1933 oder an andere Ereignisse, die sie zum Nachahmen anregten. Mit einem jeweiligen «Meinst Du, das können wir auch?» – «Probieren wir's!» bewiesen sie bereits Talent für das Talerschwingen oder ein «Mühlradl». Mit diesen herzigen und humorvollen Einlagen unterhielten sie zum Abschlussfest die zahlreich erschienene Bevölkerung, die feiernd vom Schulstandort Bühl Abschied nahm. Während der Anlass für die Kinder ein grosser Spass zu sein schien, waren bei den Eltern, Grosseltern und der Lehrerschaft auch eine Spur nostalgische Wehmut spürbar, die Klassenlehrer Andreas Honegger treffend zusammenfasste: «Wenn ein Schulhaus schliesst, dann weiss man, dass es nicht so leicht wieder rückgängig zu machen ist.» Trotz dieses Einschnittes für den Ort Bühl war das Fest vor allem von Gemeinschaftssinn und Freude geprägt. Das erkannte auch Gemeindepräsident Kilian Looser, der diese Einstellung in seinen Grussworten nicht würdigte und auch zusicherte, dass das Schulhaus nun zwar nicht mehr für den Unterricht genutzt, aber den Vereinen zur Verfügung stehen soll. So soll das Schulhaus weiter ein Treffpunkt in Bühl bleiben. Die Ortsvereine engagierten sich auch im Rahmen des eng gepackten, abwechslungsreichen Unterhaltungsprogramms des Abends. Auf diese Weise wurden die Showeinlagen der Schüler bis in die späten Abendstunden von weiteren lokalen Formationen, sowie einer Schulhauschronik von Bruno Wickli umrahmt. Alte Klassenfotos an einer Bilderwand, eine von den Schülern selbst gestaltete «Bühler Post» und nicht zuletzt die Festbeiz trugen ebenfalls dazu bei, dass Langeweile praktisch ausgeschlossen war. So liess es das Bühler Gofechörli mit «Gottfried Stutz» mal richtig krachen. Aber auch die aus ehemaligen Schülern und einem ehemaligen Lehrer bestehende Streichmusik Holder begeisterte die Gäste, wie auch das Echo vom Risibach, die Musikgesellschaft Nesslau-Neu St. Johann, der Männerchor Bühl und schliesslich die Lutere Buebe Ennetbühl, die zum Tanz aufspielten.

Unterhaltung und Anekdoten

Daneben gab es manche interessante Anekdote von Seiten der Bevölkerung und der ehemaligen Schüler zu erfahren. So beispielsweise vom 15jährigen Basil Güttinger, der mit seinen Eltern als kleiner Junge in der Dachgeschosswohnung des Schulhauses wohnte und den wohl kürzesten Schulweg überhaupt hatte. Nach dem Auszug der Familie wurde die Wohnung dann zu Schul- und Nebenzimmern umfunktioniert. «In der dritten Klasse hatte ich genau dort Unterricht, wo früher das Schlafzimmer war», erzählt er. Sein neunjähriger Bruder Maurus gehörte zu den letzten Kindern, die ihre ersten Schuljahre im Schulhaus Bühl erleben konnten und am Samstagabend den «Sprung in die neue Welt» vollzogen.

An der Fotowand werden Erinnerungen wach.

An der Fotowand werden Erinnerungen wach.

Der Schulhaus-Rap hat es rhythmisch und textlich in sich. (Bilder: Thomas Geissler)

Der Schulhaus-Rap hat es rhythmisch und textlich in sich. (Bilder: Thomas Geissler)

Beim Talerschwingen wird neben aller Konzentration auch gejuchzt.

Beim Talerschwingen wird neben aller Konzentration auch gejuchzt.