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Schublade auf, Meinung hinein

Wer über das Appenzellerland und dessen Bevölkerung eine vorgefasste Ansicht hat, hält sich zurück. Zumindest in der Öffentlichkeit. Wir haben uns umgehört und umgeschaut.
Lukas Pfiffner
Die Menschheit neigt zum «Schubladen-Denken», zum Beispiel was die Kantone betrifft. (Bild: PF)

Die Menschheit neigt zum «Schubladen-Denken», zum Beispiel was die Kantone betrifft. (Bild: PF)

Puzzles mit je 1000 Teilen zum Thema «Schweizer Landleben» und «Winterstimmung Appenzellerland» liegen in einem Schaufenster. «Für Schwingfest und Open Air», steht auf dem Schild neben einem Sitzkissen. Dieses wird ebenfalls in Appenzells Hauptgasse angeboten. Plakate machen auf Innerrhoder Gäss-Schmalz-Salbe und Fruchtsäurepeeling aufmerksam. Ein Restaurant am Landsgemeindeplatz bietet sowohl Bärlauch-Käsespätzli als auch «Swiss prime beef Tatar» an. Am anderen Ende der Hauptgasse hebt sich der Tisch des Aktionskünstlers Roman Signer und verspritzt Wasser. Altmodisch? Rasch lässt sich auch viel Modernes erkennen, wenn man denn will.

Wikipedia definiert das Vorurteil so: «Es ist ein Urteil, das einer Person, einer Gruppe, einem Sachverhalt oder einer Situation vor einer gründlichen und umfassenden Untersuchung, Abklärung und Abwägung zuteil wird, ohne dass die zum Zeitpunkt der Beurteilung zur Verfügung stehenden Fakten verwendet werden. Meist ist ein Vorurteil negativ gemeint und wird auch so verstanden. Vorurteile gibt es in allen Gesellschaften, Klassen und Schichten.»

Das «Sich-Unterscheiden» steht vor dem Kategorisieren

Auf Einladung des Ausserrhoder Departementes für Gesundheit und Soziales hielt sich 2016 Andreas Beelmann in Herisau auf. Der Professor des Instituts für Psychologie an der Universität Jena zeigte auf, wieso Vorurteile nur allzu menschlich sind. Sie basieren immer auf einer Gruppenzugehörigkeit. «Wir kategorisieren Menschen», zitierte ihn unsere Zeitung.

Das «Sich-Unterscheiden» von anderen mache erst möglich, über andere zu urteilen. «Es formen sich Einstellungen, Emotionen und Verhalten gegenüber Mitgliedern anderer Gruppen. Es bilden sich Grüppchen wie «die Kopftuchträger», «die Armen», «die Intellektuellen». Bei einigen gehöre man dazu, bei anderen grenze man sich willentlich ab. «Nur wenige Menschen kommen ohne Gruppenbildung aus.»

Sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen habe Einfluss auf das Handeln. Es zähle nur noch die eigene Gruppe, andere werden ausgeschlossen. Wer mit anderen Gruppen in Kontakt komme, habe weniger Vorurteile. Dabei gebe es auch problematische Einstellungsentwicklungen: «Kein Mensch wird als Extremist geboren.» Kinder würden im Alter von zwei bis vier Jahren beginnen zu kategorisieren. Zwischen fünf und sieben Jahren verstärkt sich dies. (pf)

Verschiedene Vorurteile über die Appenzeller

Urs Berger, Geschäftsführer Appenzellerland Tourismus AR, bekommt ab und zu Vorurteile zu hören. Zum Beispiel: «Hier sind alle Leute klein. Auf jedem Hof hält sich ein bissiger Bläss auf. Das ganze Appenzellerland ist miteinander verwandt. Oder: Die Zeit ist hier stehen geblieben – was natürlich nicht stimmt, wenn man unsere Wirtschaftsbetriebe anschaut.» Wer voreingenommen und engstirnig ins Appenzellerland kommt, ist aber offenbar in der Minderzahl. Oder vielleicht halten sich jene Personen vornehm zurück. «Im Laden sind Vorurteile über Appenzeller nie ein Thema», sagt eine der Verkäuferinnen in der Hauptgasse. Sie lacht und erzählt: «Ich bin selber auch nicht von hier und habe keine Vorurteile.»

7000 bewerteten die Kantone

Die campaignfit GmbH ermittelte 2012 das Image der Kantone. Über 7000 Schweizerinnen und Schweizer nahmen an der Online-Umfrage teil. Beim Stichwort «Familienfreundlichkeit» schnitt der Kanton Appenzell Ausserrhoden am besten ab, die Kantone Genf und Zug am schlechtesten. Appenzell Innerrhoden, Uri und Nidwalden wurden bei der Befragung als besonders bünzlig eingestuft, als am wenigsten bünzlig die beiden Kantone Genf und Zug.

Guido Buob, Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus AI, blieb gelassen. «Man kann uns bünzlig finden. Aber wir stehen zu unserem Brauchtum», wurde er damals in diesem Zusammenhang zitiert.

Studie verstärkt die Vorurteile zahlenmässig

Auf jeden Fall war die Meldung über jene Untersuchung in einem Schweizer Gratisblatt nicht sorgfältig betitelt: «Studie beweist: Vorurteile stimmen.» Sie wurden mit der Befragung ja nicht inhaltlich bestätigt, sondern nur zahlenmässig verstärkt.

"Umegloset" auf den Strassen von Appenzell:

Alois Rusch, Gonten.

Alois Rusch, Gonten.

«Ich vermute, es gibt gleich viele grosse wie kleine Appenzeller. Eigentlich sind Vorurteile für mich kein Thema. Am ehesten glaube ich noch, dass Appenzeller tatsächlich witzig sind.»

Fumiko Yamasaki, Touristin aus dem Aargau.

Fumiko Yamasaki, Touristin aus dem Aargau.

«Als Erstes kommen mir zu Appenzell die Männer in den Sinn, die das Käserezept auf keinen Fall verraten wollen. Aber das ist einfach eine clevere Werbung und kein Vorurteil, oder?»

Clemens Eisele, Postautochauffeur aus Weilheim/D.

Clemens Eisele,
Postautochauffeur aus Weilheim/D.

«Ich fahre mehrmals pro Jahr mit Touristen hierher. Es ist schön. Die Sprache gefällt, die Führungen sind interessant. Appenzeller Vorurteile kenne ich nicht, und sie interessieren mich nicht.»

Linus Ramsauer, Angestellter Metzgerei Wetter.

Linus Ramsauer, Angestellter Metzgerei Wetter.

«Ich weiss, dass es vor einiger Zeit einmal das Vorurteil gab, im Appenzellerland würden die Einheimischen Hunde essen. Hier hat niemand Hundefleisch im Angebot.»

Martina Riedmüller, Trachtenfrau aus dem Tirol.

Martina Riedmüller,
Trachtenfrau aus dem Tirol.

«Ich habe mich ein wenig im Internet informiert. Vorurteile will ich gar keine wissen. Ich komme ganz unvoreingenommen hierher, geniesse die Landschaft und die Leute.»

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