«Schreiben macht glücklich»

Autorenlesung Schreiben macht glücklich. Lesen auch. Das erwies sich einmal mehr bei der Begegnung mit der Schweizer Erfolgsautorin Blanca Imboden in der Bibliothek Mosnang. Sie stiess auf grosses Interesse.

Peter Küpfer
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Der Andrang im Büchersaal der Bibliothek Mosnang war gross. Kurz vor Beginn wurden noch eilig Stühle herbeigeschafft. Blanca Imboden verhehlte nicht, dass sie auch nach zig professionellen Auftritten immer noch nicht ganz frei von Lampenfieber ist. Überflüssig, denn schon nach den ersten Worten war das Eis gebrochen. Dann hingen die Mosnanger Leserinnen (und etwas weniger stark vertretenen Leser) der Autorin während mehr als einer Stunde gebannt an den Lippen. Ihre als Plauderei getarnten offenen und persönlichen Schilderungen wurden immer wieder von herzlichem Lachen aus dem Publikum unterbrochen, denn Blanca Imboden hat Sinn für Humor, auch gegenüber sich selbst.

Einen verschlungenen Weg gegangen

Blanca Imbodens Weg zur heute vielgelesenen Schriftstellerin war alles andere als gradlinig, und schon gar nicht bequem. Zwar hatte sie schon im Primarschulalter geschrieben, handgeschriebene Fortsetzungsromane nämlich, die unter den Schulkollegen kursierten. Dann aber kam zuerst das musikalische Talent zum Tragen. Während 15 Jahren belebte Blanca Imboden als Gesangssolistin mit ihrem Ensemble, darunter ihr Ehemann, die Tanzbühnen in der Schweiz und in Deutschland. Ebenso lange wirkte sie im Redaktionsteam der «Neuen Schwyzer Nachrichten», als Redaktionssekretärin, als redaktionelle Mitarbeiterin und als Kolumnistin. «Der Traumjob für mich», sagt die spätere Autorin. Leider sei die Zeitung dann der allgemein verbreiteten Rationalisierungswelle zum Opfer gefallen.

Die darauffolgende Jobsuche verfolgte auch ungewöhnliche Wege: unter anderem als «Frau für alles» an der Seilbahn Morschach-Stoos. Wie bei ihren anderen zwölf Büchern hat auch dieses Stück Lebenserfahrung anschaulichen Einzug in eines ihrer Bücher gefunden, in den Roman «Matterhörner».

Sonntagskind und zufriedener Mensch

Auch andere Erfolgstitel sind stark vom eigenen Erleben geprägt. So ist ihr Erfolgserstling «Die Kalorien-Königin» eine gleichzeitig witzige und tiefgründige Abrechnung mit dem Zwang zur schlanken Linie. Aus ähnlichen durchlittenen und geschenkten Lebenserfahrungen stammen auch Impulse zum Titel «Wandern ist doof», der ebenfalls in kurzer Zeit oben auf der Bestsellerliste stand. Hier werden die Leserin und der Leser mitgenommen auf einen Weg, in welchem die Autorin vieles von ihrer eigenen Wandlung vom ursprünglichen Wandermuffel hin zur begeisterten Wanderin nachvollziehbar macht. Oft nimmt sie auch Ideen auf, die von Freunden oder Profis kommen. «Schreib doch einmal ein Kinderbuch», hiess es da. Prompt folgte «Johnny Depp – Schule ist doof», das die Herzen nicht nur jugendlicher Leser im Sturm eroberte.

Die echte Herausforderung war dann, als man ihr sagte, sie solle einmal über den Sport schreiben, woraus der Roman «Schwingfest» entstand. Mit enormem Aufwand an Recherche, welche die ehemalige Journalistin auch sonst pflegt. Was in ihren Texten leicht daherkommt, ist oft die Frucht intensiver Arbeit. «Ich will, dass das, was in meinen Büchern steht, auch stimmt oder sich zumindest so ereignet haben könnte, wie ich es schildere.» Ist das das Geheimnis, dass ihr die Herzen zufliegen? Nicht nur, wird im Laufe des Abends klar. Es ist wohl auch ihr Optimismus, der bei Blanca Imbodens realistischen Texten trotz der geschilderten Probleme immer durchscheint. «Ich bin eben ein Sonntagskind und im ganzen ein recht zufriedener Mensch», sagt sie. Und fügt hinzu, dass sie das Schreiben beglückt und ihre innere Balance stabil hält. Intensiver Beifall, lange Schlangen vor dem Signierpult und ein gemütlicher Ausklang mit Apéro schlossen den anregenden Abend ab.