Schon wieder schliesst ein Gastrobetrieb: Wolfhalden wird für Wanderer zur Wüste

Die Coronakrise fordert ein weiteres Opfer: Pächterin Sandra Mäder verlässt den «Adler». Die Schliessung des Betriebs könnte längerfristig aber auch eine Chance sein.

Karin Erni
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Das Restaurant Adler steht direkt neben der Kirche Wolfhalden.

Das Restaurant Adler steht direkt neben der Kirche Wolfhalden.

Bild: David Scarano

Im Frühjahr letzten Jahres hat die ehemalige Serviceangestellte Sandra Mäder mit Freude die Wirtschaft Adler im Dorfzentrum von Wolfhalden übernommen. Nun verlässt sie diese per Ende Jahr bereits wieder. Es habe einiges nicht mehr gestimmt, gibt sie zurückhaltend Auskunft. Als Hauptgrund nennt sie die Coronamassnahmen. Die Einnahmen seien immer mehr zurückgegangen, die Kosten dagegen nicht kleiner geworden. Schliesslich habe sie keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als den Vertrag zu kündigen, sagt sie enttäuscht.

«Ich habe auch die Unterstützung aus dem Dorf vermisst. Von den Wolfhäldlern allein konnte ich nicht leben.»

Die Liegenschaft gehört noch immer Nina und Walter Schlegel. Sie haben den «Adler» vierzig Jahre lang selbst geführt. Die Fassade und das Dach habe er bereits saniert, doch man müsste auch im Innenbereich etwas machen, sagt Walter Schlegel am Telefon. Darum möchte er das Haus mit der Wirtschaft am liebsten verkaufen. Es ist ihm aber wichtig, dass der «Adler» ein Restaurant bleibt. Wenn sich eine neue Wirtin oder ein neuer Wirt melden würde, könnte er sich auch vorstellen, das Lokal noch einmal zu verpachten.

Rettungskomitee weiterhin aktiv

Die Lösung könnte nun von einer Gruppe um Eugen Schläpfer kommen. Sie wollte letztes Jahr eine Genossenschaft gründen, mit dem Ziel den Adler zu retten. Damals haben sich zwar gut 40 Personen eingeschrieben, als Genossenschaftsmitglied mitzuwirken. Es fehlte jedoch das nötige Kapital, um den Adler zu übernehmen. «Da der Adler 2019 neu an Sandra Mäder verpachtet wurde, war eine sofortige Übernahme vom Adler auch ein wenig in den Hintergrund getreten», sagt Schläpfer rückblickend.

Eugen Schläpfer.

Eugen Schläpfer.

Bild: Martina Basista

Doch ganz aufgegeben haben die Initianten noch nicht. Eine kleine Gruppe verfolgt weiterhin das Ziel, den Adler als Dorfbeiz zu erhalten. Sie hat inzwischen ein Konzept und Umbaupläne erarbeitet. «Ein Umbau mit Anbau und Sanierung aller Stockwerke im Adler soll zukünftige Einnahmen und damit den Grundstein für finanzielle Sicherheit bringen», sagt Eugen Schläpfer. Zurzeit werde mit den Amtsstellen und Behörden abgeklärt, ob dieses Umbauprojekt bewilligt und realisiert werden kann. Die Mitglieder der kleinen Gruppe seien auch bereit, persönlich Kapital zur Verfügung zu stellen, sagt Schläpfer. «Ob diese Gleichgesinnten den Adler als Genossenschaft oder als eine andere Gemeinschaft übernehmen, ist auch noch in Abklärung.» Eugen Schläpfer bedauert, dass der «Adler» auf Ende Jahr schliesst.

«Es ist aber auch eine Chance, dass die Liegenschaft gekauft und eine grössere Umbausanierung in Angriff genommen werden könnte.»

Auch Tourismus betroffen

Das Wolfhäldler Beizensterben ist nicht nur für die Einheimischen ein Problem. Es hat auch Folgen für den Tourismus. Wanderer, die den berühmten Witzweg absolvieren, finden unterwegs kaum noch Restaurants zum Einkehren. In Wolfhalden steht das benachbarte Hotel Restaurant Krone seit dem Weggang von Markus Steger seit bald einem Jahr leer. Die Gemeinde hat trotz Investitionen in die Liegenschaft keinen neuen Pächter gefunden. Solange die Coronakrise andauert, will die Gemeinde nicht aktiv weitersuchen.