Schönheitschirurg kauft Appenzeller Beiz

Gross ist an der Türe des Restaurants Bäumli am Landsgemeindeplatz zu lesen: Wegen Betriebsübergabe geschlossen. Nirgends zu finden ist dagegen der Name des Käufers.

Roger Fuchs
Merken
Drucken
Teilen
Das «Bäumli» mit den sieben Rhodswappen auf der Fassade. Rechts angebaut ist das Restaurant Sonne, hinten im Haus mit der Holzfassade findet sich «Blumen Barbara». (Bild: rf)

Das «Bäumli» mit den sieben Rhodswappen auf der Fassade. Rechts angebaut ist das Restaurant Sonne, hinten im Haus mit der Holzfassade findet sich «Blumen Barbara». (Bild: rf)

Gross ist an der Türe des Restaurants Bäumli am Landsgemeindeplatz zu lesen: Wegen Betriebsübergabe geschlossen. Nirgends zu finden ist dagegen der Name des Käufers. Selbst in angrenzenden Restaurationsbetrieben scheint es noch nicht angekommen zu sein, welch berühmter Mann gleich nebenan nun eine Liegenschaft besitzt. Nein, dies habe er noch nicht gewusst, sagt der Gastgeber im Hotel Appenzell, als ich ihm den Namen des neuen «Bäumli»–Besitzers kundtue: Schönheitschirurg Werner Mang.

Hinter Mauern verbarrikadiert

Werner Mang gilt als international bekannte Grösse. Er wird aber auch wahrgenommen als einer, der sich gegen die Aussenwelt abschottet. Zwischen Rorschach und Staad findet sich direkt am Seeufer seine Schweizer Filiale. Die Liegenschaft ist mit Mauern verbarrikadiert, seit Jahren herrscht Uneinigkeit über einen allfälligen öffentlichen Seeuferweg.

Fortan gehört dem in Appenzell wohnhaften Werner Mang eine Liegenschaft direkt am Landsgemeindeplatz. Mang wolle darin weiterhin ein Restaurant betreiben, sagt Vorbesitzer Josef Vicini. Wohl kaum wird der Schönheitschirurg aber selbst Rivella und Café servieren und stattdessen auf die Geld einbringenden Operationen verzichten. Darüber, ob das «Bäumli» denn auch tatsächlich ein Restaurant bleibt, herrschen entsprechende Zweifel. Jemand am Landsgemeindeplatz meint, etwas von Mietwohnungen gehört zu haben. Auch wird über allfällige Praxisräume spekuliert. Zumindest sei die Investition in eine Immobilie am Landsgemeindeplatz nicht schlecht, auf der Bank gäbe es sowieso kaum Zins, lautet eine weitere Stimme.

Werner Mang selbst bleibt derweil abgeschottet. Zwei Anfragen der Appenzeller Zeitung bezüglich Kontaktaufnahme verlaufen ohne Erfolg. Vor dem inneren Auge taucht folglich wieder das Bild der Klinikmauern in Rorschach auf. Werden solche bald auch in Appenzell aufgestellt und muss für die Durchführung der Landsgemeinde ein neuer Platz gesucht werden? Viel Volk hätte sonst die stete Möglichkeit, auf Mangs neue Liegenschaft zu schielen. Und bei besagtem Gebäude einfach die Fassade zu ändern, um den Einblick zu erschweren, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Gemäss dem vormaligen Besitzer Josef Vicini ist das Objekt geschützt. Einzige Möglichkeit, neugierige Blicke abzuwehren, ist, das Volk auf Distanz zu halten.

Gute Nachbarschaft gewünscht

Doch vielleicht will Werner Mang die Innerrhoder gar nicht verscheuchen und zeigt sich in Appenzell von einer anderen Seite. Anwohner, die den Schönheitschirurgen bereits an der Landsgemeinde gesichtet haben, zeichnen das Bild eines freundlichen Bürgers. Dadurch könnte sich die bei «Blumen Barbara» gehörte Hoffnung erfüllen. Mit dem bisherigen «Bäumli»-Besitzer habe man eine gute Nachbarschaft gepflegt. Er habe auch mal die Schirme reingenommen, wenn ein Sturm drohte.

Land und Leute dürfen gespannt sein ob der weiteren Entwicklung. Davon, dass Mang bereits die Finger nach dem an sein Objekt angebauten Haus mit dem Restaurant Sonne ausstrecken könnte, weiss der dortige Pächter nichts. Solche Gedanken ausschliessen wollen wir an dieser Stelle aber nicht.