SCHÖNENGRUND: Schlafen im Pilgerhüttli

Pilgernde, die auf dem Camingplatz in Schönengrund übernachten wollen, können dies auch ohne eigenes Zelt tun. Seit vier Jahren gibt es dort ein Pilgerhüttli. Nicht ausgeschlossen, dass das Hüttli der Anfang eines Hüttli-Dorfs ist.

Roger Fuchs
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Das Pilgerhüttli auf dem Zeltplatz Camping Schönengrund erspart Pilgernden das Aufstellen des Zeltes. (Bild: Roger Fuchs)

Das Pilgerhüttli auf dem Zeltplatz Camping Schönengrund erspart Pilgernden das Aufstellen des Zeltes. (Bild: Roger Fuchs)

Es wirkt wie ein kleines Chalet umgeben von grünen Wiesen. In unmittelbarer Nähe steht ein Hot-Pot, in dem es sich erholen lässt. Einige Meter weiter weiden Pferde. Der Standort des Pilgerhüttlis auf dem Zeltplatz Camping Schönengrund gefällt. Dazu kommt eine liebevolle Einrichtung im Alphüttenstil. Selbst wenn man sich das alles wegdenkt, kann angesichts der ansehnlichen Holzkonstruktion nicht einfach von einem billigen Gartenhäuschen gesprochen werden.

Doch das Pilgerhüttli ist gewiss kein Luxusresort. Die Campingbetreiber Martin und Maya Klauser haben es vor vier Jahren initiiert. Und dies nicht ohne Grund, wie sie erzählen. An ihrem Zeltplatz führt der Jakobsweg vorbei, die meisten der Pilgerinnen und Pilger kommen von Urnäsch oder Appenzell her und ziehen später weiter Richtung Wattwil. Als es das Pilgerhüttli noch nicht gab, mussten die Pilgernden im schlimmsten Fall bei Regenwetter noch ihr Zelt aufstellen. «Die Leute haben mir dabei leid getan. Deshalb habe ich dieses Hüttli gebaut», erzählt Martin Klauser.
 

Religiöse Symbole werden nicht vermisst

Das Pilgerhüttli bietet Platz für bis zu vier Personen. Kleiderschränke gibt es allerdings keine, dafür Filzpantoffeln. Zudem können die Sanitäranlagen des Zeltplatzes benutzt werden.
Nebst einem schmucken Engel direkt vor dem Eingang zum Hüttli, sind keine religiösen Utensilien wie beispielsweise Kreuze oder eine Bibel zu finden. Einer der Gründe ist, dass das Pilgerhüttli nicht nur an Gläubige vermietet wird, sondern auch an Feriengäste. Die Erfahrung zeigt gemäss Maya Klauser, dass die Pilgernden noch nie religiöse Symbole im Hüttli vermisst hätten. Vielmehr gehe es diesen Menschen darum, unterwegs bei sich und beim Herrgott zu sein. Viele von ihnen hätten eigene Lektüre dabei; dazu kann durchaus eine Bibel gehören. Auch zu religiösen Gesprächen zwischen den Zeltplatzbetreibern und den Gästen im Pilgerhüttli kommt es selten. Was dem Ehepaar Klauser aber auffällt: Es sind alles freundliche, offene und aufgestellte Menschen, die auf dem Jakobsweg unterwegs sind. Häufig würden sich diese nach dem weiteren
Verlauf des Weges erkunden.

Wer eine ruhige und trockene Nacht sucht, hat mit dem Pilgerhüttli eine einmalige Anlaufstelle. Beim Probeschlafen ist die Nacht allerdings dermassen schwül, dass ein offenes Fenster gut täte. Fehlende Fliegengitter halten jedoch davon ab, weil sonst schnell ein störendes Surren im Hüttli zu hören wäre. Pilgernde hingegen dürften wohl in der Regel von ihren Märschen so müde sein, dass sie solches nicht im Geringsten störte.
 

Nur für Pilger wäre das Hüttli nicht rentabel

Wie Maya und Martin Klauser weiter erzählen, kommen die meisten Pilger aus Deutschland und Österreich. Während der Monate Juni bis September seien es im Schnitt zwei bis drei Pilgerinnen und Pilger pro Woche. Ein Pilgerhüttli alleine für diese Personengruppe wäre folglich nicht rentabel. Und so steht das Hüttli auf Booking-Plattformen auch für andere Gäste frei zur Miete. Auf die Frage nach einem speziellen Erlebnis erinnert sich Maya Klauser an einen Pilger, der bei ihnen den ersten August gefeiert habe und von dem sie später eine Karte vom Zielort, also aus Santjago de Compostela erhalten hätten. Ansonsten sind viele Begegnungen mit Pilgern letztlich aber  flüchtige Erlebnisse. Sie seien einfach auf der Durchreise, sagen Klausers.

Nicht ausgeschlossen werden kann, dass das Pilgerhüttli in den nächsten Jahren um ein oder mehrere Hüttli ergänzt wird. «Mein Mann träumt von einem ganzen Pilgerhüttli-Dorf», meint Maya Klauser lachend. Dabei könnte sich Martin Klauser auf die bisherigen Erfahrungen abstützen. Demnach würde er weitere Hüttli von Beginn weg isolieren und nicht erst im Nachhinein, wie er sagt. Schliesslich verabschieden sich die beiden in das neben dem Zeltplatz gelegene Gästehaus Krone, zugleich ihrem eigenen Zuhause. Langsam bricht die Nacht herein. Der Probepilger legt sich schlafen.