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SCHÖNENGRUND: Blühende Geschäfte mit Hanf

Wo einst Webstühle klapperten, wird heute ein anderes Handwerk gepflegt. In den Räumlichkeiten der 150-jährigen Fabrik in der Tüfi stellt die Firma Ai Fame legale Hanfprodukte her.
Karin Erni
Nach der Ernte werden die Cannabispflanzen manuell vorsortiert, bevor sie in den weiteren Verarbeitungsprozess gelangen. (Bild: Karin Erni)

Nach der Ernte werden die Cannabispflanzen manuell vorsortiert, bevor sie in den weiteren Verarbeitungsprozess gelangen. (Bild: Karin Erni)

Das Unternehmen Ai Fame in Wald-Schönengrund ist seit dem Jahr 2000 im Bereich Zucht, Anbau und Weiterverarbeitung von Cannabispflanzen tätig. Seine Tochtergesellschaft AI Lab Swiss ist zudem spezialisiert auf die Analyse und die Wirkstoffgewinnung von Pflanzen, im speziellen des Hanfs.

In den Anfängen stellte Ai Fame unter anderem einen Hanflikör namens Setino her. Seit Februar 2016 verfügt die Firma über die Bewilligung von Swiss Medic zur Herstellung von Arzneimitteln aus Cannabis. Ein Teil der Produkte wird über die zur selben Firmengruppe gehörenden «Hanftheken» der Härkinger Firma Swiss Cannabis vertrieben. Von diesen gibt es derzeit zehn in der Schweiz, die Tendenz ist steigend.

Heute ist der Anbau von Cannabispflanzen mit einem THC-Gehalt unter einem Prozent in der Schweiz legal. Doch der Weg zur gesetzeskonformen Hanfplantage war steinig. Die unsichere Rechtslage im Umgang mit Betäubungsmitteln führte wiederholt zu Problemen mit den Behörden. Tiefpunkt in der Firmengeschichte war die Razzia im Januar 2012, bei der die Polizei sämtliche Hanfpflanzen unberechtigterweise konfiszierte. Der Firmenbesitzer der Ai Fame und Ai Lab Swiss war aber immer vom gesundheitsfördernden Potenzial des Rohstoffs Cannabis überzeugt. Unbeirrt hat er mit seinem Team das Know-how um die Hanfproduktion stetig weiterentwickelt. Heute gehören Ai Fame und Ai Lab Swiss zu den führenden Herstellern von CBD-Produkten und Wirkstoffen in der Schweiz.

Ein Augenschein in der Produktion

In der ehemaligen Weberei in ­ der Tüfi sind rund ein Dutzend Mitarbeiter beschäftigt. Auf 500 Quadratmetern werden Hanfpflanzen aufgezogen und anschliessend verarbeitet. Das Erdgeschoss dient der Pflanzenzucht. Die Verarbeitung, Ex­traktion, Filtration und Destillation sowie die Untersuchung im Labor erfolgen in den Obergeschossen.

Die Luft im gesamten Gebäude ist erfüllt vom typischen Cannabis-Geruch, und man fragt sich, ob hier wirklich alles mit rechten Dingen zugeht. Der intensive Geruch komme von den Terpenen in der Hanfpflanze, erklärt Manuela Marighetti, die Assistentin der Geschäftsleitung. Sie führt die Besucherin durch den Betrieb. «Terpene sind ätherische Öle, die in vielen duftenden Pflanzen wie beispielsweise Lavendel, Pinien oder Hopfen natürlicherweise vorkommen.»

Nebst diesen Duftstoffen enthält die weibliche Hanfpflanze über 80 verschiedene Wirkstoffe, so genannte Cannabinoide. Das bekannteste ist das berauschende THC. Derzeit stark im Fokus des Interesses ist das kaum psychoaktive Cannabidiol (CBD). Es wirkt unter anderem entkrampfend, entzündungshemmend und angstlösend. Seine mögliche Wirksamkeit gegen Krebs und andere Krankheiten ist Gegenstand aktueller medizinischer Forschungen.

Hygiene wird grossgeschrieben

Der Betrieb von Ai Fame ist vom Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic GMP-zertifiziert. «GMP bedeutet gute Herstellungspraxis und dient der Gewährleistung der Produktqualität für die Vermarktung. Das heisst, alle Verarbeitungsschritte müssen exakt dokumentiert werden», sagt Manuela Marighetti. Das GACP-Zertifikat «Gute Praxis für die Sammlung und den Anbau von Arzneipflanzen» setzt die Standards für die Pflanzenaufzucht. Jede Hanfpflanze ist aus Gründen der Rückverfolgbarkeit mit einer Etikette gekennzeichnet. Zu den geforderten Hygienemassnahmen gehört auch, dass nicht nur das Personal, sondern auch die Besucher mit Haube, Schutzmantel und Überschuhen ausgerüstet werden. Das Betreten der Pflanzenräume ist nur befugten Personen gestattet.

Vollautomatisierte Pflanzenpflege

Von den Mutterpflanzen werden Stecklinge geschnitten und in 2-Liter-Gefässen kultiviert. In dieser «Kinderstube» verläuft die Bewässerung, Beleuchtung und Belüftung vollautomatisch. Haben die Pflanzen eine bestimmte Grösse erreicht, werden sie maschinell in 10-Liter-Töpfe umgetopft. Im fensterlosen Raum erhalten sie künstliches UV-Licht nach einem genau festgelegten Rhythmus. Solange die Pflanzen wachsen, haben sie einen 18-Stun­den-Tag. Wird die Tageszeit verkürzt, beginnen sie zu blühen. Exakt 63 Tage dauert es von der Pflanzung bis zur Ernte. Reif sind die Pflanzen, wenn sie in den Drüsenhaaren der Blüten, den so genannten Trichomen, genügend Harz gebildet haben. Unter dem Mikroskop sieht das aus wie Tausende kleiner Schneckenfühler.

Während des Besuchs ist gerade die Ernte in einem der Pflanzenräume im Gang. Die geschnittenen Zweige werden sofort weiterverarbeitet. Blüten und Blätter werden in einer eigens dafür entwickelten Maschine von den Stängeln getrennt, sortiert und anschliessend getrocknet und gemahlen. Mittels Gasextraktionsverfahren wird das Harz später bei niedrigen Temperaturen vom Pflanzenmaterial separiert und letzteres umweltfreundlich kompostiert. Es bestehen auch Pläne, die «Abfälle» zu weiteren Produkten wie Papier oder Textilien zu verarbeiten.

Für Forschung und Verkauf

Im hauseigenen Labor kann ­mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatografie die Konzentration der Inhaltsstoffe in den Ausgangsmaterialien und den fertigen Produkten bestimmt werden.

In der Hanfblüte beträgt die CBD-Konzentration 16 bis 20 Prozent. Die Tropfen, die in öliger oder wasserlöslicher Form in der «Hanftheke» angeboten werden, enthalten 5 bis 98 Prozent CBD. Für die medizinische Forschung wird das reine CBD in kristalliner Form verkauft. Abnehmer des Extraktes sind jedoch nicht nur Pharmaunternehmen, sondern auch die Kosmetikindustrie. Ai Fame verkauft aber auch ganze Blüten für die Herstellung von Tinkturen durch Mazeration und Perkolation. Da aber die Pflanze sehr häufig geraucht wird, sieht sich das Unternehmen gezwungen, der eidgenössischen Zollverwaltung Tabaksteuern zu entrichten. Als potenzieller Tabakersatz wird CBD gleich besteuert wie Zigaretten.

Erfolgreiche Zuchtbemühungen

Durch Zucht und Auslese konnte der CBD-Gehalt der bei Ai Fame verwendeten Hanfpflanzen bereits um ein Vielfaches gesteigert werden. Bis heute wurden über 70 verschiedene Sorten gezüchtet und gekreuzt, um sie bezüglich Wirkstoffgehalt zu optimieren. Und es wird weiterhin an den Pflanzen geforscht. Die Neuzüchtungen befinden sich in speziellen Zuchtboxen, quasi in «Einzelhaft», damit sie nicht fremdbestäubt werden und ihre besonderen genetischen Eigenschaften erhalten bleiben. Falls die Untersuchung auf die Inhaltsstoffe erfolgreich verläuft, werden aus den entstehenden Samen neue Mutterpflanzen gezogen.

Durch stetige Anpassung hat sich die uralte Nutz- und Heilpflanze Hanf ihre Daseinsberechtigung bis zum heutigen Tag bewahrt.

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