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«Schöne Lastwagenroute, aber…»

Am 12. März tagen die Transportunternehmer der Astag, Sektion Ostschweiz und Fürstentum Lichtenstein, in Wattwil. Präsident Martin Lörtscher über das Thur- und Neckertal aus der Sicht eines Camionneurs.
Serge Hediger
Strassen wie die über den Ricken sind für Lastwagenfahrer mühsam und anspruchsvoll. (Bild: Urs M. Hemm)

Strassen wie die über den Ricken sind für Lastwagenfahrer mühsam und anspruchsvoll. (Bild: Urs M. Hemm)

Herr Lörtscher, wie erleben Lastwagenfahrer das Toggenburg?

Martin Lötscher: Der Weg durchs Toggenburg ist grundsätzlich eine schöne Route, die auch ich während meiner Zeit als Chauffeur gerne gefahren bin. Oft stellt sie den kürzesten Weg dar, was aus Gründen der Schwerverkehrsabgabe LSVA wichtig ist. Fahrerisch dagegen ist das Toggenburg mit seinem Auf und Ab eher mühsam und anspruchsvoll. Der Wechsel zwischen Gas geben und bremsen wirkt sich negativ auf den Treibstoffverbrauch aus. Das Toggenburg ist deswegen keine Strecke für ökonomisches Fahren wie im Lehrbuch. Und die Fahrer müssen sich konzentrieren, denken wir nur an die enge Brücke bei Dietfurt…

…oder an die Kurve beim Rathaus Lichtensteig.

Lötscher: Kein Lastwagenchauffeur fährt durch Lichtensteig, ausser er kennt sich nicht aus. Ich weiss sogar von Chauffeuren, die nach einer Lieferung umkehren, um nicht durchs Städtchen zu müssen. Aus Kalberei nimmt niemand diesen Weg. Das Risiko ist zu gross, die Übersicht zu gering.

Die Strassen bei uns sind nicht immer breit, Pässe wie die Hulftegg, der Ricken oder die Wasserfluh nicht immer einfach zu befahren. Wie sieht das der Camionneur?

Lötscher: In den vergangenen 20 Jahren wurden die Lastwagen breiter und schwerer. Waren die 28-Tönner einst 2,30 Meter breit, so messen die 40-Tönner heute 2,60 Meter. Übergänge wie den Ricken wählt niemand freiwillig, so dass es hier vor allem zu Zielverkehr mit Bestimmungsort Toggenburg kommt. Auch in Hemberg oder Libingen müssen Läden und Gewerbetreibende mit Gütern versorgt werden.

Jedes Jahr im Winter kommt es in Wattwil am Fusse des Rickens zu Stau, wenn Schnee liegt und Lastwagen nicht mehr wegkommen. Wie beurteilen Sie die Situation? Was ist aus Sicht der Lastwagenfahrer zu tun?

Lötscher: Ich kann nur schlecht begreifen, dass die Schneekettenpflicht nicht schon in Wil oder Bazenheid ausgeschildert wird. Natürlich – Lastwagen aus dem Ausland sind häufig schlechter für den Winter gerüstet als solche aus dem Inland. Aber auch für sie gilt: Nach Dietfurt kommt kein Ausstellplatz mehr. Wir Lastwagenfahrer wünschen uns eine solche Ausfahrtmöglichkeit – sei es um Ketten aufzuziehen oder sei es für den Pannenfall. Wir verstehen, dass dafür Land und Geld notwendig sind, doch für den Verkehrsfluss im Toggenburg wäre ein solcher Ausstellplatz vorteilhaft.

An internationalen Routen wird bergab mit Schildern auf die Möglichkeit hingewiesen, dass sich bei Lastwagen die Bremsen überhitzen können. Besteht diese Gefahr auch im Toggenburg?

Lötscher: Je schwerer ein Lastwagen geladen hat, umso mehr versucht er, die Motorbremse einzusetzen. Das macht ihn langsam, was vom Autofahrer auf der gleichen Strasse weiteres Verständnis abfordert. Auf dem Weg von Wildhaus ins Rheintal oder vom Ricken her kommend Richtung Uznach können die Bremsen bei falscher Fahrweise durchaus einmal heiss werden.

Während die Gemeinden des unteren Toggenburgs gut auch mit der Bahn versorgt werden können, sind die Menschen oberhalb von Nesslau oder im Neckertal stark auf den Lastwagen angewiesen. Wie sehen das Lastwagenfahrer?

Lötscher: 80 Prozent aller Güter werden in der Schweiz auf der Strasse transportiert. Wir sprechen von der Versorgung und der Entsorgung, was gerne vergessen geht. Es ist eine Eigenheit des Toggenburgs, des Berner Oberlands oder des Entlebuchs, dass der Lastwagen ein wichtiger Verkehrsträger für Tourismus und Wirtschaft ist. Hier wird einem Camionneur auch mehr Wertschätzung entgegengebracht als beispielsweise im Grossraum Zürich.

Die Umfahrung Bütschwil ist im Entstehen, Wattwil dürfte dereinst auch umfahren werden können. Was fehlt noch aus Sicht der Nutzfahrzeuglenker?

Lötscher: Umfahrungen – vor allem die Trennung von Langsamverkehr und motorisiertem Verkehr – stellen aus unserer Sicht eine riesige Erleichterung dar: bessere Sicht, breitere Strassen, grössere Sicherheit, ökologischeres und ökonomischeres Fahren. Lastwagenmotoren laufen drehzahloptimiert. Jeder Kreisel, jeder Bahnübergang, jedes Anfahren, Beschleunigen und Abbremsen führt zu höherem Treibstoffverbrauch. Messungen haben ergeben, dass auf dem kürzeren Weg durchs Toggenburg 35 Prozent mehr Treibstoff verbraucht werden als auf der weiteren Strecke über die Rheintalautobahn. Natürlich: Gegner argumentieren, ein Strassenausbau ziehe mehr Verkehr an, doch wir Lastwagenfahrer wären froh, es würde überall so gebaut wie dort. Der Weg durchs Toggenburg jedenfalls wird nie eine internationale Linie werden.

Martin Lötscher Präsident des Schweizerischen Nutzfahrzeugverbands Astag (Bild: pd)

Martin Lötscher Präsident des Schweizerischen Nutzfahrzeugverbands Astag (Bild: pd)

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