Schnittstellen nutzen

Katrin Keller ist die Chefin einer Vermittlungsagentur der etwas anderen Art. «Keller Innovations-Kompetenz KIK» nennt es sich; die Jungunternehmerin aus Herisau vermittelt als Erste in der Schweiz Künstlerinnen und Künstler an Firmen.

Guido Berlinger-Bolt
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Katrin Keller will Kunst und Erfolg zusammenführen. (Bild: pd)

Katrin Keller will Kunst und Erfolg zusammenführen. (Bild: pd)

HERISAU/LUZERN. Ihre Thesen sind stark, vor allem die: «Künstlerinnen und Künstler werden sich in Zukunft anders positionieren: Sie werden sich weniger mit der Visualisierung innerer Welten beschäftigen, als vielmehr aktiv an der Gestaltung unserer Lebenswelt arbeiten.» Sie spricht von engagierten Kunstschaffenden, die sich kritisch mit der Welt auseinandersetzen und vor allem: die Lösungen suchen und Einfluss nehmen auf den Gang der Zeit.

Innovationskompetenz nutzen

Während sieben Jahren studierte Katrin Keller an der Hochschule Luzern – Design und Kunst, zunächst im Bachelor Kunst und Vermittlung und danach im Master Kunst (siehe Person). Am Ende ihres Masterstudiums beschäftigt sie (und viele ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen) die eine Frage: «Welche Chancen habe ich als Kunst-Absolventin auf dem Arbeitsmarkt?» Was sie umtrieb, verarbeitete Katrin Keller produktiv in einer Masterarbeit: Der Schlüsselbegriff darin lautet Innovationskompetenz. Auf ihrer Homepage beschreibt Katrin Keller ihre Überzeugung so: «Kreativität ist die Voraussetzung für Innovation und wird damit zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Die Keller Innovationskompetenz KIK sieht in diesem Trend eine grosse Chance für die Gesellschaft. KIK vermittelt zwischen Kunst und Wirtschaft und fördert einen gewinnbringenden Austausch.» Das Potenzial, sagt sie am Telefon, sei gross, allein, es werde viel zu wenig genutzt. So viel zur einen Seite, auf der anderen sieht sie das Dilemma vieler Kunstschaffender: Sie verfolgen ihre eigenen Ziele – und erhalten dafür oft wenig oder gar keinen Lohn. Als Ausnahmen erwähnt Katrin Keller Kunst-am- Bau-Projekte und das weite Feld der Werbebranche.

Firmen und Künstler

Mit ihrer Agentur versucht Katrin Keller aber einen grossen Schritt weiterzugehen, die Arbeit der Künstlerinnen und Künstler und die Interessen der Firmen einander näherzubringen, ja sie quasi deckungsgleich zu machen: «Die eigene Arbeit der Kunstschaffenden soll dem Interesse des Unternehmens entsprechen», sagt sie. Wobei sie darunter längst nicht nur gestalterische Aufgaben versteht. Vielmehr erhalte ein Unternehmen mit dem Engagement eines Künstlers, einer Künstlerin die Chance, jemanden zu gewinnen, der mutig weiterdenkt, hinterfragt, mit anderen Augen schaut, einen ganz anderen Bildungsrucksack mitbringt, der – eben – innovativ ist. Und die Fähigkeit zur Innovation, die ist nach dem Überschreiten der Schwelle von der industriellen zur post-industriellen Gesellschaft zweifellos von höchstem Wert. Innovation und Kreativität werden im wirtschaftlichen Kontext einen viel grösseren Stellenwert erhalten, ist Katrin Keller denn auch überzeugt.

Während der letzten Tage schloss sie mit den letzten Prüfungen ihr Studium ab. Ab heute und bis am 1. Juli stellt sie gemeinsam mit weiteren Absolventinnen und Absolventen in Zug ihre Abschlussarbeit im Rahmen der Werkschau der Hochschule Luzern – Design und Kunst vor.

www.innovationskompetenz.ch