Schnee kam zumindest musikalisch

Nach vier Konzerten ennet dem Ricken gastierte die Let's go Big Band aus Einsiedeln am Montagabend auch in Wattwil. Sie brachte eine Sängerin mit Ausstrahlung und einer eindrücklichen Stimme mit: Susan Orus, mit Wurzeln in Wattwil.

Peter Küpfer
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Zusammenspiel in Perfektion: Vokalistin und Big Band begeisterten gleichermassen. (Bilder: Peter Küpfer)

Zusammenspiel in Perfektion: Vokalistin und Big Band begeisterten gleichermassen. (Bilder: Peter Küpfer)

WATTWIL. Ursprünglich hätten es nur vier Konzerte sein sollen, alle ennet dem Ricken. Aber Susan Orus, Sängerin aus Wattwil, wo sie aufgewachsen ist, überzeugte die Big Band aus Einsiedeln von ihrer Idee, auch in Susans Heimat zu gastieren. Der Erfolg gab ihr Recht. Am vergangenen Montagabend war die evangelische Kirche Wattwil voll von Menschen, welche das Ensemble mit seiner «Wattwiler» Gastsängerin hören wollten und am Schluss des Konzerts begeistert und anhaltend applaudierten.

Swingende Weihnachten

Die elegante Big Band spielte sich unter der Leitung ihres langjährigen Leaders Erwin Füchslin gleich zur Eröffnung mit dem Titel «Winter Wonderland» in die Herzen der Zuhörer. In ihrer schwarzen Kleidung mit der frechen roten Fliege und ihren konsequent stehenden Einsätzen wirkten die Musiker der Einsiedler Band diszipliniert, höflich und gleichzeitig etwas verwegen. Sie überzeugten mit viel musikalischem Temperament und Gestaltungskraft im klassischen Swing-Stil und zahlreichen eindrücklichen Solos. Das attraktive Programm enthielt neben lieblichen Big-Band-Klassikern wie «Feliz Navidad» oder dem turbulenten «Sleigh Ride» auch spezifisch Weihnachtliches. Dazu gehörten neben «White Christmas», diesmal im Swing-Stil, auch eine jazzig verfremdete, aber höchst ansprechende Version von «Oh Tannenbaum» (O Christmas Tree) sowie eine ebenso arrangierte Version des Kleinen Trommlers («The little Drummer Boy»), bei der Hugo Knobel am Schlagzeug mit komplizierten Figuren brillierte.

Grossartige Stimme

Sängerin Susan Orus war sofort voll da. Mit ihrer warmen Stimme, ihrer sparsam und wirkungsvoll eingesetzten Gestik und ihrem natürlichen Lächeln schlug sie das Publikum von Beginn an in ihren Bann. Die ersten beiden Titel hatten Tempo und Temperament, das im zweiten Block erklingende «Over the Rainbow» viel Gefühl. Und im «Let it Snow» wurde der Jubel des ehemaligen Toggenburger Kindes über den heftigen Schneefall, der vorläufig allerdings nur musikalisch vorhanden war, auch von vielen aus dem Publikum geteilt. So richtig in Fahrt kam die Sängerin mit dem grossartigen Stimmvolumen vor allem in den Schlusstiteln, mit «Have yourself a merry little Christmas» und dem sehnsüchtigen «White Christmas», auf die wir dieses Jahr wohl vergeblich warten. Susan Orus erwies sich dabei als sensible, bei Bedarf auch leidenschaftlich sich aussingende Vokalistin, die ganz mit ihrer Formation verschmolz, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Das Ensemble ging dabei voll mit, wobei die solistischen Einlagen von Michael Hess (Piano), Franz Kälin (Posaune), Armin Schmid (Lead Altsaxophon), Walo Schönbächler (Posaune), Thomas Zellweger (Tenorsaxophon und Klarinette) und nicht zuletzt von Bandleader Erwin Füchslin (Trompete und Flügelhorn) das ihre zum perfekten Gesamteindruck beitrugen.

Mehrere Zugaben

Das Publikum bedankte sich für das Konzert mit anhaltendem Applaus, der mit zwei Zugaben belohnt wurde, und liess nicht locker, bis nochmals eine Zugabe zu den Zugaben erfolgte. Dann erst entliess es die Einsiedler in den verdienten späten Feierabend, währenddem Sängerin Susan Orus von ihrer Familie, Freunden und Bekannten belagert wurde, die es sich nicht nehmen liessen, ihr persönlich zu gratulieren.

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