Schnäppchenjagd in Ebnat-Kappel

Der «Ackerhus-Flohmarkt» vom vergangenen Samstag im Schuppen beim Bahnhof Ebnat-Kappel kann als voller Erfolg bezeichnet werden. In Rekordgeschwindigkeit leerten sich hier die Tische und füllten sich die Herzen der Trödelfans.

Thomas Geissler
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Jost Kirchgraber (Mitte) kann den Besuchern des Flohmarktes zu jedem Stück etwas erzählen. (Bilder: Thomas Geissler)

Jost Kirchgraber (Mitte) kann den Besuchern des Flohmarktes zu jedem Stück etwas erzählen. (Bilder: Thomas Geissler)

EBNAT-KAPPEL. Schon zur Eröffnung des Flohmarktes im Schuppen Ebnat-Kappel um 9 Uhr bildete sich eine lange Schlange an kaufwilligen Menschen auf der Suche nach Schnäppchen. Und diese gab es hier zuhauf. Nach nur einer Stunde hatte schon über die Hälfte der Flohmarktartikel ein neues Zuhause gefunden. «Besonders gefragt waren vor allem Silberbesteck, kleine bemalte Kästchen, aber auch Geschirr und diverse Textilien», freute sich Jost Kirchgraber, Leiter der organisierenden Arbeitsgruppe pro Ackerhus, über den einschlagenden Erfolg. Die angebotenen Artikel, vor allem aus dem frühen 19. Jahrhundert, kamen aus der Sammlung des Lehrers Albert Edelmann.

Neues Leben für alte Dinge

Beim ersten Ansturm war die Künstlerin Rosmarie Abderhalden schon mit dabei. Sie war speziell auf der Suche nach Bilderrahmen. Besonders der zu sehende Zahn der Zeit, der auch am schönsten Rahmen seine Spuren hinterlassen hat, reizte die Künstlerin. «Es sind eben die nicht mehr ganz perfekten Rahmen, die eine Geschichte mitbringen, die einen am Ende auch bei der künstlerischen Arbeit inspirieren», erzählte sie. Und so werden die ersteigerten geschichtsträchtigen Rahmen ein zweites bewegtes Leben bekommen, gepaart mit ihrer handgeschöpften 3D- Papierkunst. So kann es sein, dass der eine oder andere Rahmen bei ihrer nächsten Ausstellung im Sommer im Haus Säntisthur – derORT in Unterwasser wieder auftauchen wird.

Überwältigender Ansturm

Starke Nerven waren gefragt, wer ganz früh die besten Waren sichten und erwerben wollte. Im Schuppen war kaum ein Durchkommen möglich und die freiwilligen Verkäufer hatten alle Hände voll zu tun. Vereinfacht wurde das Prozedere des Handelns. Im Gegensatz zum klassischen Flohmarkt gab es eine fixe Preisgestaltung. Hier wurde nicht gehandelt und gefeilscht. Jedes ausgestellte und zum Verkauf angebotene Teil war extra angepreist. «Wir haben die Preise zuvor mit Experten festgelegt», berichtete Jost Kirchgraber. Und die Preise waren sehr günstig, sogar so günstig, dass es etliche Käufer und Käuferinnen gab, die freiwillig ein paar Franken mehr ausgegeben haben, bestätigte er. «Wir haben auch die Preise bewusst sehr niedrig gehalten», da es auch ein Ziel war, die wertvollen Zeitzeugen einem neuen Sinn zuzuführen.

Schnäppchen für guten Zweck

Das Ackerhus war voll von antiken Stücken, auch solchen, die für die Ausstellung keine Verwendung fanden oder künftig finden werden. So sammelte sich über die Jahre eine ansehnliche Menge Trödel an, der sich auf dem Dachboden und in den Ecken stapelte, aber für eine Entsorgung viel zu schade war. Vieles waren auch Geschenke aus der Bevölkerung, für die aber der Ausstellungsplatz im Ackerhus nicht reichte. Die aus dem Verkauf gewonnenen finanziellen Mittel sollen aber nicht für den Umbau, sondern für ein neues Ausstellungskonzept und die Inneneinrichtung Verwendung finden. So haben die Käufer und Käuferinnen nicht nur ein tolles Schnäppchen gemacht, sondern beteiligten sich indirekt an zukünftigen Ausstellungen. Die grosse Sortieraktion für den Flohmarkt in Ebnat-Kappel begann schon im Herbst vergangenen Jahres, berichtete Martin Baumann, Präsident der Albert-Edelmann-Stiftung, der Besitzerin des Ackerhus. Auch er beteiligte sich tatkräftig am Verkauf.

Weitere Chance für Verbliebenes

Bereits zwei Stunden nach Öffnung des Ackerhus-Flohmarktes war der grösste Trubel schon wieder vorbei. Die Reihen auf den Tischen hatten sich gelichtet und die meisten Besucher und Besucherinnen waren mit ihrem neuen Besitz schon auf dem Heimweg oder verweilten bei Kaffee und Kuchen. Doch vereinzelt kamen immer wieder Schaulustige, um in den letzten Beständen zu stöbern. Da war dann auch die Künstlerin Rosmarie Abderhalden noch einmal anzutreffen, um in einer zweiten Runde nach weiteren Bilderrahmen Ausschau zu halten. Zwar ging nicht restlos alles über den Trödeltisch, doch für Jost Kirchgraber ist sicher: «Einen zweiten Flohmarkt wird es nicht geben.» Was hier keinen Abnehmer fand, wird seinen Weg zum Brocki finden und dort die letzte Chance erhalten, doch noch entdeckt zu werden.

Ob antike Kleinmöbel, Besteck, Porzellan oder Bücher, hier findet das Trödelherz alles, was es begehrt.

Ob antike Kleinmöbel, Besteck, Porzellan oder Bücher, hier findet das Trödelherz alles, was es begehrt.

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