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«Schloorzi»: Dreckig und lieblich zugleich

Mini Mundart
Anina Rütsche

Das Wort klingt irgendwie eklig, doch aus der «Schloorzi» kann man wunderbare Süssspeisen zubereiten. Birnweggen beispielsweise, oder den fürs Toggenburg und Appenzellerland typischen «Schloorzifladen». Diese Wähe besteht aus einem Teig und einem rahmigen Guss – dazwischen befindet sich die «Schloorzi», ein braunes Mus aus gedörrten Birnen und würzigen Zutaten wie Anis, Zimt und Nelkenpulver.

Während im Buch «Tòggeborger Spròòch ond Aart» aus der Feder von Kaplan Theo Kappler der Begriff «Schloorzi» aufgeführt ist, spricht das Schweizerdeutsche Wörterbuch Idiotikon von «Schlorzi» oder «Schlurzi» oder «Gschlörzi» mit Verweis auf die Region Toggenburg. Es handle sich dabei um «Füllsel auf (Eier-)Kuchen, heisst es in Band IX in Spalte 663, und man unterscheide zwischen den Varianten «Bire und Nidel». Nidel, also Rahm – ja, das passt also gleich doppelt zum «Schloorziflade». Zum Begriff «Schlörzi» heisst es, dass es sich hierbei um eine «breiartige Flüssigkeit» handle, beispielsweise um «den Inhalt einer Pfütze».

Eine Wähe ist im Idealfall aber keine Pfütze, deshalb geht die Wortsuche weiter. Und sie zeigt: Die verschiedenen Namenwörter rund um «Schloorzi» stammen laut Idiotikon vom Verb «schlörze» ab. Dies bedeutet: «Durch nassen Kot gehn, darin arbeiten, dass es klatscht und spritzt», wobei Kot nicht im heutigen Sinne von Fäkalien verstanden werden muss, sondern als ursprüngliche Bezeichnung für Dreck oder Schmutz, die heute aber nur noch in Österreich verwendet wird, wie Wikipedia verrät. Aber wie gesagt, um Ekel geht es an dieser Stelle nicht, darum lohnt sich ein Blick auf die zweite Beschreibung zum «schlörze»: «Allerlei durcheinander kochen, so dass man nicht mehr weiss, was es ist.» Dies wiederum passt sehr gut zum «Schloorzifladen», denn die Zusammensetzung des dafür verwendeten Birnenmuses ist in den meisten Fällen ein Geheimnis des Hauses, oft von Generation zu Generation weitergegeben. So erstaunt es nicht, dass in Backbüchern und im Internet zahlreiche Variationen von «Schloorzifladen»-Rezepten zu finden sind. Obwohl es sich um ein traditionelles Gebäck handelt, wird oft vorgeschlagen, eine Birnweggenfüllung aus dem Supermarkt zu verwenden, statt alles von Grund auf selber zu machen. So komme man beim Backen schneller voran, heisst es. Das mag sein, und natürlich lohnt es sich ab und zu, eine Abkürzung zu nehmen. Allerdings leidet der Charme darunter. Kulinarisch gesehen ist es wie aus sprachlicher Perspektive: Die standardisierte «Birnweggenfüllung» kommt weitaus weniger von Herzen als das alte Dialektwort «Schloorzi».

Anina Rütsche

Quellen: ? Idiotikon, Band IX, Spalte 662 ff. ? Kaplan Theo Kappler: «Tòggeborger Spròòch ond Aart», Bilder aus der Geschichte von Wattwil, Band 4, Seite 28. ? Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Kot.

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