Schlechte Erschliessung, Verkehrschaos und steile Rampen zeigen die Notwendigkeit zum Handeln beim Bahnhof Herisau

Die Öffentlichkeit erhielt am Samstag auf einer Begehung vor Ort Informationen über das Bahnhofprojekt und konnte sich selber ein Bild der herrschenden Zustände machen.

Lukas Pfiffner
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Gemeinderat Max Eugster informiert die Besucherinnen und Besucher am Bus-Wendeplatz.

Gemeinderat Max Eugster informiert die Besucherinnen und Besucher am Bus-Wendeplatz.

Bild: Lukas Pfiffner

Ein erster Bus fährt ein, dann ein zweiter. «Gleich kommt noch ein dritter: Der enge Platz genügt einfach überhaupt nicht mehr. 250 Zu- und Wegfahrten von Regiobussen erfolgen hier täglich», hört die mit Coronamasken und leuchtend gelben Westen ausgerüstete Besuchergruppe, die beim Ticketautomaten des Herisauer Bahnhofs steht.

Die Gemeinde, der Kanton und die Projektpartner Appenzeller Bahnen, Südostbahn und Regiobus hatten auf den Samstag zu drei Besichtigungen des Bahnhofareals eingeladen. An neun Stationen erhielt die Öffentlichkeit Antworten auf Fragen, Eindrücke von der jetzigen Situation und Einblicke in die Vorteile des ausgearbeiteten Projekts.

Unzumutbare Bedingungen für Benutzer

Die Herisauer hätten sich wohl oder übel an die Situation gewöhnt, meinte Gemeinderat Max Eugster. Aber vieles, was vor Jahrzehnten im oder um den Bahnhof gut gewesen sei, entspreche in keiner Art mehr den heutigen Bedürfnissen. Zu einem Mann im Rollstuhl sagte er: «Schön, dass Sie hier sind.» An seinem Beispiel erlebe man die Notwendigkeit des Bahnhofsprojekts direkt – etwa im Zusammenhang mit zu steilen Rampen. Allgemein würden unzumutbare Bedingungen für aus-, um- oder einsteigende Benützer des öffentlichen Verkehrs herrschen, für Familien mit Kinderwagen, ebenso für Lieferanten, Taxis oder Velofahrer. Herisaus Gemeindepräsident Kurt Geser meinte einleitend:

«Das Projekt hat einen enorm grossen Nutzen und lohnt sich mehrfach.»

Statt am 17. Mai am 27. September

Die zwei Volksabstimmungen zum Bahnhof sind wegen Corona vom 17. Mai auf den 27. September verschoben worden: einerseits die kantonale über die «Verschiebung Kreisel/Strassenknoten», andererseits die kommunale über das Projekt «Bahnhofplatz mit Bushof». Nur wenn der Kreisel verschoben werden kann, entsteht Raum für Bahnhofplatz und Bushof. Für Letztere wird der Baukredit brutto auf rund 40,8 Millionen Franken veranschlagt. Nach Abzug der Beiträge Dritter (Bund, Partner, Kanton) wird für die Gemeinde mit Kosten von rund 18,7 Millionen Franken gerechnet. Der Kanton beantragt für die Anpassung der Strasseninfrastruktur in der Bahnhofumgebung rund 13,3 Millionen Franken.

«Botschafter für Ausserrhoden»

«Ich hoffe, Sie sind Botschafter für die Leute in ganz Ausserrhoden», sagte Regierungsrat Dölf Biasotto, der Vorsteher des Departementes Bau und Volkswirtschaft. Die Besucherinnen und Besucher (bei der ersten Besichtigung waren es zwei Dutzend) machten unter anderem Halt in den Unterführungen, beim Wendeplatz der Busse, auf dem Perron der Südostbahn und bei den Geleisen der Appenzeller Bahnen. Pläne und Bilder ergänzten die mündlichen Ausführungen der zuständigen Personen. Die Bahnhof-Erschliessung sei in Herisau die schlechteste aller Kantonshauptorte, erzählte Klaus Bischof, Leiter Betrieb der Südostbahn. Er informierte über vorgesehene Anpassungen der Publikumsanlagen. «Einiges müssen wir von Gesetzes wegen machen; jetzt stellen wir das Ganze natürlich in den Kontext des Gesamtprojekts.»

Auf Solidarität im Kanton angewiesen

Hinter der katholischen Kirche erklärte Kantonsingenieur Urban Keller: «Hier kommen mehrere Kantonsstrassen zusammen. Da, wo Sie jetzt stehen, ist die Mitte des neuen Kreisels geplant.» Ja, man sei bei der Kreisel-Abstimmung auf die Solidarität der Stimmberechtigten in den anderen Teilen des Kantons angewiesen.

«Aber Herisau hat sich auch schon solidarisch gezeigt, etwa beim Erstellen des Radwegs Teufen–Speicher.»

Zum Schluss des gut einstündigen Rundgangs machte Max Eugster den «gemeinderätlichen Kleiderbügel», indem er mit seinem Arm die Westen für die nächste Besichtigung sammelte. «Wir haben zeitlich ein bisschen überzogen. Das spricht für Sie und Ihr Interesse.»