«Schlagzeuger brauchen Vorstellungsvermögen»

Zufall? Nein, das ist das falsche Wort. Es war eher eine gute Gelegenheit, durch welche Maurizio Grillo zum Schlagzeug gekommen ist. «Ich spielte zuerst Gitarre», erzählt er. Und natürlich hörte er Musik, bevorzugt Rhythm and Blues.

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Zufall? Nein, das ist das falsche Wort. Es war eher eine gute Gelegenheit, durch welche Maurizio Grillo zum Schlagzeug gekommen ist. «Ich spielte zuerst Gitarre», erzählt er. Und natürlich hörte er Musik, bevorzugt Rhythm and Blues. Der italienische Sänger Pino Daniele hat Maurizio Grillo und seinen Freund Glauco Venier dann in Richtung Jazz gebracht. «Glauco besuchte damals das Konservatorium und gründete zusammen mit anderen Musikern eine Jazzband.

Als der Schlagzeuger ausgestiegen ist, wurde ich von der Band angefragt und habe diese Aufgabe übernommen», erinnert sich Maurizio Grillo. Fremd war ihm das Schlagzeug nicht, denn bei ihm zu Hause stand eines herum. Von seinem Bruder eigentlich, der es kaum benutzt hatte.

«Da ich Autodidakt war, habe ich mit dem Niveau der Jazzband nicht mithalten können», begründet der heutige Schlagzeuglehrer seinen Ausstieg aus der Band.

Er hat bei seinem Nachfolger Stunden genommen und später die Aufnahmeprüfung am Konservatorium von Triest bestanden. Aber der junge Italiener, der in der Schweiz aufgewachsen ist, suchte einen anderen Musikstil, suchte Jazz. «Da hörte ich, dass in St. Gallen eine Jazz-Schule gegründet wurde.» Er entschloss sich, wieder in die Schweiz zu ziehen. Dass er damals seine heutige Frau kennen gelernt hat, machte ihm diesen Entschluss leichter. Fünf Jahre später erhielt er 1990 das Diplom an der Jazz-Schule St.

Gallen. Danach studierte er weiter bei Pierre Favre.

Ein technisches Instrument

Seit längerer Zeit unterrichtet Maurizio Grillo nun Schlagzeug an der Musikschule Toggenburg und leitet an verschiedenen Orten Schülerbands. Seine Erfahrungen bringt er auf einen Nenner: «Wichtig ist, dass jemand die Freude und den Willen hat, sein Instrument zu spielen.» Gerade Schlagzeug zu lernen, brauche Durchhaltewillen. «Es ist ein technisches Instrument, man spielt fast nie eine Melodie», erklärt der Musiklehrer.

Beim Schlagzeugspielen versuche man ein Lied im Gedanken mitzusingen, darum müsse ein Schlagzeuger auch eine grosse Vorstellungskraft mitbringen. Die Nachfrage nach Schlagzeugunterricht an der Musikschule Toggenburg ist hoch. «Es ist ein Boom-Instrument, wie eigentlich viele, die in der modernen Musik eingesetzt werden», sagt Maurizio Grillo. Die meisten seiner Schülerinnen und Schüler möchten darum später in einer Band mitspielen.

Strenger als Fussball spielen

Der Musiklehrer kann dies verstehen, denn in einer Band habe ein Schlagzeuger die meisten Freiheiten. Aber seine «Arbeit» ist anspruchsvoll und streng. «Der Schlagzeuger kann kaum einmal eine Pause machen», sagt Maurizio Grillo und weist darauf hin, dass Schlagzeugspielen sowohl den Geist wie auch den Körper beansprucht. Eine Studie habe aufgezeigt, dass Schlagzeugspielen sogar kräfteraubender sei als Fussballspielen. «Wir brauchen eine gewisse Athletik», meint Maurizio Grillo lachend.

Nicht zuletzt um körperlichen Folgen vorzubeugen ist ihm wichtig, dass seine Schülerinnen und Schüler am Instrument eine gute Haltung annehmen.

Tanzen gehört zur Musik

Der Schlagzeugunterricht an der Musikschule kann ab der dritten Klasse besucht werden. Ausnahmen sind bei guter musikalischer Vorbildung möglich. Über die Zulassung entscheidet die Schulleitung nach einer Eignungsabklärung. Als Beispiel: «Ein Kind muss die nötigen koordinativen Fähigkeiten mitbringen», sagt Maurizio Grillo.

«Rhythmus kann man lernen, genauso wie man Tanzen lernen kann.» Diesen Vergleich zieht der Schlagzeuglehrer gerne. «In Afrika gehören singen, trommeln und tanzen zusammen», erklärt Maurizio Grillo. Afro-Amerikaner haben diverse Schlaginstrumente in ihre Musik einfliessen lassen, daraus ist das heutige Schlagzeug entstanden. Und wie beim Tanzen entwickelt auch beim Schlagzeug jeder seinen eigenen Stil. «Das ist auch gut.

Meine Schülerinnen und Schüler sollen ausprobieren und spüren, in welche musikalische Richtung sie gehen wollen», sagt der Schlagzeuglehrer. Wer ganz viel übt, erreicht eine Spannung im Körper, bei der man jede Muskelfaser spüren kann – «ein unbeschreibliches Gefühl», kann Maurizio Grillo aus eigener Erfahrung sagen.

Sabine Schmid

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