Schlager unter freiem Himmel

WILDHAUS. Die Vorbereitungen für das dritte Wildeshaus-Open-Air, das morgen nachmittag beginnt, laufen seit fast einer Woche. Heute abend muss die Infrastruktur fertig erstellt sein. Tickets für den zweitägigen Schlagergenuss sind noch erhältlich.

Beatrice Bollhalder
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Das ist die Aussicht, die Künstler am Wildeshaus-Open-Air erwartet. Auf dem Platz vor der Bühne dürften dann aber Tausende von Zuschauern sein. (Bilder: Beatrice Bollhalder)

Das ist die Aussicht, die Künstler am Wildeshaus-Open-Air erwartet. Auf dem Platz vor der Bühne dürften dann aber Tausende von Zuschauern sein. (Bilder: Beatrice Bollhalder)

Seit vergangenem Samstag hat eine Zivilschutzgruppe die Aufgabe, Zelte, Tribünen und Absperrungen aufzustellen. Immer unter den wachsamen Augen des Organisators Bruno Forster, der mit seinem Elektro-Scooter auf dem Gelände herumflitzt und selber dafür sorgt, dass alles an den richtigen Platz kommt. Gibt es etwas Neues in Bezug auf die Infrastruktur? «Ja, das einzige, was bei uns in den beiden letzten Jahren bemängelt worden ist, war, dass der Weg zum Parkplatz nicht beleuchtet ist. Dies haben wir nun mit einigen Scheinwerfern verbessert.» Viel zu ändern gibt es indes beim Wildeshaus-Open-Air nicht: Die Besucher der ersten beiden Ausgaben haben nämlich übereinstimmend die modernen und in genügender Anzahl vorhandenen WC-Anlagen gelobt. Ausserdem war oft zu hören, dass das Angebot an Essen und Getränken, ganz im Gegensatz zu grösseren Festivals, in Wildhaus optimal ist. Trotzdem hat man auch hier eine kleine Änderung vorgenommen. Statt Flammkuchen gibt es in diesem Jahr Pizza. Und natürlich steht Glace zur Verfügung. Vor diesem Stand dürfte es sowohl am Freitag als auch am Samstag Menschenansammlungen geben, denn es sind Temperaturen von über 30 Grad prognostiziert.

«Event bringt Leute ins Tal»

Die Bergbahnen Wildhaus AG stellt den Organisatoren den Parkplatz im Munzenriet für den Anlass zur Verfügung. Brauchen ihn die Bahnen nicht selber bei diesem Wetter? «Nein, zu dieser Jahreszeit reichen uns meist die anderen Parkplätze. Unsere Hochsaison ist ja im Herbst», erklärt Jürg Schustereit, Leiter Marketing der Bergbahnen Wildhaus AG. Zudem käme die grössere Anzahl an Schlagerfreunden erst am späteren Nachmittag an. Dank des durch die Organisatoren organisierten Shuttlebus-Betriebes seien die Bergbahnen nicht gross betroffen, erklärt er. Schustereit lobt den Event, der viele Leute ins Tal bringt. Die Bergbahnen Wildhaus AG offerieren den Besitzern von Samstags-Tickets bereits das dritte Mal freie Fahrt auf ihren Bahnen bis zur Gamsalp. Zudem laden sie beim Oberdorf zu einer Warm-up-Party ein. Ein DJ legt dort Schlager und Volksmusik auf.

In gute Infrastruktur investiert

Dank des vorbildlichen Infrastrukturkonzeptes der Organisatoren müsse man auch nicht mit Bildern, wie sie etwa nach dem OpenAir in St. Gallen zu sehen sind, rechnen, erklärt Schustereit. «Von Anfang an wurde in eine gute Infrastruktur mit Abfallkonzept investiert und das zahlt sich aus», lobt Jürg Schustereit die Organisatoren. Positiv äussert sich auch Peter Huser, Inhaber der Gebrüder Huser AG Landmaschinen, zur Zusammenarbeit mit dem Organisator. Bis Freitagmittag könnten seine Kunden die landwirtschaftliche Werkstätte problemlos erreichen und das sei wichtig. «Wenn etwas abgemacht ist, wird das auch eingehalten», lobt er Bruno Forster. Dass dieser während der ganzen Aufbauarbeit von frühmorgens bis spät- abends immer selber auf dem Platz ist, erleichtert die Zusammenarbeit. Nebst der grossen Präsenz gibt es für Bruno Forster aber noch etwas Wesentliches, er trägt nämlich das ganze finanzielle Risiko des Anlasses alleine. «Heutzutage kann man die Künstler fast nicht mehr bezahlen», erklärt er, «und doch braucht man Aushängeschilder.» Zu den Gagen – die bei den drei Grossen der Branche gegen eine halbe Million betragen – kämen noch weitere Kosten wie Verpflegung und Unterkunft, Quellensteuer oder Suisa–Gebühren dazu, insgesamt weitere Kosten von rund 15 Prozent.

Obwohl die ersten beiden Ausgaben des Wildeshaus-Open-Air gut besucht waren, ist es nötig, wesentlich mehr Tickets zu verkaufen, um einen Gewinn erzielen zu können, denn die Kosten für Künstler und Infrastruktur sind hoch. Trotz des guten Echos auf die bisherigen Ausgaben dürfte die Besucherzahl höher sein. Eigentlich unverständlich, wenn man bedenkt, wie traumhaft die Kulisse des Volksmusik- und Schlager-Open-Airs in Wildhaus ist. Die mitreissende Musik, ein Zuschauer-Areal auf festem Boden und gut zugängliche Food- und Getränkestände, zudem ein grosses Festzelt, das auch Schutz vor Hitze bietet, reichen als Gründe anscheinend noch nicht aus, um das Festgelände zu füllen. Für 10 000 Besucher liegt eine Bewilligung vor. Köbi Bleiker, der die administrativen Aufgaben des Events unter sich hat und die Künstler bucht, hofft, dass sich vermehrt auch junge Gäste nach Wildhaus wagen. Man habe die Auswahl der Künstler extra für ein breites Publikum ausgesucht (siehe Kasten).

Helfer investieren Ferien

Die stattliche Bühne mit rundem Bogen ist aufgestellt, sie thront auf dem Parkplatz der Wildhaus Bergbahnen AG. So haben die Interpreten freie Sicht auf den Schafberg. Vor der Bühne gibt es genügend Platz für die Zuschauer, die aus den Augenwinkeln die Churfirsten in der untergehenden Sonne bewundern können. Wettermässig könnte es nicht besser sein. Sogar für die Aufbauarbeiten gab es in diesem Jahr erstmals Sonnenschein. In den beiden letzten Jahren war es jeweils regnerisch, als die Helfer rund um Organisator Bruno Forster Zelt um Zelt und mehrere Tribünen erstellt hatten. Sogar für Menschen im Rollstuhl wird jeweils eine separate Tribüne aufgestellt. Alles hat seinen Platz. Grosszügig ist auch der Raum für das feiernde Volk bemessen. Wer näher zur Bühne möchte, kann dies jederzeit machen. Für jene, die der Musik lieber von etwas weiter weg zuhören, sind zwei Leinwände aufgestellt, auf denen die Künstler optisch doch nah sind. Nik P., der bereits einmal in Wildhaus aufgetreten ist, hätte bereits damals die Top-Infrastruktur und die hervorragende Organisation gelobt, erzählt Guido Veraguth, der das dritte Mal als Helfer dabei ist und eine Woche Ferien für den Anlass opfert. Auch Köbi Hofstetter ist bereits die ganze Woche an der Seite von Bruno Forster zu finden. Für ihn ist es selbstverständlich, dass ein solcher Event unterstützt wird. Das Schlager-Open-Air ist auch dem bald pensionierten Pöstler eine Woche Ferien wert.

Bruno Forster (links) gibt seinem Helfer Guido Veraguth Anweisungen.

Bruno Forster (links) gibt seinem Helfer Guido Veraguth Anweisungen.

Mitarbeiter des Zivilschutzes sorgen dafür, dass das Backstage-Zelt richtige Türen erhält.

Mitarbeiter des Zivilschutzes sorgen dafür, dass das Backstage-Zelt richtige Türen erhält.

Die Beleuchtung wurde mit einigen Scheinwerfern verbessert.

Die Beleuchtung wurde mit einigen Scheinwerfern verbessert.

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