Schlaf oder TV bei Obama-Wahl

Den Ausgang des Wahlkampfs um das Präsidentenamt der USA haben viele im Appenzellerland lebende Amerikaner über die Medien verfolgt. Einer hat sogar gewählt und ist mit dem Sieg von Barack Obama zufrieden.

Mea Mc Ghee
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Mark Staff Brandl (Bild: MEA MC GHEE)

Mark Staff Brandl (Bild: MEA MC GHEE)

Viele Schweizer haben in der Nacht auf Mittwoch über den Grossen Teich geschielt und Berichte über die Präsidentschaftswahlen gesehen. Wohl noch interessierter verfolgten amerikanische Staatsbürger die Wahlnacht. Wie erfuhren sie vom Wahlergebnis und was erhoffen sie sich für die nächsten vier Jahre? Die Appenzeller Zeitung sprach mit einigen Amerikanern, die im Appenzellerland leben.

Selber gewählt

Mark Staff Brandl (Bild: MEA MC GHEE)

Mark Staff Brandl (Bild: MEA MC GHEE)

«Als sogenannter Absentee (dt. Ausland-US-Bürger) habe ich bereits vor einem Monat meine Stimme im Bundesstaat Illinois abgegeben, und als Mitglied der Demokratischen Partei wählte ich natürlich Barack Obama», sagt MARK STAFF BRANDL. Der Künstler aus Trogen hat in der Wahlnacht keine Minute geschlafen, verfolgte Nachrichtensendungen am Fernsehen und im Internet. Er gehöre den «Active Democrats abroad» an und habe Obamas Wahlkampf mit seinen Möglichkeiten unterstützt. Die Wiederwahl habe Obama dank der Stimmen der Frauen, der Latinos, der Schwarzen und der Gebildeten geschafft, ist Mark Staff Brandl überzeugt. «Ich hoffe, er setzt sich nun speziell für die Anliegen dieser Wähler ein.» Er kenne Barack Obama persönlich und schätze ihn als ehrenwerten Mann. In seinen Augen politisiere er aber zu moderat. «Ich hoffe, Obama agiert künftig offensiver, denn es gibt viele Probleme, die er mit seinem Team lösen muss. Leider bin ich sicher, dass er schon bald wieder von der politischen Rechten angegriffen wird», sagt Mark Staff Brandl. Die Sozialpolitik interessiere ihn besonders, und er wünsche sich, dass der Präsident den Finanzsektor künftig stärker regulieren werde.

Wahlkampf miterlebt

Jens Weber (Bild: MEA MC GHEE)

Jens Weber (Bild: MEA MC GHEE)

Anders als Mark Staff Brandl hat JENS WEBER, Vizegemeindepräsident von Trogen, in der Wahlnacht gut geschlafen. Er habe sich erst am Morgen, gleich nach dem Aufstehen, im Internet über den Ausgang der Wahl informiert. «Ich war im Herbst in den USA und sprach mit Verwandten und Bekannten über den Wahlkampf. Die Stimmung war anders als vor vier Jahren: Es war keine Euphorie spürbar. Gewählt wurde pragmatisch, vor allem bei den unentschlossenen Personen», sagt Weber. Er sei erleichtert, dass Barack Obama wiedergewählt wurde, und er sei ein Befürworter des Demokraten: «Ich schätze seine Persönlichkeit und seine Politik. Kaum ein Präsident in den vergangenen Jahrzehnten hatte ein so schweres Erbe anzutreten wie Barack Obama.» Der US-Bürger wünscht sich, dass das «Barack-Bashing» nun ein Ende hat und vermehrt dessen politische Leistungen wahrgenommen werden. «Hochfliegende Erwartungen» habe er aber nicht, dazu sei die Situation im Parlament zu schwierig. Jens Weber hofft, dass die Republikaner nun vermehrt ihre teils guten Ideen umsetzen werden, statt nur gegen den Präsidenten zu arbeiten.

Glücklich über die Wahl

«Nervös war ich nicht, ich war sicher, dass Barack Obama wiedergewählt wird», sagt DEBORAH HEUSCHER. Die New Yorkerin lebt seit 25 Jahren in Herisau und unterrichtet auf privater Basis Englisch. Bis nach 22 Uhr verfolgte sie die Wahl via Internet und ging dann schlafen. Sie sei für die Demokraten und daher froh, dass Obama nun nochmals vier Jahre Zeit habe, seine politischen Ziele zu realisieren. «Ich hoffe, dass er den Amerikanern aufzeigen kann, wie wichtig das Thema Klimawandel ist.» Der Präsident sei intelligent, charmant. Sie sei begeistert von seinen Reden, so die Wahlherisauerin.

Interessante Debatten

Mark Hampton (Bild: MEA MC GHEE)

Mark Hampton (Bild: MEA MC GHEE)

Auch MARK HAMPTON, seit 2005 reformierter Pfarrer in Herisau, ist glücklich über den Wahlausgang, von dem er morgens um 7 Uhr erfuhr: «Ich hoffe, Barack Obama kann seinen Visionen künftig Flügel verleihen.» Die interessanten Wahlkampfdebatten hätten gezeigt, wie stark die Politik in den USA polarisiere. Es brauche künftig grosse Anstrengungen, um Mehrheiten zu finden und etwas zu bewegen. «Ich hoffe, es wird weniger ideologisch politisiert», so Hampton.

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