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Schizophrenie im Alltag

Sozialtipp
Silvio Odoni, Sozialarbeiter

Lebt man im Toggenburg, so wird man tagein tagaus vom Rauschen der Thur begleitet. Dieses Geräusch ist ein ständiger Begleiter der Bewohnerinnen und Bewohner dieses Tals, wie auch der Besucherinnen und Besucher des Tageszentrums Toggenburg, Menschen, die unter psychischen Belastungsstörungen leiden. Für sie ist unser Betrieb Arbeits- oder Aufenthaltsort oder schlicht ein Zufluchtsort vor sozialer Isolation. Man ist unter sich, stützt sich gegenseitig und erhält Hilfe in alltäglichen oder herausfordernden Situationen, täglich, begleitet vom Rauschen des Wasserfalls.

Doch stellen Sie sich vor, dass Sie nicht nur von einem Rauschen des Wassers, sondern von anderen, (ver)störenden Geräuschen begleitet werden. Stimmen zum Beispiel, Stimmen, die jegliche Ihrer Handlungen kommentieren, Sie schlecht machen oder beschimpfen. So klar und real, als ob der Sprecher neben Ihnen stehen würde. Manch eine Besucherin, manch ein Besucher des Tageszentrums leidet unter solchen Symptomen, unter einer der vielen verschiedenen Formen von Schizophrenie.

Krankheit ist nicht heilbar

Noch immer gilt die Schizophrenie als nicht heilbar. Mit Medikamenten können die Symptome gelindert, die Stimmen zum Teil zum Schweigen gebracht werden, zumindest für einen Zeitraum. Gleichzeitig besteht bei den Betroffenen auch immer der Reiz, sich den Stimmen zu öffnen, ihnen zu folgen, sich als einen Teil von etwas Grösserem zu sehen. Solche Entscheidungen sind in aller Regel der Anfang eines nächsten psychotischen Schubes, welcher in vielen Fällen jeweils mit einem erzwungenen, bestenfalls freiwilligen Aufenthalt in der Psychiatrie endet.

Der Vereinsamung entgegenwirken

Der Autor Eduard Podwoll beschreibt in seinem Buch «Verlockung des Wahnsinns» eine Psychose unter anderem als einen Verlust der Fähigkeit zu zweifeln. In den Schilderungen direkt Betroffener werden neben den verschiedenen Krankheitsphasen auch die «Inseln der Klarheit» benannt, die sich immer wieder einstellen. Momente, in welchen die Betroffenen wieder zweifeln können, in denen sie ansprechbar sind und die es ihnen ermöglichen, die Aussenwelt als eigentliche Realität wahrzunehmen.

Für Aussenstehende ermöglichen diese Momente einen Zugang, eine Pforte, um zum Betroffenen vordringen zu können. Besteht eine vertrauensvolle Beziehung, können solche Tore genutzt werden, um einen Anker in der Realität zu setzen. Doch gerade in unserer heutigen Gesellschaft scheinen solche vertrauensvolle Beziehungen zunehmend zu verkümmern. Gerade Menschen mit einer psychischen Erkrankung leiden unter Vereinsamung und Isolation. Institutionen wie das Tageszentrum Toggenburg versuchen, zu dieser Tendenz ein Gegengewicht darzustellen. Hier können vertrauensvolle Beziehungen entstehen und dadurch bevorstehende Krisen aufgefangen werden.

Silvio Odoni, Sozialarbeiter

Tageszentrum Toggenburg

Kraftwerk, 9643 Krummenau, Telefon 071 990 00 60, E-Mail tz@sghv.ch

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