Schindelfassaden – traditionell und modern zugleich

Der Wunsch «zurück zur Natur» ist auch bei den Hausfassaden spürbar. Holz und dabei vor allem Schindeln, sind vermehrt gefragt. Dies stellt auch der Dachdecker Heinz Brändle bei seiner Tätigkeit fest.

Adi Lippuner
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ALT ST. JOHANN. Eines gleich vorweg: Das Toggenburg mit seinen zahlreichen, traditionellen Bauernhäusern ist prädestiniert für Schindelfassaden. Wobei der Ausdruck «Schindelfassaden» nicht immer über die ganze Fassadenfläche stimmt, wie Dachdecker Heinz Brändle präzisiert. «In unserer Region haben die meisten Häuser verschiedene Fassaden. Die der Strasse zugewandte Seite, (Sonnenhalb ist dies die Süd-, Schattenhalb die Nordseite) sind mit Rundschindeln verkleidet, die übrigen Seiten entweder mit Schlaufschindeln oder Eternit.»

Das richtige Holz

Als Grund für die unterschiedliche Fassadengestaltung macht Heinz Brändle den Preis geltend: «Rundschindelfassaden kosten einiges mehr als andere Lösungen, sind aber auch wesentlich repräsentativer.» Um Fichtenholzschindeln zu erhalten, welche den hohen Qualitätsanforderungen entsprechen, braucht es bereits das richtige Auge bei der Auswahl des Baums. «Das Holz muss im Winter, wenn die Bäume nicht im Saft stehen, geschlagen werden. Zudem braucht es feinjähriges Holz, also Bäume mit dünnen Jahrringen und wenig Ästen.

Natürliche Materialien im Trend

Gemäss Heinz Brändle sind in der Region Sellamatt viele Fichten, die zu Schindeln verarbeitet werden können, zu finden. Doch weshalb eigentlich Schindeln? «Das gehört in unserer Region einfach dazu. Zudem ist seit einigen Jahren der Trend, zurück zu natürlichen Materialien, spürbar. Nicht nur bei uns, in der ganzen ländlich geprägten Schweiz und den angrenzenden Ländern werden vermehrt Hausfassaden mit Schindeln verkleidet», weiss der Fachmann aus Alt St. Johann.

Vorteil: Sehr beständig

Auf die Frage, welche Vorteile eine doch eher kostspielige Hausfassade aus Schindeln bietet, erwähnt Heinz Brändle als wichtigstes Argument das natürliche Material. «Wenn alle Kriterien, also Winterschlag, feinjähriges Holz und natürlich die fachgerechte Herstellung und Montage der Schindeln stimmen, ist diese Fassade etwas vom Beständigsten, das erhältlich ist.»

Zudem entspreche es sowohl der Tradition als auch dem Zeitgeist. «Die Ästhetik einer Rundholzschindelfassade ist kaum zu übertreffen. Es ist eine Art, die Fassade so zu verkleiden, wie dies schon die Vorfahren pflegten.»

Von Generation zu Generation

Während früher viele Bauern während der Wintermonate Schindeln herstellten, um die eigenen Gebäude zu unterhalten, sind es heute noch eine Handvoll Schindelmacher im Toggenburg, welche dieses alte Handwerk pflegen. «Ich durfte dieses Wissen bei meinem Vater lernen und dieser wurde wiederum von seinem Vater instruiert. So wurde das Schindelnmachen von Generation zu Generation weitergegeben, und heute gibt es immer noch einige, vorwiegend Pensionierte, welche das Handwerk ausüben», so Heinz Brändle.

Er habe seine Bezugsquellen in der Region und hoffe, dass sich auch jüngere Handwerker für das Herstellen von Schindeln begeistern lassen. «Nur so kann eine jahrhundertealte Tradition aufrechterhalten werden.» Ergänzend fügt Heinz Brändle an, dass Holzschindeln aber auch von spezialisierten Firmen maschinell und in grösseren Mengen hergestellt werden.