Schiessplätze auf Zelluloid gebannt

Der Toggenburger Fotograf Patrik Fuchs macht Bilder von Schiessplätzen. Das eigentliche Motiv sind dabei die Landschaft und der schweizerische Heimatbegriff. In einem Schützenverein ist der Fotograf aber nicht.

Andrea Schmid
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Das erste Bild der Schiessplatz-Serie «300m» des Fotografen Patrik Fuchs entstand in Einsiedeln.

Das erste Bild der Schiessplatz-Serie «300m» des Fotografen Patrik Fuchs entstand in Einsiedeln.

Ebnat-Kappel/Zürich. Wie kommt jemand dazu, Schiessplätze zu fotografieren? Patrik Fuchs ist 38 Jahre alt und aufgewachsen in Ebnat-Kappel. Heute wohnt er mit Partnerin und Kind an der Langstrasse in Zürich.

Vom Zeigen zum Fotografieren

Früher hat er sich bei den Pistolenschützen in Ebnat-Kappel als Zeiger ein Trinkgeld verdient. «Alle meine Projekte haben einen Bezug zu meinen persönlichen Erfahrungen. Das realisiere ich aber meist viel später», erklärt der ausgebildete Fotograf. Den ersten Schiessplatz, den Patrik Fuchs auf Zelluloid bannte, befindet sich in Einsiedeln. Unterwegs zu Werbeaufnahmen für eine Auftragsarbeit fiel ihm der Scheibenstand als «numerierte» Landschaft auf. Er schoss eine Probeaufnahme und kehrte später für professionelle Bilder mehrere Male zurück. Als er den Ausschnitt, das Licht und die Jahreszeit definiert hatte, schoss er Fotos von Schiessplätzen in der ganzen Schweiz.

Wie sieht unser Land aus?

Daraus ist die Fotoserie «300m» entstanden. Durch das serielle Schaffen, ist ein Vergleich unter den Landschaften möglich. Sie gleichen sich alle und doch ist jede für sich anders. Dies findet Patrik Fuchs spannend. Die Bilder zeigen die Zielscheiben eingebettet in Lichtungen oder sauber aneinander gereiht zwischen Hügeln. Der Vordergrund ist meist eine Wiese, der Hintergrund fast immer ein bewaldeter Hang. Auch wegen dieser melancholischen Stimmung, werden die Landschaften zu unerwarteten «Kraftorten». «Mir gefällt die Weite, die 300 Meter unverbaute Landschaft», erklärt der Fotograf sein Motiv. «Es sind immer Ansichten der Schweiz und damit verbunden die Frage, wie sieht meine Heimat aus?» Auch der Kontrast zwischen der ruhigen Inszenierung der Landschaften und dem Schiessplatz als Ort der Gewalt, wo Projektile mit lautem Knall verschossen werden, ist ihm wichtig. Nicht zuletzt ist der Schiessplatz ein Ort der Tradition, im weitesten Sinne ein Symbol der Landesverteidigung.

Polarisierende Bilder

Die Rückmeldungen auf die Bilder seien gegensätzlich. Während sich die einen für das Archaische und deren zeitgemässe Umsetzung begeistern, stösst das Motiv bei anderen auf Ablehnung. Er sei weder ein Waffennarr noch in einem Schützenverein, stellt Patrik Fuchs klar. Ihm geht es darum, ein spannendes Bild zu schaffen. Die Irritation ist gewollt. Ebenso der grau verhangene Himmel, der alle Fotografien prägt. «Ich könnte die Schiessstände auch bei Sonnenschein fotografieren und bekäme ein schön langweiliges Postkartenmotiv. Das interessiert mich nicht», erzählt der Fotograf, der sich als Handwerker und nicht als Künstler sieht. Viele Künstler fänden seine Bilder jedoch schön.

Herkunft beeinflusst Motiv

Patrik Fuchs ist stolz auf seine Toggenburger Herkunft, obwohl er sich heute als Städter bezeichnet. «Meine Abstammung spiegelt sich in meiner Arbeitsweise und meinen Sujets», ist er überzeugt. Neben Schiessplätzen fotografiert er beispielsweise auch Vogelhäuser oder die Wetterseite von Scheunen. Dabei steht das Objekt auf neutralem Grund im Mittelpunkt. Die Motive erhalten dadurch eine maximale Reduziertheit und wirken holzschnittartig. Hat Patrik Fuchs einen «Lieblingsschiessplatz»? Er hat zwei. Denjenigen in Einsiedeln, weil dieser Ort der Startschuss für sein Langzeit-Projekt war. Beim anderen handelt es sich um den Schiessplatz in Gonten AI. Grund dafür sei die moorige Landschaft.

Fotografiert Schiessplätze: Der Toggenburger Fotograf Patrik Fuchs. (Bild: Andrea Schmid)

Fotografiert Schiessplätze: Der Toggenburger Fotograf Patrik Fuchs. (Bild: Andrea Schmid)