Schicksalsfrage für den Naturpark

Am 30. November entscheidet sich in einer Abstimmung, ob der Naturpark Neckertal realisiert werden kann. Gegen den Park hat sich Widerstand formiert. Ein Gespräch mit der Schönengründler Gemeindepräsidentin.

Monika Egli
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SCHÖNENGRUND. Letzte Woche in der Mehrzweckhalle St. Peterzell: Es findet die letzte Informationsveranstaltung vor der Abstimmung zum Naturpark Neckertal statt. Das Interesse ist gross, an die 400 Personen sind gekommen. Gegen die Realisierung des Naturparks hat sich mit der «IG Stop-Naturpark Neckertal» eine Gegnerschaft formiert – man bleibt sich gegenseitig nichts schuldig. Am 30. November gilt es nun ernst: In den Parkgemeinden, dazu gehört auch Schönengrund, wird über den Parkvertrag zum Regionalen Naturpark Neckertal abgestimmt. Alle Gemeinden müssen zustimmen; schert auch nur eine aus, ist das Projekt beerdigt, weil dann zu wenig Fläche zusammenkäme. Im Anschluss an das Podium greift Hedi Knaus, Gemeindepräsidentin von Schönengrund, in einem Gespräch die Vorwürfe der IG auf.

Geld zum Abholen bereit

Es wird Steuergeld verschleudert.» Entgegnung Hedi Knaus: «Kommt der Naturpark zustande, fliessen jährlich 900 000 Franken an Bundes- und Kantonsgeldern sowie weitere Beiträge in das Projekt. Die beteiligten Gemeinden leisten dazu einen Beitrag von total rund 70 000 Franken pro Jahr. Er setzt sich aus 5 Franken pro Einwohner und 4 Franken pro Hektare zusammen. Schönengrund müsste demnach jährlich 4600 Franken beisteuern. Es wird kein einziger Steuerfranken verschleudert, aber es fliesst sehr viel Geld in die Region. Dieses Geld liegt zum Abholen bereit. Nehmen wir es nicht, fliesst es trotzdem – in eine andere Region. Es wäre schade, im Gegenzug für 70 000 Franken auf so viel Geld zur Entwicklung der Region zu verzichten.»

Keine neuen Vorschriften

«Es werden noch mehr Vorschriften und Auflagen, vor allem auf die Landwirtschaft, zukommen.» Entgegnung Hedi Knaus: «Es geht darum, dass die in der Region erarbeiteten Projekte Finanzhilfe erhalten. Das heisst: Wegen des Naturparks wird keine einzige neue Vorschrift oder Auflage erlassen. Solche erfolgen aus der Agrarpolitik, dem Raumplanungsgesetz oder unseren Baureglementen. Es geht hier um einen Regionalen Naturpark, das ist die einfachste Pärke-Kategorie, in der keine Einschränkungen gemacht werden wie beispielsweise in einem Nationalpark. Die Projekte umfassen viele Elemente wie Natur- und Landschaft, Bildung, Gewerbe, Tourismus, Kultur…»

Vertrag für zehn Jahre

«Wenn der Park nichts bringt oder die Regeln geändert werden, geben wir Geld für nichts aus oder müssen uns den neuen Gegebenheiten fügen.» Entgegnung Hedi Knaus: «Der Parkvertrag wird für zehn Jahre abgeschlossen und tritt 2016 in Kraft. Nach zehn Jahren erfolgt in jedem Fall wieder eine Volksabstimmung, bevor der Parkvertrag allenfalls verlängert wird. Zudem beinhaltet der Vertrag eine Ausstiegsklausel. Würden die Rahmenbedingungen geändert, kann jederzeit aus dem Vertrag ausgestiegen werden. Wir alle profitieren zusätzlich von einem nicht zu unterschätzenden Netzwerk. So ist das Neckertal als <Kandidat Naturpark Neckertal> bereits auf der Homepage von Schweiz Tourismus aufgeschaltet – eine Gratiswerbung, die man kaum finanzieren könnte. Mit den 70 000 Franken aus den Parkgemeinden könnte nie auch nur annähernd etwas ähnlich Nutzbringendes geschaffen werden.»

Geld für den ländlichen Raum

Hedi Knaus ist seit 2010 in das Projekt involviert und überzeugt vom Nutzen, den der Naturpark Neckertal bringt. «Die Ostschweiz hat noch keinen Naturpark, wir wären vorderhand die einzigen.» Und: «Niemand hat etwas zu verlieren, aber alle können gewinnen. Es muss auch niemand mitmachen, aber wer will, dem bieten sich zahlreiche Möglichkeiten.» Sie verweist auf das Naturpark-Label, das einheimischen Produzenten zugute kommt – wenn sie wollen. Der Naturpark Neckertal sei eine Chance für die Zukunft und nachfolgende Generationen; er werde die Region nachhaltig entwickeln. Denn die Aussichten seien nicht rosig: Raumplanungsgesetz und Zweitwohnungs-Initiative setzten neue Grenzen, das Neckertal leide an Abwanderung und damit an Verlust der Steuerkraft. «Millionen fliessen in Agglomerationsprogramme, hier steht nun Geld zur Förderung des ländlichen Raums zur Verfügung.» Es sei eine einmalige Chance. Erfolge jetzt ein Nein, sei das Geld weg, es könne niemand einen Plan B aus der Schublade nehmen. Hedi Knaus ist der Ansicht, dass der Naturpark allen Nutzen bringt und eine Plattform schafft, die gehört wird – und dass man «jenen, die mitmachen wollen, nicht vor der Sonne stehen darf».

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