Scharfschützen statt Kamera

Der nach dem letzten Rennen von mir abgefallene Stein ist riesengross. Es ist nicht immer einfach, den Druck auszuhalten. Umso mehr freut es mich, dass alles gut abgelaufen ist. Alle Rennen, nicht nur die Männer-Abfahrt, haben wir in einer Top Qualität produzieren können.

Beni Giger
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Der nach dem letzten Rennen von mir abgefallene Stein ist riesengross. Es ist nicht immer einfach, den Druck auszuhalten. Umso mehr freut es mich, dass alles gut abgelaufen ist. Alle Rennen, nicht nur die Männer-Abfahrt, haben wir in einer Top Qualität produzieren können. Für uns heisst es nun aufräumen. Kilometerweise müssen Kabel aufgerollt werden. Der 2. Lauf des Männer-Slaloms war zum Abschluss sicher etwas vom besten, das wir senden konnten. Es ergaben sich viele schöne Zeitlupen und viele Emotionen. Bei den Frauen war es noch etwas anders. Den ersten Durchgang hatten wir total verschlafen. Alle waren sehr müde, und ich brauchte all meine Motivationskünste, um das Team zu wecken. Zum Glück besuchte ich vor einem Jahr Arno del Curto beim HC Davos. Da konnte ich einiges sehen und lernen. Beispielsweise über die Wirkung von lauter Musik. Problemlos gingen allerdings auch die Slaloms nicht über die Bühne. Plötzlich war unsere zwei Kilometer entfernte Gegenhang-Kamera, also jene auf der anderen Talseite, verschwunden. Auf meine telefonische Nachfrage gab es folgende Erklärung: Wladimir Putin sei im Biathlon-Zentrum. Da, wo sonst unsere Kamera stehe, hätten sich vier Scharfschützen postiert. Also gab es keine Bilder von der Gegenseite des Hanges. Ein Teil unseres Teams ist ja bereits abgereist. Alle kamen leider nur bis Frankfurt, denn dort wurde ja gestreikt. Einige reisten mit dem Zug weiter, andere schliefen in Frankfurt. Ich hoffe schwer, dass wir am nächsten Dienstag nicht die gleichen Probleme haben werden, denn ich freue mich riesig auf das Wiedersehen mit meiner Familie Tizi, Enrico und Carlo. Zwei von drei Toggenburgern verirrten sich ins Austria Haus. Um wen es sich handelte, verschweige ich hier aus Diskretionsgründen bewusst. Mann glaubt es kaum, aber sie schwenkten eine Österreich-Fahne, als Zettel, Schild und Co. fuhren. Bilder der Abtrünnigen dürften in der Kronen-Zeitung zu finden sein. Für die Schlussfeier bekam ich ein Ticket. Ich habe es aber verschenkt. Ein Kameramann stand bereits an den siebten Olympischen Spielen im Einsatz. Er wird bald pensioniert und hat es mehr verdient als ich. So soll ihm Sotschi in bester Erinnerung bleiben.

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