Schafft mit Hilfe der Besucher Kunst

Niklaus Wenger wagt anlässlich der Kunst-Tage Lichtensteig ein neues Experiment. Die Besucher der Ausstellung sollen in die Erschaffung eines Kunstwerks eingebunden und zu einem Teil des kreativen Prozesses werden. Im Zentrum steht dabei die Unmittelbarkeit der Entstehung.

Lucas Lüdi
Drucken
Teilen
Diese Elemente aus Stuckmarmor bilden die Grundlage für Niklaus Wengers Künstlertag. (Bild: Lucas Lüdi)

Diese Elemente aus Stuckmarmor bilden die Grundlage für Niklaus Wengers Künstlertag. (Bild: Lucas Lüdi)

LICHTENSTEIG. Die zweite Woche der Kunst-Tage Lichtensteig wurde gestern Mittwoch mit der Vernissage offiziell eröffnet. Heute steht der erste Künstlertag auf dem Programm. Zu diesem Zweck wird der Berner Niklaus Wenger gemeinsam mit den Besuchern ein Kunstwerk kreieren. Seine Objekte aus Stuckmarmor bilden die Vorlage und sollen mit beliebigen Alltagsgegenständen verbunden und kombiniert werden. Jeder kann dazu beitragen, indem er irgendeinen Gegenstand, ein Stück Holz, einen alten Teppich, einen Stuhl oder ein anderes Objekt in die Kalberhalle mitnimmt. Mitgebrachte Sachen, die wieder gebraucht werden, können von ihren Eigentümern am Sonntag nach der Finissage abgeholt werden.

Reiz an Experimenten

Ausgangslage für die Idee, mit dem Publikum zusammenzuarbeiten, war der Künstlertag. Nur so wird ein derartiger Austausch möglich. «Ich finde es interessanter, mit den Besuchern zusammen in Aktion zu treten, als einfach da zu stehen und etwas über Kunst zu erklären», sagt Niklaus Wenger. Neben der unmittelbaren Entstehung eines Werkes reizt ihn auch das Experimentieren. «Hinter der damit verbundenen Spontaneität steckt eine grosse Energie, die ich gerne weitergeben möchte», berichtet er. Die Ungewissheit, welche bei Experimenten mitspielt, versucht er durch eine gezielte Vorbereitung zu entschärfen. Die Marmor-Elemente hat er deshalb bereits ein paar Tage zuvor angefertigt. Auch in Bezug auf den Ausstellungsraum hat Niklaus Wenger ziemlich klare Vorstellungen und weiss, wie er ihn gestalten will.

Kunst näherbringen

Die Art und Weise, wie Niklaus Wenger die Kunst-Tage Lichtensteig prägt, zeigt seinen Wunsch, den Menschen die Kunst näherzubringen: «Klar mache ich Kunst auch für mich, denke dabei aber oft an ein Publikum.» Er will jedoch keine quantitative Verbreitung schaffen und die damit verbundene Kommerzialisierung unterstützen. Vielmehr möchte er aus dem Randdasein der darstellenden Kunst einen festen Bestandteil der Gesellschaft generieren und dabei deren Qualität wahren. «Gute Kunst ist vielschichtig», fügt Niklaus Wenger an. Sie vertieft sich in Themen, mit beispielsweise geschichtlichem und gesellschaftlichem Hintergrund, vergisst dabei aber nicht, dem Betrachter visuelle Reize zu bieten.

Arbeit mit Baumaterialien

Wie die meisten Kinder, kam auch Niklaus Wenger durch den Zeichenunterricht in der Grundschule das erste Mal mit dem Gestalterischen in Berührung. In seiner Jugend malte er häufig und machte erste Erfahrungen mit der Fotografie. Es folgten die Berufslehre als Maler sowie das Kunststudium an der Hochschule in Bern. 2011 war er gar Hauptpreisträger des Aeschlimann Corti Stipendiums. Nachdem er sich zuerst vorwiegend klassischen Ausdrucksformen widmete, entdeckte er mit der Zeit Baumaterialien wie Beton, Holz und Gips.

Auf die Frage, welchen Platz die Kunst in seinem Leben einnimmt, antwortet er: «Die Kunst nimmt viel Raum in Anspruch und prägt auch das Familienleben und die Freizeit.» Der Beruf des Künstlers sei mit anderen wohl kaum vergleichbar. Der künstlerische Alltag beinhalte zum Beispiel mehr Abwechslung. «Dieser Beruf ist eine Lebenshaltung», kommt Niklaus Wenger zum Schluss.

Niklaus Wengers Leidenschaft gilt den Baumaterialien. (Bild: pd)

Niklaus Wengers Leidenschaft gilt den Baumaterialien. (Bild: pd)

Aktuelle Nachrichten