Schade, wenn der Vitaparcours verloren ginge

Leserbrief zum Artikel «Der Vitaparcours ist noch im Winterschlaf», erschienen im Toggenburger Tagblatt vom Mittwoch, 3. April

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Leserbrief zum Artikel «Der Vitaparcours ist noch im Winterschlaf», erschienen im Toggenburger Tagblatt vom Mittwoch, 3. April

Der Entscheid des Verkehrsvereins, unseren Vitaparcours nicht mehr zu empfehlen, nervt mich gewaltig. Wohl kaum eine Gemeinde in unserer Gegend hat einen so attraktiven Vitaparcours wie wir. Er ist pure Natur, Romantik und auch ein bisschen Abenteuer. Natürlich ist er nicht für Stöckelschuhe geeignet. Wer aber auch sonst in den Wald oder in die Berge geht, tut dies auf eigenes Risiko und eigene Gefahr. Ich bin der Meinung, dass dies auch bei einem Vitaparcours so ist.

Der Weg führt durch sehr schwieriges Gelände. Zuerst geht es durch einen Steilhang, der an verschiedenen Stellen immer wieder abrutscht. Hier hat Lukas Heim mit seinen Schülern Stege und Brücken gebaut, die fast jeden Winter durch Steinschlag, Schnee- und Erdrutsche und umstürzende Bäume mehr oder weniger beschädigt werden.

Ich gehe diesen Weg oft, auch im Winter, sofern man nicht mehr als bis zur Stiefelhöhe im Schnee versinkt, und ich wundere mich immer wieder, wie massiv die Gerüststangen dieser Stege im Untergrund verankert sind, so dass nur Stangen verbogen werden und Bretter brechen und nicht die ganzen Stege in der Luteren gelandet sind.

Weiter hinten geht der Weg immer noch der Luteren nach. Es kommt ein schöner grosser Kiesplatz. Hier habe ich und werde mit meinen Enkeln gelegentlich Würstchen braten. Nach einigen hundert Metern, auf der linken Seite die Luteren und rechts eine Weide, geht es wieder in den Wald. Da beginnt der Urwald. Der Parcours geht auch jetzt noch der Luteren nach, ist uneben, manchmal sehr nass, oft steinig, aber einfach totale Natur. Oft durchdringen kleine Bäche den Weg, bei den grösseren haben wieder die Schüler mit Lukas Heim Brücken gebaut. Diese sind tatsächlich zum Teil morsch. Aber auch dies hat seinen besonderen Reiz. Es fordert dazu auf, nach Lösungen zu suchen. Soll man die Tragfähigkeit testen oder mit herumliegendem Holz verstärken oder steigt man besser in das kleine Tobel hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf ? Im Sommer sind auch diese defekten Brücken wieder geflickt.

Immer wieder fallen Bäume über den Weg, zum Teil riesige, und oft reissen sie andere mit. Im Winter muss man über sie klettern oder unten durch kriechen. Nach der Instandstellung des Parcours sind sie zersägt worden und der Weg ist wieder frei. Zum Abtransport des Holzes fehlen die Möglichkeiten. Es wird liegengelassen und wird durch Pilze, Mikroorganismen und Insekten, aber auch Pflanzen wie Moose und Farne wieder in den natürlichen Kreislauf eingebaut. Darum Natur pur – echter europäischer Urwald. Übrigens, wenn Sie ein bisschen Glück haben, begegnet Ihnen ein Fuchs, vielleicht Rehe, ein Eichhörnchen und fast sicher ein Graureiher.

Ganz hinten, in der Nähe eines Wasserfalls der Luteren, ist kein Weg mehr möglich. Der Vitaparcours wendet in einer Spitzkehre und geht, wieder über einige kleine Brücken, den Hang hinauf. Später folgt eine steile Treppe, mit vielen unregelmässigen Tritten, bis ganz oben, fast auf der Höhe des Lutenwil. Auch hier sind die Brücken und Treppenstufen von den Schülern gebaut. Danach geht es kurvenreich, auch wieder mit Brücken und Treppen, hinunter zum Ziel beim Schulhaus Büelen.

Unser Vitaparcours ist ein Hit für alle, die die Natur lieben. Unsere Enkel, 5- und 7jährig können sich sehr lange verweilen und entdecken alles mögliche.

Ich finde es total daneben, dass unser Vitaparcours vom Verkehrsverein nicht mehr erwähnt wird. Auch kann ich mir vorstellen, dass damit die Motivation für Lukas Heim und seine Schüler, den Vitaparcours instand zu halten, verloren geht. Diese Leute haben seit Jahren einen gewaltigen, nicht zu unterschätzenden und unbezahlbaren Einsatz geleistet. Es wäre viel mehr als nur schade, wenn all das verloren ginge.

Werner Stutz

Herrenmühlestrasse 11

9652 Neu St. Johann

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