«Schade um die schöne Gemeinde»

Im Gemeinderat Walzenhausen rumort es schon lange. Erst gerade ist ein weiterer Rücktritt bekannt geworden – verbunden mit Vorwürfen auch gegen den Gemeindepräsidenten. Clemens Wick äusserst sich dazu und zur Frage, wie es weitergehen soll.

Monika Egli
Drucken
Teilen

walzenhausen. In Walzenhausen hat mit Peter Kellenberger ein weiterer Gemeinderat seinen Rücktritt bekannt gegeben (s. Samstagausgabe). Ob er sein Amt tatsächlich «per sofort» zur Verfügung stellen kann, ist noch beim Departement für Inneres in Abklärung. Aber auch, wenn der Rücktritt erst auf nächstes Frühjahr wirksam wird, muss Gemeindepräsident Clemens Wick die Möglichkeit zumindest in Betracht ziehen, dass Peter Kellenberger an den Sitzungen nicht mehr teilnehmen will. Damit wird es eng, denn der Gemeinderat besteht ohne Peter Kellenberger nur noch aus vier Personen.

Zwar liegt das Quorum (Anzahl Räte, die anwesend sein müssen, damit sie beschlussfähig sind) seit der Abstimmung Ende September bei vier. Wenn jedoch nur eine Person der Sitzung fern bleibt, ist das Gremium praktisch handlungsunfähig. Clemens Wick sieht dieses Problem und sagt denn auch, dass somit eine einzige Person «die Gemeindegeschäfte praktisch lahmlegen kann».

Alte Geschichten belasten

Wie konnte es zu dieser verfahrenen Situation kommen? Im Gespräch verweist Clemens Wick auf eine Stellungnahme, die er im Februar als Antwort auf einen Leserbrief in der Appenzeller Zeitung veröffentlichen liess. Damals schrieb er: «Seit meiner Wahl als Gemeindepräsident sehe ich mich einer fundamentalen Opposition seitens meiner damaligen Wahlkampfgegnerin Christina Brandenberger gegenüber.»

Damals, vor vier Jahren, stellten sich vier Personen, darunter Clemens Wick und Christina Brandenberger, für das Gemeindepräsidium zur Wahl. Christina Brandenberger machte dabei das schlechteste Ergebnis, auch die zwei anderen Kandidaten traten zum zweiten Wahlgang nicht mehr an, so dass Clemens Wick in stiller Wahl Gemeindepräsident wurde. Da er zuvor GPK-Mitglied gewesen war, «habe ich gewusst, was auf mich wartet». Clemens Wick spricht damit auch den Streit rund um die Elektra Walzenhausen an, deren gesamter Verwaltungsrat kurz vor seinem Amtsantritt abgesetzt worden war.

Auf Anraten einer externen Stelle übernahm Clemens Wick dann das Elektra-VR-Präsidium selber (sie gehört zu 100 Prozent der Gemeinde), was nicht von allen im Rat goutiert worden sei. Er könne heute aber sagen, dass die Elektra dank eines innovativen Betriebsleiters und eines sehr guten Mitarbeiterteams zu einer Erfolgsgeschichte wurde.

Seither habe der Betrieb der Gemeinde jedes Jahr 300 000 Franken abliefern können, «und das ist einiges mehr als früher». Es seien aber auch solche alten Geschichten, die das Verhältnis im Gemeinderat immer noch belasteten.

Zahlreiche Abgänge

Und was sagt er zu den Vorwürfen, er könne nicht führen? Im Rückblick gesehen, habe er im ersten Amtsjahr tatsächlich einen Fehler gemacht. Damals wollte er nicht auf Konfrontationskurs gehen.

Aus früheren Tätigkeiten, Clemens Wick war beispielsweise zehn Jahre lang Kirchenratspräsident, habe er der Losung «mit Vernunft, nicht mit dem Zweihänder» nachgelebt. «Heute würde ich anders handeln».

Nun sind unter seiner Ägide tatsächlich zahlreiche Abgänge von Gemeinderatsmitgliedern zu verzeichnen… Dazu erklärt der Gemeindepräsident, dass bereits bei seinem Start zwei Sitze nicht besetzt waren (sieben statt neun). Kurz darauf wurde beschlossen, die Anzahl Gemeinderäte auf sieben zu reduzieren.

In der Folge gab es verschiedene Rücktritte, unter anderem wegen eines Wegzugs, wegen der gestiegenen Arbeitsbelastung und, wie der Gemeindepräsident sagt, nicht zuletzt auch wegen der emotionalen Spannungen.

Nächstes Jahr entscheidend

Für Clemens Wick muss mit den Gesamterneuerungswahlen im kommenden Jahr eine Wende eintreten.

Bis dahin heisse es für ihn (er betreut jetzt zusätzlich die verwaisten Ressorts) «durchhalten» und als Statthalter fungieren. Eine Variante wäre, dass sich der gesamte Gemeinderat nicht mehr zur Verfügung stelle, allerdings: «Eigentlich möchte ich nicht nach diesen problematischen vier Jahren aufhören.» Entscheidend wird für ihn sein, welche und wie viele Personen dannzumal kandidieren.

Da die örtlichen Parteien praktisch inexistent seien, setzt der Gemeindepräsident auf die Lesegesellschaft Lachen, die in jüngerer Zeit einen grossen Aufschwung erlebte. Mit den dort Zuständigen müsse man sprechen und versuchen, mit ihnen Lösungen zu finden.

Persönliches Befinden

Clemens Wick wird vor dem definitiven Entscheid, ob er sich der Wiederwahl stellt, aber auch seine persönliche Situation genau analysieren, «speziell die Gesundheit steht im Vordergrund».

Denn, so der Gemeindepräsident: «Alles hat man nicht nötig. Es gibt Grenzen.» Abschliessend sagt er: «Schade um unsere schöne Gemeinde Walzenhausen, die so viele Vorteile und so viel Potenzial hat.» Und er fügt bei: «Schade aber auch, weil grundsätzlich jede und jeder im Gemeinderat bestrebt ist, gute Arbeit zu leisten.»

Aktuelle Nachrichten