SCH nimmt Vollzugsmeldung heim

EISHOCKEY. Der Trainer schimpft zwischendurch, und die Hälfte der Tore des Siegers fällt auf kuriose Art. Trotzdem ist Herisaus 4:1 bei den Pikes verdient und der Ligaerhalt gesichert. Der Matchwinner will nun kein Schiedsrichter sein.

Lukas Pfiffner
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Der Jubel nach dem dritten SCH-Tor: Links Schütze Yves Breitenmoser, rechts Assistent Kevin Homberger. (Bild: pf)

Der Jubel nach dem dritten SCH-Tor: Links Schütze Yves Breitenmoser, rechts Assistent Kevin Homberger. (Bild: pf)

Dass Roger Naters Unzufriedenheit zur Spielhälfte weit herum zu hören war, hatte mit der Nonchalance seines Teams im Abschluss zu tun: Bei einem Time-out appellierte Herisaus Trainer an mehr Entschlossenheit und Zug auf das Tor. Die Ausserrhoder besassen vorgestern auf Romanshorner Eis mit Ausnahme der ausgeglichenen und vorsichtig geführten Startphase kombinatorische und feldmässige Vorteile. Aber sie verpassten es, den Match im zweiten Drittel zu entscheiden.

Das 1:1 war noch im ersten Abschnitt als Folge einer schönen Kombination gefallen, nach einem Querpass Ammanns auf Breitenmoser und einer Weiterleitung auf Jeitziner. Weitere «sichere» Treffer habe man nicht gemacht, meinte der Trainer. Zum Beispiel entwickelte der SCH in 105 Sekunden doppelter Überzahl zwar viel Druck, war aber im Abschluss fahrlässig.

Am richtigen Ort

Da passte es, dass die Tore zum 2:1 und 3:1 auf eine «komische Art» fielen, wie sich Nater ausdrückte. Doppeltorschütze Yves Breitenmoser konnte nach dem Spiel mit einem verschmitzten Gesichtsausdruck auf deren Entstehung zurückblicken. Die erste Unterzahl der Gäste lief in der 25. Minute, als der Pikes-Torhüter nach einem Missverständnis mit einem Verteidiger neben dem eigenen Tor die Scheibe in die «Rundung» der Bande schlug. «Ich übernahm den Puck und wusste, dass das Tor in diesem Moment leer ist», meinte Breitenmoser, der von der Seite traf.

Zehn Minuten später prallte Kevin Hombergers Flatter-Puck vom Oberkörper des Goalies an die Maske und in den Slot zurück. Wieder stand Breitenmoser am richtigen Ort und traf backhand zum 3:1. Danach hiess der Pikes-Torhüter nicht mehr Mazza, sondern Müller.

Diszipliniert und robust

«Richtig eng wurde es nicht mehr», meinte Breitenmoser. Die Gäste erwiesen sich als diszipliniert und robust genug, um die Gefahr meist von Marti fernzuhalten. Der einzige Verlusttreffer war früh und unglücklich gefallen, weil in jener 6. Minute ein Puck Kevin Hombergers vom Bein eines Linienrichters gestoppt wurde und das freie Eis in die Gegenrichtung für Stierli öffnete: Dessen Pass verwertete Beer zum 1:0. Gewiss, die Oberthurgauer kamen zur einen oder anderen Chance – aber als zwingend waren nur wenige Szenen zu bezeichnen. Herisau präsentierte sich mit Ausnahme einer Phase gegen Schluss des ersten und zu Beginn des zweiten Drittels geordnet – und sowohl die erste wie die zweite Angriffslinie waren spielstärker und wirksamer als das Personal der Gastgeber. Einmal mit zwei Toren in Führung, hörten die Ausserrhoder bei fliegenden Wechseln immer wieder von Roger Nater die Aufforderung «Hine luege!» Herisau stellte sich auf die offensiver angesetzten Schlussbemühungen der Pikes gut ein, ohne passiv zu werden. Das 4:1 durch Luca Homberger, der am Pfosten stehend viel Zeit erhielt, sich die Scheibe zurechtzulegen und einzuschieben (54.), war Ausdruck des Selbstverständnisses eines Teams, das nun acht Siege in den neun vergangenen Spielen realisiert hat.

«Unter sich ausmachen»

Dagegen zeigten sich die Pikes gezeichnet von der Niederlagenserie und den personellen Wirren. Sie waren engagiert wie limitiert und frustriert. Mit vier Strafen im Schlussdrittel konnten die Thurgauer nicht ernsthaft an eine Wende denken. Sie fielen auf den zweitletzten Platz zurück. Yves Breitenmoser spielte, bevor er vor zwei Jahren zum SC Herisau kam, immer für Uzwil. Sein einstiger Club verlor vorgestern zu Hause gegen Seewen 1:3, ist Tabellenletzter und spielt morgen Samstag im Sportzentrum gegen Herisau. Gefallen sich die Ausserrhoder nun als Schiedsrichter in der Abstiegsfrage? «Nein, gar nicht», tritt Breitenmoser Spekulationen entgegen. «Wir werden die Relegationsrunde sportlich zu Ende führen, das ist auch für den Verein wichtig», kündigt der Matchwinner vom Dienstag an. «Wir geben in allen Partien <Vollgas>», sagt Breitenmoser, «die anderen Mannschaften sollen in den Spielen unter sich ausmachen, wer absteigt.»

Pikes – Herisau 1:4 (1:1, 0:2, 0:1) EZO. – 325 Zuschauer. – Sr. Hässig, Spring/Dittli. Tore: 6. Beer (Stierli) 1:0. 14. Jeitziner (Breitenmoser, Ammann) 1:1. 25. Breitenmoser (Ausschluss L. Homberger!) 1:2. 35. Breitenmoser (K. Homberger) 1:3. 54. L. Homberger (Aerni, Vlk) 1:4. Pikes: Mazza (35. S. Müller); Kurzbein, Sury; Stäheli, Rieser; Schmutz, Berchtold; Wepfer; Stierli, Beer, Lattner; Zeller, Peer, Pieroni; Horber, Gschwend, K. Müller. Herisau: Marti; Brunner, Diener; Crasemann, Peter; Hohl, K. Homberger; Vlk, L. Homberger, Aerni; Jeitziner, Ammann, Breitenmoser; T. Koller, Pace, Popp; Senn, M. Koller, Speranzino. Strafen: Pikes 8mal 2 Minuten, Herisau 3mal 2 Minuten. Bemerkungen: Herisau ohne Diacon (rekonvaleszent) und Rotzinger (verletzt). 32. Time-out Herisau. 37. Pfostenschuss Aerni.