Sanierungsbedarf ist unbestritten

Die Sanierung des Spitals Wattwil und dessen Rolle im Netzwerk der kantonalen Spitalversorgung war Thema eines Referats von Peter Altherr, Leiter des Amts für Gesundheitsversorgung. Er sprach am Dienstagabend an der Mitgliederversammlung des Fördervereins des Spitals Wattwil.

Urs M. Hemm
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Die Gesamtsanierung mit Neubau des Regionalspitals Wattwil soll rund 85 Millionen Franken kosten. Darüber und über fünf weitere Spital-Sanierungsprojekte wird das St. Galler Stimmvolk am 14. November 2014 abzustimmen haben. (Bild: pd)

Die Gesamtsanierung mit Neubau des Regionalspitals Wattwil soll rund 85 Millionen Franken kosten. Darüber und über fünf weitere Spital-Sanierungsprojekte wird das St. Galler Stimmvolk am 14. November 2014 abzustimmen haben. (Bild: pd)

WATTWIL. Pünktlich, jedoch noch ohne die vorgesehene Referentin Regierungsrätin Heidi Hanselmann, begrüsste Alois Gunzenreiner, Präsident des Fördervereins Regionalspital Toggenburg Wattwil, die rund dreissig Vereinsmitglieder und Interessierten zur ordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins im Schulungsraum des Spitals Wattwil. In weiser Voraussicht, dass die Session im Kantonsparlament länger dauern könne, habe die Vorsteherin des Gesundheitsdepartements in Stellvertretung den Leiter des Amts für Gesundheitsversorgung, Peter Altherr, entsandt, sagte Alois Gunzenreiner. Sein Referat zum Thema «St. Gallische Spitalversorgung – Ein Generationenprojekt auch für Wattwil» bildete neben den statutarischen Traktanden der Mitgliederversammlung (siehe Kasten), den Schwerpunkt des Abends. Regierungsrätin Heidi Hanselmann traf gerade rechtzeitig zur Beantwortung von Fragen aus dem Forum ein.

Grosser Nachholbedarf

Peter Altherrs Fazit ist klar: Die Infrastruktur des Spitals Wattwil ist nicht mehr zeitgemäss und bedarf umfassender Investitionen. «Seit dem 1998 beschlossenen Investitionsmoratorium des Kantons, wurden am Spital Wattwil nur noch unbedingt nötige Bauten und Sanierungen, wie die Erneuerung der Wohnstation der Psychosomatischen Abteilung PSA oder der Umbau der Radiologie, realisiert. Ein Umstand, der nun zu einem erheblichen Investitions-Nachholbedarf geführt hat», erläuterte der Leiter des Amts für Gesundheitsversorgung. Für das Regionalspital Wattwil ist gemäss Planung für die Gesamtsanierung ein Investitionsvolumen von 85 Millionen veranschlagt. Das Projekt beinhalte neben der Modernisierung bestehender Bauten auch einen Neubau mit Patientenzimmern sowie weiterem Nutzraum. «Die Projektphase ist bereits abgeschlossen. Sollte das Stimmvolk am 14. November 2014 dem Projekt zustimmen, sollte der Bau 2021 fertiggestellt sein», so Peter Altherr.

Räderwerk muss funktionieren

An diesem Abstimmungssonntag geht es aber nicht nur um die Zukunft des Spitals Wattwil. Insgesamt sollen fünf Spitäler im Kanton St. Gallen saniert werden. Zudem hat das Stimmvolk über den Neubau des Ostschweizer Kinderspitals in St. Gallen zu befinden. «Jedes einzelne dieser Projekte ist für die Erhaltung der Spitalinfrastruktur im Kanton unerlässlich», so Peter Altherr. Denn im Zuge der Reorganisation der Spitalversorgung wurden die neun Spitäler auf dem Kantonsgebiet in vier Unternehmen organisiert sowie innerhalb dieser Verbunde, aber auch über deren Grenzen hinaus, Schwerpunkte im Angebot der Spitäler definiert. Das heisst, dass nicht mehr an jedem Spital alle Leistungen angeboten werden, sondern spezialisierte Zentren gebildet wurden, wie beispielsweise die Psychosomatische Abteilung in Wattwil für die Behandlung von Suchtkrankheiten oder die Gynäkologie, die in der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg nur noch am Spital Wil angeboten wird. «Die Spitalversorgung im Kanton St. Gallen ist ein Räderwerk, das nur funktioniert, wenn jedes einzelne Rad in diesem System greift», betonte Peter Altherr, weshalb die Annahme aller sechs Vorhaben am 14. November unerlässlich sei. Ohne diese Investitionen wäre die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung gefährdet, was zu einer Abwanderung der Patienten in Spitäler anderer Kantone führen und somit durch steigende Fallkosten die Konkurrenzfähigkeit der Spitalverbunde schwächen würde.

Schliessung kein Thema

Regierungsrätin Heidi Hanselmann sieht bis zur Abstimmung eine Hauptaufgabe auf alle Akteure zukommen. «Wir müssen klar kommunizieren, dass sich die einzelnen Projekte in keiner Weise konkurrenzieren und dass die Annahme der einen Vorlage, keinen Einfluss auf die Realisierung einer anderen hat», sagte sie. Zudem komme langfristig der Erhalt der Regionalspitäler günstiger als deren Schliessung, da aufgrund der höheren Versorgungsstufe eine Behandlung im Kantonsspital gegenüber einem Aufenthalt im Regionalspital teurer sei. «Der Regierungsrat ist von der Richtigkeit dieses Weges überzeugt, denn am Ende geht es nicht nur um eine optimale Gesundheitsversorgung. Ein Spital ist auch ein bedeutender Wirtschafts- und Standortfaktor für eine Region, und somit für das Fortkommen des ganzen Kantons St. Gallen wichtig», sagte Heidi Hanselmann.