«Sanierung war lange ein Thema»

Die Ortsgemeinde plant im Zentrum den Bau von drei Gebäuden. Dafür sollen die bisherigen Liegenschaften abgebrochen werden. Das Hagmann’sche Haus wurde aber nicht leichtfertig aufgegeben.

Sabine Schmid
Merken
Drucken
Teilen
Die Ortsgemeinde Nesslau plant, im Dorfzentrum 14 Eigentums- und 15 Mietwohnungen in drei Gebäuden (im Modell links) zu bauen. Das Modell ist derzeit wegen der Auflage des Überbauungsplans im Gemeindehaus von Nesslau zu sehen. (Bild: Sabine Schmid)

Die Ortsgemeinde Nesslau plant, im Dorfzentrum 14 Eigentums- und 15 Mietwohnungen in drei Gebäuden (im Modell links) zu bauen. Das Modell ist derzeit wegen der Auflage des Überbauungsplans im Gemeindehaus von Nesslau zu sehen. (Bild: Sabine Schmid)

Schon seit mehreren Jahren beschäftigt sich die Ortsgemeinde Nesslau mit ihrer Liegenschaft im Dorfzentrum. Sie besitzt dort das ehemalige Amtshaus – genannt das Hagmann’sche Haus – mit einem Anbau mit insgesamt fünf Mietwohnungen, dazu ein unbewohntes Einfamilienhaus. «Wir dachten intensiv über eine Sanierung des Wohnhauses nach», sagt Köbi Rutz, Präsident der Ortsgemeinde Nesslau.

Damit widerspricht er der Äusserung von Christof Deutsch, der sich für den Erhalt des Hagmann’schen Hauses einsetzt und dafür nun Unterschriften sammelt (Ausgabe vom Mittwoch). Die Idee des Erhalts wurde von der Ortsgemeinde aber fallen gelassen. «Wir entschieden uns schliesslich für einen Abbruch der bisherigen Gebäude und drei Neubauten», sagt Köbi Rutz. Für das Projekt sprachen die Ortsbürger im Frühjahr 2016 ­einen Kredit von 13,1 Millionen Franken.

Sanfte Renovierung hätte viele Hürden

Köbi Rutz führt mehrere Gründe an, warum sich die Ortsgemeinde für diesen Weg entschieden hat. Bei einer Sanierung hätten verschiedene Auflagen erfüllt werden müssen. Köbi Rutz nennt als Beispiel den Feuerschutz oder die Behindertengerechtigkeit. So hätte ein Lift eingebaut werden müssen, was bei einem alten Gebäude mit grossem Aufwand verbunden ist. Zudem sei die Einteilung der Wohnungen nicht ideal. Eine sanfte Sanierung hätte auch Geld gekostet, sagt Köbi Rutz, er schätzt mindestens 2,5 Millionen Franken.

Geld, das die Ortsgemeinde nicht ohne Hilfe der Banken aufbringen konnte. Weil das Grundstück als Folge von lange zurückliegenden Investitionen mit rund einer Million Franken belehnt ist, gestaltete sich die Suche nach einer Bank als schwierig. «Sie rieten uns zu einem Neubau», erklärt Köbi Rutz. Nun werden zwei Mehrfamilienhäuser mit Eigentumswohnungen erstellt. Aus diesem Verkauf soll genügend Geld bleiben, um die Belehnung zu löschen. Dazu baut die Ortsgemeinde entlang der Hauptstrasse ein Mehrfamilienhaus mit 15 Mietwohnungen und – soweit das Interesse besteht – Gewerberäumen.

Gegen einen Verkauf entschieden

Eine kombinierte Nutzung des Areals mit dem bestehenden ­Gebäude und mit Häusern für Eigentumswohnungen wurde verworfen, weil das Hagmann’sche Haus zu wenig Platz dafür übrig liess. Eigentumswohnungen, die als einzige Aussicht die Fassade des bestehenden alten Hauses bieten, fand der Verwaltungsrat zu wenig attraktiv.

«Wir hätten die Liegenschaft auch verkaufen können», nennt Köbi Rutz eine weitere mögliche Lösung. Man habe sich aber bewusst dagegen entschieden, damit die Ortsbürger noch einen Besitz in der Gemeinde hätten. Aber, betont Köbi Rutz, reich würden die Ortsbürger deswegen nicht. Der Verwaltungsrat der Ortsgemeinde Nesslau ist überzeugt, dass sie mit ihrem Projekt der heutigen Philosophie der Raumplanung Rechnung tragen. Das Projekt sei ein gutes Beispiel von verdichtetem Bauen, sagt Köbi Rutz. Dazu komme, dass für das Projekt keine Fläche verbaut werde, die vorher Grünland war. Mit dieser Meinung ist der Verwaltungsrat der Ortsgemeinde nicht alleine: Das vorgelegte Projekt integriere sich gut ins Ortsbild, findet Gemeindepräsident Kilian Looser (siehe nachfolgende Box).

Gebäude ist nicht schutzwürdig

Nesslau  Bevor die Politische Gemeinde den Überbauungsplan Wiese aufgelegt hatte, setzte sie sich ausführlich mit der Frage nach der Schutzwürdigkeit des Hagmann’schen Hauses auseinander. «Das Gebäude ist zwar im Inventar aufgeführt, steht aber nicht unter Schutz», sagt Gemeindepräsident Kilian Looser zur Ausgangslage. Gemeinsam mit der kantonalen Denkmalpflege gab die Politische Gemeinde ein Gutachten in Auftrag, um die Schutzwürdigkeit zu prüfen.

Im erarbeiteten Papier wird deutlich, dass das Haus im Laufe der Zeit verschiedenen Zwecken diente und auch immer wieder umgebaut wurde. Zu Beginn hatte es vermutlich ein Walmdach, später gab es ein Mansardendach und heute hat es ein Satteldach. Nachweislich wurde das Haus baulich mehrfach massiv verändert. Laut dem Gutachten hat das Gebäude von der Bausubstanz her keine Bedeutung, erhaltenswerte Teile kommen nur in Fragmenten vor.

Letztlich sei es um eine Interessensabwägung gegangen, sagt Kilian Looser. Diese habe gezeigt, dass es für das Ortsbild und die Ortsplanung besser sei, das Hagmann’sche Haus abzureissen. «Wir machten der Bauherrschaft aber die Auflage, dass das Projekt den aktuellen Gegebenheiten angepasst sein muss und ortsbaulich passen muss.»

Noch bis zum 8. September liegt der Überbauungsplan Wiese auf. Darin ist ersichtlich, wie die drei geplanten Neubauten aussehen, wie sie auf dem Grundstück angelegt und wie gross die Abstände sind. Auch die Dimensionen der Gebäude sind im Modell ersichtlich. Wenn keine Einsprachen eingehen, können die Gemeinde und der Kanton den Überbauungsplan genehmigen. Dann kann die Ortsgemeinde das Baugesuch einreichen, das aber keine Projektänderungen mehr enthalten darf. (sas)