Sanftmütig, winterfest und langlebig: 25 Jahre Belegstation Säntis für die einheimische Dunkle Biene – und warum es wichtig ist, diese Bienenart zu erhalten

Die Bienen-Belegstation Säntis feiert ihr Jubiläum. Bereits seit 25 Jahren werden auf der Station dunkle Königinnen der einheimischen Honigbiene von ausgewählten Drohnenvölkern begattet. Der Präsident des Vereins Schweizerische Mellifera Bienenfreunde erklärt den Ablauf der Auffuhr und erzählt, was diese gefährdete Bienenart so speziell macht.

Eva Wenaweser
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Die einheimische Dunkle Biene mit der charakteristisch dunklen Panzerfärbung ist eine gefährdete Art.

Die einheimische Dunkle Biene mit der charakteristisch dunklen Panzerfärbung ist eine gefährdete Art.

Bild: Linus Kempter (30. Juni 2018)

Zum Erhalt und der Zucht von dunklen Königinnen der einheimischen Honigbiene (Apis mellifera mellifera) wurde vor 25 Jahren eine Bienen-Belegstation auf dem Säntis eingerichtet. Dort werden jedes Jahr mehrere hundert Königinnen in kleinen Kästchen auf dem Gebiet der Belegstation in der Schwägalp aufgestellt. In diesem Gebiet gibt es nämlich ausgewählte Drohnenvölker nach Zuchtprogramm, die die Königinnen im Flug begatten sollen. Auf diese Weise können die Züchter ihre Königinnen kontrolliert begatten lassen, um die Art mit der charakteristischen dunklen Panzerfärbung zu erhalten. Nach zwei Wochen werden die Kästchen wieder abgeholt.

Einheimische Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera)

Die einheimische Dunkle Biene, Apis mellifera mellifera, ist eine gefährdete Art, da sie von anderen Arten immer weiter verdrängt wird und ihr Verbreitungsgebiet dadurch inzwischen stark reduziert ist. Charakteristisch für sie sind die dunkle Panzerfärbung und schmale Filzbinden. Durch die speziellen Eigenschaften der Dunklen Biene, ist sie im Gegensatz zu anderen Arten einfach zu halten und sie zeichnet sich durch eine genetische Besonderheit im Vergleich zu den anderen westlichen Rassen aus. Die Dunklen Bienen sind sanftmütig, winterfest, langlebig und anpassungsfähig. Ausserdem verfügen sie über einen starken und vielfältigen Pollensammeltrieb und fliegen auch bei niedrigen Temperaturen. Sie haben eine geringe Schwarmneigung und einen ausgeglichenen Honigertrag. (evw)

Linus Kempter, Präsident Verein Schweizerische Mellifera Bienenfreunde.

Linus Kempter, Präsident Verein Schweizerische Mellifera Bienenfreunde.

Bild: Peter Jenni (18. April 2020)

Laut Linus Kempter, Präsident Verein Schweizerische Mellifera Bienenfreunde, kommen jedes Jahr etwa die gleichen Imker mit ihren Königinnen. «Das sind vor allem Leute aus dem Appenzellerland, dem Thurgau und dem nördlichen Teil von St. Gallen, also beispielsweise aus dem Toggenburg oder dem Fürstenland.» Prinzipiell könne aber jeder, der die einheimische Dunkle Biene züchtet, diese dort aufführen. «Nach Reglement ist aber keine Kreuzungszucht erlaubt», sagt Kempter. Ziel sei es nämlich auch, die Rasse der gefährdeten einheimischen Dunklen Biene zu erhalten und somit die richtigen Bienen zu vermehren und keine Hybriden zu erzeugen. Dazu werden auch Hilfsmittel wie die DNA-Analyse zur Prüfung auf Rassereinheit eingesetzt.

Auf der Bienen-Belegstation Säntis steht die Zucht im Vordergrund

Hier sieht man die aufgestellte Kästchen auf Ständern.

Hier sieht man die aufgestellte Kästchen auf Ständern.

Bild: Linus Kempter

Stationen, die ähnlich deren auf dem Säntis aufgebaut sind, gibt es insgesamt fünf in der Schweiz – im Glarnerland, im Sarganserland, in Luzern und in Bern. Kempter sagt: «Manchmal bringen wir unsere Königinnen auch auf eine dieser Belegstationen, um neues Blut in unsere Linie reinzubringen.» Für Wirtschaftsköniginnen gebe es ebenfalls noch andere Belegstationen, dort stehe aber die Honigproduktion im Vordergrund und nicht die Weiterzucht. Geschätzte 50'000 Bienenvölker der Schweiz stammen von den Dunklen Bienen ab, diesem Bestand kommt eine hohe ökologische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung zu. Reinrassige Völker gibt es nur noch etwa 1000.

Laut Kempter gibt es Leute, die den Honig der einheimischen Dunklen Biene anderem Honig vorziehen. Es gebe eine Studie, die besagt, dass diese Bienenart ein sehr breites Spektrum von Pollen sammle. Da der Honig aber von den Bienen aus Nektar bereitet wird und nicht aus Pollen könne man nicht belegen, ob dieser Honig nun anders oder gar besser schmecke als der Honig einer anderen Bienenart. «Am Ende bleibt es sowieso Geschmackssache, wie alles andere auch», sagt Kempter. Da das Ziel der Belegstationen aber sowieso der Erhalt der Dunklen Biene sei, stehe der Honig auch eher im Hintergrund. «Bei der Zucht und der Erhaltung der Rasse der dunklen Königinnen der einheimischen Honigbiene werden wir vom Bund unterstützt.»

Hier sieht man eine Königin im Jungvolk, das durch einen Kunstschwarm gebildet wurde. Die Bienen haben die Waben teilweise ausgebaut und die Königin hat sie bestiftet, also Eier gelegt.

Hier sieht man eine Königin im Jungvolk, das durch einen Kunstschwarm gebildet wurde. Die Bienen haben die Waben teilweise ausgebaut und die Königin hat sie bestiftet, also Eier gelegt.

Bild: Linus Kempter (22. Juli 2017)
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