Sammeln mit Auftrag

Als Kind sammelte ich Schneckenhäuschen nach Regenwetter, bunte Blätter im Herbst und während der Ferien Muscheln. Meine Errungenschaften hortete ich in Schubladen (zumindest solange, bis sich die noch bewohnten Schneckenhäuschen aus dem Staub machten).

Christine König
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Bild: Christine König

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Als Kind sammelte ich Schneckenhäuschen nach Regenwetter, bunte Blätter im Herbst und während der Ferien Muscheln. Meine Errungenschaften hortete ich in Schubladen (zumindest solange, bis sich die noch bewohnten Schneckenhäuschen aus dem Staub machten). Später überliess mir mein Grossvater seine Briefmarkensammlung und ich bildete mir ein, Briefmarkensammlerin zu sein. Ich ordnete die Marken in die Sammelbücher, sortiert nach Ländern, Wert und Farben. Aber um ehrlich zu sein: Unbändige Freude verspürte ich dabei nie. Die Ausdauer, die den Sammlern eigen ist, hielt bei mir nie an, und die Leidenschaft für das Sammelgut erlosch bald. Ich stellte also fest: Ich bin keine Sammlerin (wer heute meine Wohnung begutachtet, wird angesichts der vielen Bücher und Dekosächelchen vielleicht, wahrscheinlich, ziemlich sicher das Gegenteil behaupten – aber: Das hat nichts mit Sammeln zu tun, das ist Teil eines ausgereiften und wohnlichen Innendekorationskonzepts).

Ich tat es dann doch noch einmal. Ich sammelte Kaffeerahmdeckeli für ein Mädchen. Ich riss die Deckeli vom Rähmli ab, tupfte sie trocken, strich sie glatt und legte sie zur Seite. War ein Häufchen entstanden, steckte ich es in ein Couvert, schrieb ein paar Zeilen und schickte dem Mädchen die Deckeli. Ich hab das gerne gemacht, wirklich verstanden habe ich diese Sammelleidenschaft aber nie. Weshalb ausgerechnet Kaffeerahmdeckeli? Aber nun gut.

Apropos Kaffee. Was ich noch weniger nachvollziehen kann, ist die Angewohnheit, das nichtgebrauchte Kaffeerähmchen oder Zuckerbriefchen aus dem Restaurant mit nach Hause zu nehmen. Wer den Rahm oder den Zucker im Restaurant nicht braucht, der braucht ihn doch auch daheim nicht.

Oder ist es wirklich stilvoll, den Gästen das zusammengewürfelte Rahm- und Zuckersortiment zum Kaffee oder Tee zu servieren? Aber nun gut. Wenn es denn sein soll. Ich könnte sogar bei dieser Sammelleidenschaft behilflich sein. Meinen Kaffee trinke ich nämlich schwarz.

Bild: Christine König

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