Saisonbilanz der Fussballer

Unterschiedlicher könnte die Gefühlslage der Fussballer nicht sein. Während in Ebnat-Kappel und Wattwil die Abstiegswunden geleckt werden, herrscht in Kirchberg Freude und Euphorie.

Beat Lanzendorfer
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FUSSBALL. Beim Blick zurück kommt Erstaunliches zum Vorschein. Die Abstiege von Wattwil Bunt und Ebnat-Kappel trüben zwar die Bilanz, insgesamt war es aber kein so schlechtes Toggenburger Fussballjahr. Die nachfolgende Analyse wird dies bestätigen.

FC Bazenheid, 2. Liga regional

Saisonziel war: So schnell als möglich ein Team werden. Spielerische Identität finden – Chemie muss stimmen. Effektiv erreicht: Bazenheid hat den Aufstieg haarscharf verpasst, darf aber trotzdem von einer erfolgreichen Saison sprechen.

Die Mannschaft lag nach Abschluss der Vorrunde mit fünf Punkten Rückstand auf Platz 3. Weil Leader Wil U20 in der Frühjahrsrunde einige Schwächen offenbarte, wurde es zum Schluss mega spannend. Letztendlich scheiterte die Mannschaft teilweise auch an den eigenen Nerven und an der Heimschwäche. Weil das Gros zusammenbleibt, gehören die Alttoggenburger in der kommenden Spielzeit zu den Top-Favoriten.

FC Wattwil Bunt, 2. Liga regional

Saisonziel war: Ligaerhalt. Wenn möglich unter den ersten sieben. Zusammenarbeit unter den Mannschaften im Verein weiter fördern. Effektiv erreicht: Wattwil Bunt kämpfte von Anfang an gegen den Abstieg und konnte diesen auch nicht verhindern.

Wattwil Bunt musste sich bis zum 13. Oktober gedulden, bis der erste Sieg im Trockenen war. Mit nur acht Punkten stand man aber bereits nach Abschluss der Vorrunde mit dem Rücken zur Wand. Besserung trat auch im Frühjahr nicht ein. Weil nur noch neun Zähler hinzukamen, stand der Abstieg schon frühzeitig fest.

FC Wil U20, 2. Liga regional

Saisonziel war: Podestplatz. Förderung der jungen Spieler. Akteure auf höhere Aufgaben vorbereiten (SG U21/1. Mannschaft FC Wil). Effektiv erreicht: Dem Wiler Nachwuchs gelang in letzter Minute der Aufstieg.

Der Wiler Nachwuchs war in der Vorrunde das Mass der Dinge. Verletzungen in der Rückrunde führten zu personellen Engpässen – der Vorsprung schmolz wie Schnee an der Sonne. Dank Schwächen der Gegner und eigenem Hinzutun gelang der Aufstieg trotzdem. Für den Nachwuchs eine gute Lösung, wird die Differenz zwischen den beiden Nachwuchsteams aus St. Gallen und Wil doch spürbar kleiner. Die Zusammenarbeit kann weiter intensiviert werden.

FC Bütschwil, 3. Liga

Saisonziel war: Einbau eigener Junioren. Sich der Spitze annähern. Effektiv erreicht: Mit Platz 8 wurde das Saisonziel verfehlt.

Bütschwil hat zwar Potenzial, leider wurde es zu wenig abgerufen. Speziell im Cup, Siege gegen Steinach und Tobel und trotz Ausscheiden gegen Abtwil, bereitete die Mannschaft aber Freude. Aufgrund der vorhandenen Möglichkeiten im Juniorenbereich müsste die 1. Mannschaft aber viel weiter vorne stehen.

FC Neckertal-Degersheim, 3. Liga

Saisonziel war: Stark und offensiv mitspielen. Erfahrungen sammeln. Effektiv erreicht: Nach mässiger Vorrunde war die Mannschaft mit 29 Zählern bestes Rückrunden-Team. Ziel mehr als erreicht.

Der Moment zählt und da ist Neckertal-Degersheim die Mannschaft der Rückrunde. Vergessen die verkorkste Herbstserie, in der es Enttäuschungen im Multipack absetzte. Tatsache ist, der Aufsteiger ist in diesem Jahr ungeschlagen und holte aus elf Spielen sagenhafte 29 Punkte. Weil man davon ausgehen kann, dass die verschworene Einheit zusammenbleibt, ist einer der Favoriten schon jetzt gefunden.

FC Ebnat-Kappel, 3. Liga

Saisonziel war: Ligaerhalt. Eigene Junioren in die 1. Mannschaft integrieren. Effektiv erreicht: Die Mannschaft kämpfte vom ersten Spiel an gegen den Abstieg und muss nach zwölf Monaten zurück in die 4. Liga.

Man muss es ohne Umschweife sagen: Ebnat-Kappel war überfordert. Die Saison begann mit einem knappen 0:1 gegen Flawil etwas unglücklich. Zudem mutet der erste Punktgewinn, 1:1 am 21. September gegen den späteren Aufsteiger Henau, aus jetziger Sicht etwas unglaublich an. Über das ganz Jahr gesehen hat sich aber abgezeichnet, dass der langjährige Drittligist an alter Wirkungsstätte am falschen Ort ist.

FC Kirchberg, 4. Liga

Saisonziel war: Potenzial der jungen Mannschaft ausschöpfen. Schnellstmöglich zurück in die 3. Liga. Effektiv erreicht: Kirchberg hat es spannend gemacht, hat mit dem Wiederaufstieg die Vorgaben aber klar erfüllt.

Wie so oft in den letzten Jahren, waren es zwei Mannschaften, die vorne wegzogen – Kirchberg und Dussnang. In so einer Situation braucht es auch etwas Glück – das sich auf die Seite der Alttoggenburger schlug, denn nach einer starken Hinrunde zeigten beide in den letzten Monaten ungewohnte Schwächen. Mit dem direkten Wiederaufstieg bewies die Mannschaft aber Charakter und hat den Unfall vor einem Jahr wieder ausgemerzt. Die Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen, musste doch im Winter Chefdenker Dario Stadler ersetzt werden, der fortan bei Bazenheid die Fäden zieht. Nun gilt es, die richtigen Lehren zu ziehen, denn nicht immer kann ein Absturz innert eines Jahres aufgefangen werden.

Der totale Kirchberg-Triumph wird komplettiert durch den Aufstieg der 2. Mannschaft, welche ab August in der 4. Liga auf Punktejagd geht.

FC Kirchberg Frauen, NLB

Saisonziel war: Priorität hat der Ligaerhalt. Effektiv erreicht: Die Frauen waren entgegen des Trends nicht am letzten, sogar schon am zweitletzten Spieltag gerettet.

Es ist schon erstaunlich. Der Schweizerische Fussballverband erarbeitet Richtlinien auf Stufe Spitzenfussball, die von Landvereinen eigentlich gar nicht erfüllt werden können. Umso höher ist es zu bewerten, dass die Kirchberger Frauen einmal mehr den Verbleib in der Nationalliga B bewerkstelligen konnten. Weil auch der Vereinsvorstand den Stellenwert der Frauenabteilung anerkannt, wird fleissig an der Zukunft gebastelt. Mit einer personellen Aufstockung werden die Strukturen weiter verbessert. Begrüssenswert wäre auch eine intensivere Zusammenarbeit mit dem FC St. Gallen, denn im eigenen Nachwuchs bestehen zurzeit einige Lücken, konnte doch die 2. Mannschaft den Abstieg nicht verhindern und muss nun einen Neubeginn in der 4. Liga starten.

FC Ebnat-Kappel, Frauen, 2. Liga

Saisonziel war: Platz in der oberen Tabellenhälfte. Effektiv erreicht: Ziel mit Platz fünf geschafft.

Betrachtet «frau» nur die nackten Zahlen, hat die Mannschaft die Vorgaben mit Platz 5 erreicht. Dies wurde aber nur möglich, weil am letzten Spieltag noch die Gemeinschaft Neckertal-Bütschwil und Wil überholt werden konnten. Weil Aufsteiger Widnau, Verfolger Eschenbach und auch Linth 04 den anderen aber höchstens die Brosamen liessen, stand eine bessere Plazierung nie wirklich zur Diskussion. Immerhin stellen die Obertoggenburgerinnen mit Selin Roth die mit Abstand beste Torschützin. 23 Tore aus 22 Spielen sind eine sagenhafte Ausbeute. Nicht auszudenken, sollte die Torschützin vom Dienst einmal nicht mehr dabei sein.

So geht's weiter

Die Sommerpause fällt wie gewohnt sehr kurz aus, denn die meisten Vereine starten ihre Vorbereitung zur Spielzeit 2014/15 schon Anfang Juli.

Die ersten Ernstkämpfe stehen dann am 9./10. August auf dem Programm, wenn die erste Vorrunde des Schweizer Cups absolviert wird. Eine Woche später (16./17. August) beginnt der Kampf um die Punkte. Für den Wiler Nachwuchs, der erstmals der 2. Liga Interregional angehört, geht es sogar schon eine Woche früher los. Die Mannschaft um Trainer Andreas Alder feiert seine Feuertaufe am 9./10. August mit dem ersten Meisterschaftsspiel.

Wer beim Ostschweizer Fussballverband welcher Gruppe angehört, wird sich nach dem 23. Juni entscheiden. Bis zu diesem Datum müssen die Vereine melden, welche Mannschaften sie in die Meisterschaft schicken.

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