Saisonbilanz der Fussballer

Für den Toggenburger Fussball war es ein eher unaufgeregtes Jahr. Ein Glanzlicht setzte der Ostschweizer Cupsieg der Frauen der Gemeinschaft Neckertal-Bütschwil. Ein Frauenteam schreibt aber auch das traurigste Kapitel, jenes aus Kirchberg, das es in dieser Form nicht mehr geben wird.

Beat Lanzendorfer
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Die Frauen der Gemeinschaft Neckertal-Bütschwil sind die einzigen, welche die vergangene Saison ohne Vorbehalte als geglückt bezeichnen dürfen. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die Frauen der Gemeinschaft Neckertal-Bütschwil sind die einzigen, welche die vergangene Saison ohne Vorbehalte als geglückt bezeichnen dürfen. (Bild: Beat Lanzendorfer)

FUSSBALL. Die Trainer lassen sich vor dem Saisonstart nur ungern in die Karten schauen und sind jeweils sehr zurückhaltend mit einer Prognose. Von den neun Mannschaften, die nachfolgend beurteilt werden, gab nur der Ebnat-Kappler Jürg Stadelmann ein klares Statement ab: Sofortige Rückkehr in die 3. Liga! Leider ist ihm dies nicht gelungen.

FC Bazenheid (2. Liga regional)

Saisonziel war: Guter Start, dann ist alles möglich. Erreicht: Platz 2, 53 Punkte.

Trotz mässigem Auftakt mit vier Punkten aus drei Spielen war lange Zeit fast alles möglich. Die Mannschaft erreichte in der Vorrunde 28 Punkte, im Frühjahr noch 25. Das Total von 53 Zählern hätte in den letzten 15 Jahren immer zum Aufstieg gereicht. Nur jetzt nicht, weil Uzwil den gleichen Lauf hinlegte und weniger gelbe und rote Karten kassierte. Weil das Gros der Mannschaft zusammenbleibt, ist damit zu rechnen, dass die Alttoggenburger in der neuen Meisterschaft erneut ganz vorne mitmischen. Wünschenswert wäre auch ein langer Verbleib im Cup, denn mit diesem Potenzial sollte es eigentlich im Bereich des Möglichen sein, in die erste Hauptrunde des Schweizer Cups vorzustossen.

Für Sicherheit sorgt auch die Weiterverpflichtung von Trainer Heris Stefanachi, der mit den Bazenheidern die dritte Saison in Angriff nimmt. Ihm zur Seite steht neu Servet Gafuri, der Köbi Uenes ersetzt, welcher aus beruflichen Gründen kürzertritt. Der Start der Vorbereitung erfolgt am Montag, 6. Juli.

FC Bütschwil (3. Liga)

Saisonziel war: Konstanter werden, den Willen, um jedes Spiel zu gewinnen. Erreicht: Platz 6, 30 Punkte.

Die Breite-Boys waren auch in der vergangenen Spielzeit so etwas wie eine Wundertüte. Vor allem der Vergleich mit der Spitze bringt Erstaunliches zum Vorschein. 40 Prozent (12 von 30) der Punkte holten die Bütschwiler gegen die drei Ersten Flawil, Eschenbach und Wattwil Bunt. Mässig dagegen sieht die Bilanz gegen das Trio am Tabellenende aus. Nur neun Zähler gab es gegen Uznach, Uzwil 2b und Herisau 2. Da darf es niemanden verwundern, wenn das Abstiegsgespenst auf der Breite lange Präsenz markierte. Erst der Zwischenspurt im Mai bescherte Luft nach hinten. Ob Trainer Hansueli Gerig seinem Stammclub die Treue hält, entscheidet sich in den kommenden Tagen. Die Tendenz zeigt Richtung Weitermachen, fixiert ist aber noch nichts.

FC Kirchberg (3. Liga)

Saisonziel war: Ligaerhalt. Mittelfristig will man sich nach dem Wiederaufstieg in der Liga etablieren. Erreicht: Platz 7, 28 Punkte.

Der Trainerwechsel in der Winterpause, für Ruedi Eisenhut, der zu seinem Stammverein Tobel zurückkehrte, übernahm Schlitzohr René «Wämsi» Bosshart, hat Kirchberg nicht aus der Bahn geworfen. Mit 14 Punkten im Herbst überwinterte die Mannschaft auf Platz neun. Die gleiche Ausbeute im Frühling brachte sogar noch die Verbesserung auf Position sieben. Obwohl Kirchberg letztlich nur vier Zähler vor den Abstiegsrängen liegt, war der Absturz in die 4. Liga nie wirklich ein Thema. Bleibt die Mannschaft zusammen und wird auf der einen oder anderen Position noch sinnvoll ergänzt, besitzt die Elf das Potenzial, um sich wie erhofft in der 3. Liga zu etablieren.

FC Wattwil Bunt (3. Liga)

Saisonziel war: Ligaerhalt, weil viele Junioren in die Mannschaft integriert werden müssen. Erreicht: Platz 3, 35 Punkte.

Beim Saisonziel waren die Verantwortlichen sehr zurückhaltend – zu zurückhaltend, denn die Toggenburg Medien attestierten der Mannschaft durchaus das Können für einen Podestplatz, was es auch geworden ist. Mehr war schlicht und einfach nicht möglich, weil Flawil sein Programm im zweiten Teil der Meisterschaft gnadenlos durchzog und den 21 Punkten im Herbst weitere 27 im Frühjahr folgen liess. Dem war niemand gewachsen, auch Eschenbach nicht, das bei Halbzeit die Tabelle noch angeführt hatte. Nach zwei Jahren im Amt, hat sich Trainer Dino De Luca entschieden, seinen Vertrag aus beruflichen und familiären Gründen nicht zu verlängern. Ihm folgt Natale Licata, der seine Sporen bei den Junioren abverdient und dort positive Spuren hinterlassen hat. Zur Kontinuität trägt Andreas Padoan bei, der sich weiterhin als Co-Trainer in den Dienst von Wattwil Bunt stellt.

FC Neckertal-Deg. (3. Liga)

Saisonziel war: Die gesammelten Erfahrungen umsetzen und die Offensive forcieren. Erreicht: Platz 5, 33 Punkte.

Vor einem Jahr war der Neuling während Monaten auf der Überholspur und rollte das Feld von hinten auf. Zu den fünf Punkten im Herbst kamen im zweiten Teil der Meisterschaft sensationelle 29 hinzu. Dies veranlasste die Experten, die Mannschaft vor dem Saisonstart in den Kreis der Favoriten zu befördern. Es kam anders. Verletzungen und Auslandaufenthalte dezimierten das Kader derart, dass die Ausbeute bis im November mit zehn Punkten äusserst schmal ausfiel. Trainer Josef Meienhofer und seine Jungs fanden im neuen Jahr den Tritt und gaben die Antwort mit 23 Punkten aus elf Spielen. Der Verein steht vor einer Zukunft mit diversen Fragezeichen, denn Josef Meienhofer hat schon vor Monaten seinen Rücktritt am Ende der Meisterschaft verkündet.

FC Ebnat-Kappel (4. Liga)

Saisonziel war: Sofortige Rückkehr in die 3. Liga. Erreicht: Platz 2, 40 Punkte.

Auch wenn das Saisonziel verfehlt wurde, Trainer Jürg Stadelmann war der Einzige, der mit «Aufstieg» ein klares Ziel definierte – Gratulation zum Mut. Die Saison hat dann mit der unglücklichen Heimniederlage gegen den späteren Aufsteiger Netstal wenig optimal begonnen. Mit acht Punkten Rückstand war das Thema bereits vor der Winterpause gegessen. Trotzdem gaben sich die Obertoggenburger nie auf, blieben in der Rückrunde ungeschlagen und eroberten in dieser Zeit aus acht Spielen beachtliche zwanzig Punkte.

FC Kirchberg Frauen (NLB)

Saisonziel war: Ligaerhalt. Erreicht: 8 Punkte (Abstieg).

Die Erfolge der Kirchberger Frauen sind überschaubar. 25 Partien absolviert, zwei Siege eingefahren. Hinzu kommen noch zwei Unentschieden. Die Saison stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Im Winter kam es dann noch zum Trainerwechsel – auf Martin Zgraggen folgte Salih Oezdemir. Auch dieser Versuch schlug fehl.

Sieben Jahre nach dem Aufstieg gehört Kirchberg nicht mehr zum illustren Kreis der zweithöchsten nationalen Liga. Was noch viel schwerer wiegt: Die Mannschaft ist auseinandergebrochen. Die Verantwortlichen wollen in den kommenden Tagen kommunizieren, wie es weitergeht.

FC Neckertal-Bütschwil Frauen

Saisonziel war: Oberes Mittelfeld in der 2. Liga. Erreicht: Platz 2, 49 Punkte.

Die Gemeinschaft Neckertal-Bütschwil ist jenes Team, dem man ohne Umschweife ein Kränzchen winden darf. In der Meisterschaft härtester Widersacher von Eschenbach, holten die Toggenburgerinnen den späteren Aufsteiger aus den Double-träumen und den Cupsieg ins Toggenburg. Ob es im gleichen Stil weitergeht, ist noch ungewiss, denn das Trainerduo Martin Raschle/Claudia Gmür stand nur bis zum Saisonende an der Linie – nun liegt es am Verein, mit einem neuen Übungsleiter die Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben.

FC Ebnat-Kappel Frauen (2. Liga)

Saisonziel war: Platz in der ersten Tabellenhälfte. Erreicht: Platz 11, 18 Punkte.

Die Frage sei erlaubt: Was passiert, wenn die Lebensversicherung Selin Roth einmal nicht mehr trifft? Die 20-Jährige schoss 22 der 35 Ebnater Tore und hielt die Mannschaft fast im Alleingang am Leben. Trotzdem kamen die Frauen aus dem Doppeldorf zum Ende der Meisterschaft noch einmal in Bedrängnis und konnten sich mit zwei Punkten Reserve auf Absteiger Münsterlingen knapp halten.

Auf Peter Schrepfer, der die Mannschaft weiterhin betreut, kommt Arbeit zu.