Saisonabbruch
Das Feld nicht Netflix überlassen: Wie der UHC Herisau die Jungen in der Sportart halten will

Wegen der Coronapandemie wurde die Saison in der Unihockey-Amateurligen vorzeitig abgebrochen. Paul Zähner, Präsident des UHC Herisau, hofft auf Solidarität auf allen Stufen.

Lukas Pfiffner
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Im Moment unmöglich: Die Herisauer 1.-Liga-Mannschaft als Kollektiv unterwegs.

Im Moment unmöglich: Die Herisauer 1.-Liga-Mannschaft als Kollektiv unterwegs.

Bild: PD

«Man hat es kommen sehen», sagt Herisaus Präsident Paul Zähner zum Verbandsentscheid vor zwei Wochen, dass die Unihockeysaison (abgesehen von der NLA) abgebrochen wird. «Wir bewegen uns im Amateursport mit Leuten, die sich an zivilen Arbeitsplätzen aufhalten. Wenn immer wieder einige in Quarantäne sind, lässt sich kein Betrieb aufrechterhalten.»

Die Spieler der Herisauer 1.-Liga-Mannschaft bewegen sich derzeit nicht im Kollektiv und nicht mit Stock und Ball. Sie versuchen, in Kleinstgruppen oder einzeln fit zu bleiben. Das sei sehr lose organisiert – zum Beispiel mit Langlaufen oder Joggen, erzählt Zähner.

«Natürlich sind die Spieler frustriert. Aber wir können die Situation aktuell nicht ändern.»

Immerhin hat der Schweizer Verband angekündigt, alternative Spielformen zu erarbeiten, welche ermöglichen, dass wieder Unihockey gespielt werden kann, sobald die Behörden grünes Licht geben. «Als Ersatz zur offiziellen Meisterschaft werden Gefässe erschaffen, die etappenweise auf kantonale Öffnungen Rücksicht nehmen», teilt Swiss Unihockey in einer Medienmitteilung mit.

Besorgt wegen U-18 und U-21

Besser ist die Situation in den unteren Nachwuchskategorien. Da ist das gewohnte Training erlaubt – bis zu den 16-Jährigen. «Bewegung und Begegnung sind gerade für die Jungen enorm wichtig, und wir wollen das Feld nicht einfach Netflix und TikTok überlassen», sagt Zähner. «Die Präsenz ist ausgezeichnet. Sie kommen gerne in die Halle», ergänzt der Präsident, der im UHC Herisau gleichzeitig Trainer der U-14 ist. Im Moment würden zwar die Wettkämpfe fehlen, aber man spiele im Training oft. «Es geht vor allem darum, die Jungen in der Sportart zu halten.»

Bedenken hat er in den Kategorien U-18 und U-21, wo derzeit kein Betrieb erlaubt ist. «Wenn sich einige der Spieler an andere Prioritäten gewöhnen und mit dem Unihockeysport aufhören, kommen wir in Kürze in Schwierigkeiten.» Dass sich grössere Vereine in höheren Ligen diesbezüglich die gleichen Sorgen machen, habe sich kürzlich bei einer Telefonkonferenz gezeigt.

«… dann ein gröberes Problem»

Wie sich der pandemiebedingte Saisonabbruch im UHC Herisau finanziell auswirkt, steht noch nicht fest. Paul Zähner spricht von einer Solidaritätskette, die hoffentlich zum Tragen komme – auf allen Stufen. «Wenn nun die Mitglieder ihren Jahresbeitrag zurückfordern, dann haben wir ein gröberes Problem. Wir als Verein müssen auch mit dem Verband solidarisch sein, weil der trotz Abbruch gewisse Fixkosten zu tragen hat.»

Auf Solidarität hofft der Präsident auch bei den Sponsoren. Ihre Beiträge machen etwa einen Fünftel des Budgets aus. Man sei im Austausch. «Wir sind uns bewusst: Wir haben zum Beispiel keine Bandenpräsenz mehr an den Heimspielen, wir sind weniger in den Medien.» Wie die Gespräche mit den Sponsoren ausgehen, wird sich zeigen. Der Präsident denkt etwa an eine Gutschrift für das kommende Jahr.

Die Heimspiele können jeweils gratis besucht werden: Diesbezüglich sind also keine Mindereinnahmen zu verbuchen, und der UHC Herisau ist im Gegensatz zu oberklassigen Vereinen nicht in der Schuld gegenüber Saisonkarteninhabern. «Einige Kosten fallen weg, etwa was Schiedsrichter oder die Hallenbenützung am Wochenende betrifft.» Ein Jahr könne man wirtschaftlich mit den aktuellen Gegebenheiten wohl überstehen, glaubt der Präsident. «Ein zweites wäre schon sehr schwierig.»

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