«Sagen Sie, Sie seien im Pyjama»

Rund 70 Seniorinnen und Senioren folgten der Einladung der Raiffeisenbank Wolfertswil-Degersheim, um einem Vortrag über die Sicherheit im Alltag beizuwohnen. Bruno Metzger, Chef der Sicherheitsberatung der Kantonspolizei St. Gallen, gab praktische Tips.

Andrea Perks
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Mogelsberg. In der Schweiz wird Sicherheit grossgeschrieben. Doch auch hier gibt es Trickbetrüger und Taschendiebe, die sich zum Nachteil anderer bereichern wollen. Ältere Menschen sind besonders beliebte Opfer.

Angst ist nicht der Grund

Eine schnelle Unachtsamkeit und die Handtasche ist weg. «Ich hievte nur schnell ein Gepäckstück in die Ablage des noch stehenden Zuges. Als ich mich wieder setzte, war mein Portemonnaie verschwunden. Mit ihm auch der Dieb, der sich schnell aus dem Zug stahl und in der Menschenmenge verschwand», erzählt eine Vortragsbesucherin. Solche und ähnliche Situationen kennen viele der Anwesenden des Seniorennachmittags im evangelischen Kirchgemeindehaus aus eigener Erfahrung. Angst haben die meisten aber nicht. Angst ist nicht der Grund, weshalb sie gekommen sind. Es habe bei ihr auch nichts geändert, nachdem ein Nachbar im eigenen Haus überfallen wurde, erklärt eine Degersheimerin. Man will einfach wissen, wie man sich in solchen Situationen zu verhalten habe. «Wir schliessen aber seit dem Vorfall immer die Haustüre ab, das haben wir vorher nie getan», ergänzt ihr Banknachbar. Trotz solcher Vorfälle fühlen sich die älteren Menschen hier in der Umgebung sicher, auch wenn sie achtsamer sind, was im Quartier vorgeht. Die meisten besuchen die Veranstaltung aus fachlichem Interesse und erwarten Tips zum richtigen Verhalten in einer ungewöhnlichen Situation. Im gut aufgebauten Vortrag erklärt Bruno Metzger den Aufbau der 650 Mann starken St. Galler Kantonspolizei. Eine wichtige Funktion habe die Notrufzentrale, bei der im Jahr 180 000 Anrufe eingehen. Dort sind fachkundige Disponenten im Einsatz, die schnell entscheiden müssen, wer oder was zum Einsatz gebracht werden soll. Die Fragen, die diese Leute an die Anrufer stellen, dienen dazu, sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen und sollten möglichst genau und klar beantwortet werden, sagte Bruno Metzger. Während des Gesprächs nämlich werden schon die nötigen Massnahmen eingeleitet, damit schnell Hilfe unterwegs ist. «Die Polizei ist auf Hinweise der Bevölkerung angewiesen und nimmt diese auch sehr ernst. Im Nachhinein kann es zu spät sein», muntert Metzger seine Zuhörer auf, selber die Initiative zu ergreifen. Bruno Metzger spricht auch andere Themen an: Das Licht am Abend im Haus brennen zu lassen, gerade wenn niemand zu Hause sei, schaffe Sicherheit. Dieses Vorgehen erschwert Dieben einen Einbruchsversuch. Wenn fremde Personen klingeln, muss man ihnen die Türe nicht öffnen. «Sagen Sie lieber, Sie seien gerade im Pyjama, wenn Sie sich unsicher fühlen und lassen Sie die Türe zu», scherzt er. Speziell widmet er sich dem Enkeltrick-Betrug. Da diese Tatbestände zunehmen, werden sie seit ein paar Jahren in seine Vorträge mit einbezogen.

Dreiste Vorgehensweise

Die Betroffenen werden meist um die Mittagszeit angerufen von einer Person, die sich als Enkel oder andere bekannte Person ausgibt. Sie verstricken ihre meist weiblichen Opfer in ein intensives Gespräch, bei denen die Angerufene dem geschulten Zuhörer die Informationen preisgibt, die er braucht. Im Laufe des Gesprächs wird dann um einen Kredit gebeten, der am gleichen Tag ausbezahlt werden sollte. Sie geben den betagten Damen an, dass beim ausgemachten Übergabeort ein vertrauenswürdiger Kollege des vermeintlichen Enkels warten würde. Dieser Person wird dann der meist fast vollständige Besitz ausgehändigt. Da die Betrüger vom Ausland aus arbeiten, seien sie schwer zu schnappen, so Metzger

Nach so vielen Informationen schlägt das Appenzeller Echo dann wieder leichtere Töne auf dem Hackbrett an. Bei Kaffee und Kuchen wird weiterhin geplaudert, bis der organisierte Reisebus die Pensionäre sicher nach Hause bringt.