SÄNTIS/WATTWIL: Ein besonderes Gipfeltreffen

Einmal pro Jahr treffen sich die Mitglieder des Vereins «Kultur am Säntis» zum Kulturfenster auf dem Berg. Dieses Jahr amtet zum ersten Mal Volksmusiker Daniel Bösch als Präsident.

Karin Erni
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Daniel Bösch kennt man als Akkordeonisten des Volks­musik-Quartetts Laseyer. Bild:

Daniel Bösch kennt man als Akkordeonisten des Volks­musik-Quartetts Laseyer. Bild:

Karin Erni

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«Du hast ideale Voraussetzungen, um im Vorstand des Vereins zu sitzen», habe Hans Höhener, Vizepräsident des Vereins Kultur am Säntis, vor etwa vier Jahren zu ihm gesagt, erzählt Daniel Bösch. Zugesagt habe er, weil ihn die Aufgabe gereizt habe, sagt der 51-Jährige. Dabei war er schon zuvor gut ausgelastet. Seit 24 Jahren ist Bösch Akkordeonist des Volksmusik-Quartetts Laseyer und begleitet unter anderem die bekannte Jodlerin Claudia Diem im Duett mit Claudia Haffa-Zihlmann bei ihren Auftritten. Von Anfang an engagierte er sich beim Projekt «Schuelegoofe vo Appenzöll» und im Jugendchörli. Und auch an der Entstehung des neuen Appenzeller Liederbuchs, einem Gemeinschaftsprojekt beider Kantone, ist er massgeblich beteiligt.

Sein Lebensweg hat ihn auch geografisch rund um den Säntis geführt: Geboren ist Daniel Bösch in Wattwil, wo der Vater als Metzger arbeitete. Kurz nach der Geburt zog die Familie nach Herisau und führte dort das ­Restaurant Kiebitz. Einen Teil seiner Schulzeit hat er in Herisau verbracht. Danach zog die Familie wieder ins Toggenburg, wo der Vater eine Metzgerei übernehmen konnte. Als ältester Sohn wäre von ihm erwartet worden, den Betrieb zu übernehmen. «Doch irgendwie hat es nicht gepasst.» Statt das Metzgerhandwerk zu erlernen, absolvierte er die Ausbildung zum Primarlehrer. Diese Berufswahl ergab sich eher zufällig. Durch seine Tätigkeit als Jugileiter habe er immer einen guten Draht zu Kindern und Jugendlichen gehabt.

Heute lebt der dreifache Vater mit seiner Frau im Dorf Appenzell. Er arbeitet seit zehn Jahren als Lehrer für Allgemeinunterricht an der Berufsschule St. Gallen in der Abteilung für Dienstleistungsberufe und erteilt Englisch an Lernende des Restaurationsfaches, was ihm sehr gut gefällt. Gerne denkt er an seine Zeit als Primarlehrer zurück. Der Wechsel an die Berufsschule ermöglichte es ihm aber, zurückzukehren zu seinen Wurzeln. «Als Metzgerssohn fehlte mir der Bezug zum Gewerbe.»

Die Bedeutung der Kultur dürfe nicht unterschätzt werden, ist Bösch überzeugt. «Sie gibt Identität. Wer seine Wurzeln kennt, muss keine Angst ­haben vor dem Fremden.» Über die Kultur finde er auch guten Zugang zu ­seinen Schülern. Daher besucht er mit ihnen regelmässig Anlässe wie Konzerte, Theater oder Musicals.

In allen Regionen daheim

Der Verein Kultur am Säntis zählt rund 230 Mitglieder, zwischen 100 und 120 Personen besuchen jeweils das Kulturfenster. Das Ziel des Vereins ist gemäss Statuten die Auseinandersetzung mit verschiedensten kulturellen Aspekten aus den beiden Appenzell und dem oberen Toggenburg. Gemeinsamkeiten, Gegensätzlichkeiten und Besonderheiten sollen aufgezeigt werden. «Ich fühle mich in allen drei Regionen daheim. Es ist ein einziger Kulturraum, der die gleiche Musik und ähnliche Bräuche pflegt», sagt Bösch, der seit Gründung des Vereins im Jahre 2008 Vereinsmitglied ist und seit 2014 im Vereinsvorstand tätig ist, seit 2017 als Präsident. Von aussen werde die Region um den Säntis ohnehin als ein einziger Kulturraum wahrgenommen. In den ersten Jahren befasste sich das Programm des Kulturfensters auf dem Säntis mit der traditionellen Volksmusik, dem Jodel und anderen Gesängen, später kamen die Themen sennisches Handwerk und Brauchtum sowie die Malerei, Tanz und Literatur dazu. Zu einer Auseinandersetzung führte es, als Studierende der Textilfachschule eine neue Tracht entwickelten. Das Thema Kultur wurde immer weiter gefasst und nahm sich letztes Jahr auch der Ernährung und der Naturmedizin rund um den Säntis an. Der Vortrag von Thomas Rau als Leiter der Paracelsusklinik führte zu interessanten Diskussionen, erinnert sich Bösch. Diese Entwicklung sei ganz in seinem Sinn. «Es darf ruhig auch mal kontrovers zu und her gehen.» Der neue Präsident möchte den Verein in die Zukunft führen und das Themenspektrum noch weiter öffnen. «Wenn wir immer das Gleiche machen, gäbe das eine Endlosschlaufe. Wir wollen uns aber weiterentwickeln.» Zu Beginn hätten auch die Hauptversammlungen des Vereins jeweils auf dem Säntis stattgefunden. Seit 2012 wechsle man immer in eine anderen Region, so Bösch. «Wir wollen das Knüpfen von Beziehungen über die eigene Region hinaus fördern.»

Kommunikation in früherer Zeit

Das diesjährige Kulturfenster steht unter dem Motto: «omesäge, schwätze, vezelle». Der Anlass will Einblick geben in die Geschichte der Kommunikation rund um den Säntis. Es geht um Sagen und Geschichten, beleuchtet wird auch die Rolle des Pöstlers als Nachrichtenüberbringer. Und auch die Medien werden thematisiert. So wird ein Vertreter der «Appenzeller Zeitung», die einmal als «frechstes Blatt der Schweiz» galt, ein Referat halten. Die Vorträge werden immer wieder durch musikalische Einlagen mit Hackbrett aufgelockert. Und auch das Publikum wird einbezogen: Unter Anleitung von Irene Rempfler und Maria Haltmann lernen die Teilnehmer, Ratzliedli zu singen.

Das nächste Kulturfenster auf dem Säntis findet am Samstag, 11. November, von 9 bis 16 Uhr statt. Anmeldungen via Website www.kulturamsaentis.ch.