Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Sägerei statt Panorama-Express

Vor einem Jahr gründeten Anwohner, Gastronomen und Ferienhausbesitzer in der Nesslauer Laad eine Interessengemeinschaft. An der ersten Hauptversammlung Mitte September dürfte das Traktandum «Ausblick und weitere Aktivitäten» interessant sein.
Michael Hug

LAAD/NESSLAU. Es las sich wie ein Aprilscherz, und es war auch einer: «Panorama-Express Nesslau–Laad im Entstehen», titelte diese Zeitung am 1. April dieses Jahres. Man wolle «die Mobilität in der Region ausbauen und somit die Zukunft sichern», liessen die Urheber verlauten. Weil die Meldung offensichtlich glaubwürdig war, druckte sie die Appenzeller Zeitung tags darauf gleich auch ab. Es ist nicht bekannt, wer die Meldung ins Leben gerufen hat. Doch sie warf ein Licht auf eine Gruppierung, die sich am 1. Juli 2013 konstituierte. In deren Bezeichnung fehlt einzig der Begriff «Panorama-Express»: Es handelt sich um die Interessengemeinschaft Ökotourismus Nesslauer Laad.

Kein Panorama-Express

Die IG Laad will keinen Panorama-Express bauen. Sie hat die Absicht, das Gebiet Laad attraktiver zu machen. «Der Verein unterstützt die Förderung eines an die lokalen Traditionen angelehnten Öko-Tourismus. Anlagen und Einrichtungen, die rücksichtsvoll in die vielfältige Landschaft eingegliedert werden, sollen ebenso gefördert werden wie Unternehmungen, welche die Vorgaben eines sanften Individualtourismus erfüllen.» So schreibt es die IG in ihrem Beitrittsprospekt. Felix Bischofberger, erster Präsident der IG: «Wir wollen in erster Linie den Agrotourismus und die Vermarktung lokaler Produkte fördern.» Ein Projektziel sei auch ein Rundweg in der Hinterlaad. Unkundigen Wanderern sollen das stille Tal und seine reiche Flora und Fauna auf einem beschilderten Weg nähergebracht werden.

Energieautarke Schausägerei

Mit «Anlagen und Einrichtungen» meint Bischofberger einen Handwerksbetrieb: «Wir möchten gerne die Sägerei Laad zur lebenden Museumssägerei ausbauen.» Mit regelmässigen Öffnungszeiten und Führungen sollen das alte Handwerk und die Energieproduktion durch Wasserkraft gezeigt werden. Bischofberger betont, dass die Sägerei nicht etwa mit Geld der IG wiederhergestellt werden müsse, denn sie sei renoviert worden und werde auch regelmässig betrieben: «Sie war früher energieautark, denn sie bezog die Energie aus der Wyssthur, die neben der Sägerei vorbeifliesst.» Dies erfolgte über mechanische Kraftübertragung. Heute wird mit der über hundert Jahre alten Turbine und einem neuen Generator elektrische Energie erzeugt, die ins öffentliche Netz eingespeist wird, und das Sägegatter ist mit einem elektrischen Antrieb ausgestattet.

Skepsis und Zustimmung

Mit der IG Laad und ihren Interessen stösst Bischofberger nicht überall in der Laad auf Zustimmung. Derweil die Interessen der beiden Gastrobetriebe, dem Buurebeizli Dergeten und dem Partystübli Stadel sowie dem Sägereibesitzer offenkundig sind, gibt es auch skeptische Stimmen. «Muss denn überall eine Hinweistafel stehen, muss auch hier jeder Baum beschriftet sein?», fragt ein nicht genannt sein wollender Anwohner. Mahnende Stimmen meinen auch, dass auf den beiden Zufahrtsstrassen in die Hinterlaad bereits heute unangenehm viel Verkehr herrsche. «Müssen es immer Auswärtige sein, die bestimmen, was um uns sein soll?», sagt eine besorgte Einwohnerin. Tatsächlich sind Felix Bischofberger und Reto Zingg, die zweite treibende Kraft hinter dem Projekt, nicht ortsansässig. Im Fall von Bischofberger zumindest nur halb: Er ist mit einer Nesslauerin verheiratet. Er wohnt in Altenrhein und ist CVP-Kantonsrat.

Eigeninteressen?

Bischofberger ist Eigentümer der Sägerei. Betrieben wird sie von seinem Schwager Emil Rutz. In der ehemaligen Sägerwohnung hat er eine Ferienwohnung eingerichtet. Ihm gehe es nicht um Eigeninteressen, wie er meint: «Wir können die Sägerei auch ohne Publikum betreiben, aber es wäre doch interessant, wenn man das Handwerk öffentlich zeigen könnte.» An sich eine gute Idee: Wanderer, Familien oder Gruppen kommen zum Wandern in die Laad, speisen in einem der Gastrobetriebe – die Laad hat mit dem «Speer» auch ein «echtes» Restaurant – und schauen sich vor der Heimreise die Sägerei an. Doch die Pläne der IG sind nicht gratis. Der momentane Start-up-Finanzbedarf für Planung, Prospekte und die Schausägerei beträgt 20 000 Franken. Als Kantonsrat weiss Bischofberger, wie man an öffentliche Fördertöpfe herankommt: «Es laufen Gespräche mit Toggenburg Tourismus, unsere Pläne sollen in deren Werbung mit einbezogen werden.» Am 15. September lädt die IG Laad zur ersten Hauptversammlung. Nach dem Apéro um 18.30 Uhr im Buurebeizli Dergeten werden an einer Begehung die Projekte erläutert. Die HV im Partystübli beginnt um 20.15 Uhr.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.