Sackmesser, made in Toggenburg

Das Feinschnitt-Stanzwerk Fritz Schiess AG ist massgeblich am neuen Swiza-Taschenmesser beteiligt: Das Unternehmen aus Wattwil fertigt die Rohlinge für Klinge, Büchsenöffner und Kapselheber an. Die Messer-Liebhaber sind begeistert.

Serge Hediger
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Je 300 000 Rohlinge für die drei Taschenmesser-Werkzeuge – im Bild der Büchsenöffner aus einem besonderen Edelstahl – verlassen bis Ende Jahr die Produktionsstätte in Wattwil. (Bilder: Serge Hediger/pd)

Je 300 000 Rohlinge für die drei Taschenmesser-Werkzeuge – im Bild der Büchsenöffner aus einem besonderen Edelstahl – verlassen bis Ende Jahr die Produktionsstätte in Wattwil. (Bilder: Serge Hediger/pd)

WATTWIL/DELéMONT. Auf den einschlägigen Messer- oder Survival-Plattformen im Internet überbieten sich gegenwärtig die User mit ihren begeisterten Kommentaren: «Frisches Design», lobt einer. «Cooles Teil», findet ein anderer. Und ein dritter hält darüber sogar ein Tutorial auf YouTube: «Abgefahren! Das Schweizer Taschenmesser wurde stimmig weiterentwickelt.»

Edles Design aus Edelstahl

Seit das jurassische Unternehmen Swiza vergangene Woche ein neues Schweizer Sackmesser in vier Farben und Modellen vorgestellt hat, diskutieren die Messer-Liebhaber und Fachleute seine Vorzüge: Die Härte des Edelstahls, die Vielzahl der Werkzeuge, den durchdachten Verriegelungsmechanismus für die 75-cm-Klinge und natürlich das auffällige Design mit seinem hohen Wiedererkennungswert.

Spezielles Know-how

Ob mit Präzisions-Pinzette, Kreuzschlitz-Schraubenzieher oder Sommelier-Korkenzieher: Das elegant geschwungene Swiza mit seinen vier bis sechs Werkzeugen ist ein aussergewöhnliches Taschenmesser. Was aber die Messer-Fans und Bushcraft-Spezialisten noch nicht wissen: Das Toggenburg ist an der Herstellung dieser neuen Messer mitbeteiligt.

Die sogenannten Rohlinge von Klinge, Dosenöffner und Kapselheber/Schraubenzieher sowie eines Abstandhalters werden vom Feinschnitt-Stanzwerk Fritz Schiess AG in Wattwil gefertigt. Geschäftsleiter Philippe Schiess bestätigt: «An einer Industriemesse in Deutschland haben wir vor zwei Jahren mit dem Unternehmen Swiza erste Kontakte geknöpft. Als Erfinder der Präzisionstechnik Feinschneiden sind wir prädestiniert für die Herstellung der Messerteile. So verlassen beispielsweise zu 100 Prozent saubere Messerrücken unsere Maschinen – ohne Abrisskante, wie sie etwa bei der Fertigungstechnik Stanzen entstünden.»

Mehr noch: Statt des üblichen Nagelhiebs, wie die Kerbe zum Öffnen der Klinge genannt wird, verfügt das Swiza über eine raffinierte Öffnung mit eingeprägtem Firmennamen – auch diese Messerfunktion geht zurück auf spezielles Know-how aus dem Thurtal.

Monatelang mussten die mit dem Auftrag betrauten Schiess-Mitarbeitenden Stillschweigen bewahren. Doch mit der Lancierung des Messers in der vergangene Woche darf die Geschäftsleitung über die «Neuerfindung des Schweizer Taschenmessers» (Medien-

mitteilung) sprechen: «Ein wenig stolz sind wir schon», sagen übereinstimmend Philippe und Frédéric Schiess, die Urenkel des Firmengründers. Das Wattwiler Unternehmen stellt mehrheitlich und in grosser Zahl unscheinbare, aber wichtige Teile für Maschinen und Fahrzeuge her. Umso wichtiger ist der Auftrag aus Delémont. Philippe Schiess: «Selten sind unsere Mitarbeitenden so nahe und so spürbar am Endprodukt, für das sie gearbeitet haben.» Ende Jahr werden übrigens je 300 000 Sackmesserwerkzeuge das Toggenburger Unternehmen Richtung Jura verlassen haben.

Die drei Millimeter festen Rohlinge aus einer schwer zu beschaffenden Chrom-Molybdän-Legierung werden nach dem Feinschneiden noch in Wattwil durch das sogenannte Gleitschleifen entgratet. Jedoch gehärtet, geschliffen, geschärft und poliert werden sie in Delémont. Von dort aus belebt das elegante Swiza den Markt mit dem beliebten Schweizer Taschenmesser, nachdem die Victorinox in Schwyz ihre jurassische Marke Wenger 2013 eingestellt hat.

Hohe Qualitätsansprüche

Immer wieder überrascht die Fritz Schiess AG mit Bestandteilen von Produkten, an die aussergewöhnliche Qualitätsansprüche gestellt werden: beispielsweise die Fotokamera von Hasselblad, die 1969 mit Apollo 11 auf dem Mond landete, oder die Stichplatte an den Nähmaschinen von Bernina. Und aktuell sorgen gezahnte Bestandteile der Ausgleichswelle im Luxusklassewagen Jaguar XE dafür, dass sich der Fahrkomfort des Vierzylinders anfühlt, als liefe der Motor auf sechs Zylindern.

www.fschiess.com www.swiza.com