Sackgasse mit und ohne Bike

Im Vorfeld von Alpsteinbike.ch sorgt die Strecke von Gräppelen über Neuenalp und Rotenstein hinauf zum Risipass erneut für Diskussionen. Nach wie vor darf das Teilstück nicht befahren werden, so dass die Biker den Weg über Stein unter die Räder nehmen müssen.

Urs Huwyler
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TOGGENBURG. Der St. Galler Kantonsoberförster August Ammann ist ein begeisterter Sportler. Bis 1993 präsidierte er den ins Hallenstadion Zürich umgesiedelten Turner Swiss Cup. Er hält sich bei der Männerriege Engelburg fit und ist auch mal als Biker unterwegs. So regelmässig wie Alpsteinbike.ch stattfindet, so regelmässig kann er die Bewilligung für das Befahren der Strecke Muggenboden – Rotenstein – Neuenalp beziehungsweise vom Gräppelensee zum Risipass zur Enttäuschung der Organisatoren nicht erteilen. Der «Bike-Weg Verbindung Rotenstein» ist im Waldentwicklungsplan (WEP) «Stockberg» unter «ungelöste Konflikte» aufgeführt (Objektblatt K1).

Nicht «die da oben» in St. Gallen sind demnach das Problem für den seit Jahr(zehnt)en schwelenden Konflikt, sondern die Toggenburger schaffen es nicht, ihre Interessen im Sinne eines Kompromisses zu kanalisieren. Die Biker dürfen somit den Höhenweg nicht befahren, sondern müssen wegen des mit einem allgemeinen Fahrverbot belegten Teilstücks auf der insgesamt 93 Kilometer langen Tour nach Stein runter beziehungsweise rauf.

Keine Konfliktbereinigung

In einem solchen «Fall» gibt es bekanntlich nicht nur «Schwarz oder Weiss», sondern es prallen die verschiedensten Ansichten aufeinander. Jäger, Naturschützer, Wanderer, Biker, Waldeigentümer, Sennen, Alpgenossenschaften, Touristen, alle möchten sich ein Stück vom Naturkuchen sichern. Im «WEP Stockberg» steht: «Mit der Strecke wollen die Biker eine wesentliche Attraktivitätssteigerung erreichen.» Aber auch «Die Route durchquert ein Lebensraumkerngebiet gemäss Richtplan und ein BLN-Gebiet (Bundesinventar Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung), tangiert jedoch keine Auerwild-Kerngebiete» und «Im Rahmen der Bikeplanung sprach das Interesse der Jagd (gute und wichtige Wildruheräume) gegen die Verbindung.»

Die 23köpfige Arbeitsgruppe unter der Planungsleitung von Christof Gantner (Regionalförster Waldregion 5) sowie auch die für die Konfliktbereinigung eingesetzte Unterarbeitsgruppe konnte keine Lösung finden. Damit wird der Rotenstein bei der «Patt»-Situation kurzfristig kaum zur Verbindung «Risipass» und «Gräppelensee» erhoben, sondern zu einer nicht ausgeschilderten Sackgasse, nachdem die Bearbeitung des «WEP Stockbergs» keine Konfliktbereinigung brachte. Wobei orts(un)kundige Mountainbiker die schon im «WEP Churfirsten» als «ungelöster Konflikt» geführte Route für sich in Eigenregie legalisiert haben. Bei Alpsteinbike werden Streckenposten an den neuralgischen Punkten die Sportler auf den richtigen/rechten Weg weisen. Im «WEP Stockberg» ist unter Ziel/Absichten zu lesen: «Lösung des Konflikts unter Berücksichtigung der verschiedenen Interessen.» Massnahmen: «Endgültige Lösungsfindung unter Federführung der betroffenen Gemeinden.» Zeitrahmen/Termin: «Ab 2013.» Der Gemeinderat Stein hat sich im Februar 2012 nach eingehender Diskussion schriftlich dafür ausgesprochen, die Verbindung Rotenstein für Langsamfahrer – also Radfahrer – frei zu geben und dies der zuständigen Stelle mitgeteilt. Immer unter dem Vorbehalt, dass die Biker auf dem offiziellen Weg bleiben und das Ruhegebiet nicht mit einem Abenteuerland verwechseln. Herdenweise werden sie sowieso nicht vorbei donnern.

August Ammann studiert in seinem Büro auf den Karten die Alpstein-Route rund um das Konflikt-Gebiet. Er hat die Strecke besichtigt. Es gebe keine andere Variante als ins Tal hinunter und wieder aufwärts zu fahren, stellt er fest. Ob die Rotenstein-Passage attraktiver sei, spiele keine Rolle. Solange sich die Ausgangslage nicht ändere, müsse dies so bleiben. Er könne jedenfalls aufgrund der Fakten weder für einen längeren Zeitraum noch für einen Tagesevent eine Bewilligung erteilen. Dies wäre auch 2013 so.