S-Bahn oder Teufner Tram?

Kürzlich sagte im Regionalzug Appenzell–St.

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Kürzlich sagte im Regionalzug Appenzell–St. Gallen in Lustmühle die Billettkontrolleurin zu einem älteren Herrn: «Sie haben ja ein Kinderbillett», worauf dieser erwiderte: «Ja, als ich in Appenzell eingestiegen bin, war ich ja auch noch ein Kind!» Ganz so krass ist es nicht, aber mit knapp ³/4 Stunden für 20 Kilometer dauert die Fahrt wirklich zu lange. Das liegt unter anderem an der unsäglichen Ortsdurchfahrt Teufen, wo man auf einem Trassee aus dem vorletzten Jahrhundert mit Tempo 25 im Minutentakt von Halt zu Halt gondelt.

Der abgelehnte Kurztunnel hätte daran nichts geändert, da auf dem verbleibenden Abschnitt vom Stofel bis Riethüsli mit Dutzenden von Bahnübergängen auch kein zeitgemässer S-Bahn-Betrieb möglich ist. Nur der schon verschiedentlich vorgeschlagene, aber nie wirklich diskutierte Direkttunnel von Teufen ins Riethüsli löst die Verkehrsprobleme endgültig und bringt dem Mittelland und Innerrhoden endlich eine attraktive Verbindung in die Stadt mit der schon oft geforderten Fahrzeitverkürzung. Lustmühle und Niederteufen können gut mit dem verlängerten St. Galler Bus bedient werden. Natürlich wird der Direkttunnel als unverhältnismässig bezeichnet. Der Riethüsli-Tunnel wurde jahrelang auch als unverhältnismässig bezeichnet, heute ist er im Bau. So ein Projekt kann natürlich nicht durch eine Gemeinde alleine geschultert werden. Da es der ganzen Region dient, gehört es in einen Agglomerationsfonds, wie der Riethüsli-Tunnel. Es ist an der Zeit, die problematische Ortsdurchfahrt Teufen durch ausgewiesene Verkehrsexperten zusammen mit der ganzen Linie St. Gallen–Appenzell einer Gesamtschau zu unterziehen. Eine doppelspurige S-Bahn auf der Dorfstrasse mit 25 km/h wäre jedenfalls keine zukunftstaugliche Lösung und eine Fehlinvestition höheren Ranges.

Paul Stehrenberger, Ringstr. 6, 9050 Appenzell