Russland-Fragestunde im BWZT

Russland-Korrespondent Christoph Wanner besuchte die Lernenden des BWZT Lichtensteig, um ihnen von seinem Beruf zu erzählen. In einer Fragestunde zeigten die Jugendlichen grosses Interesse an der aktuellen Lage in Russland.

Rik Bovens
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Christoph Wanner erläutert den Lernenden des BWZT die aktuelle Situation in der Ostukraine. (Bild: Rik Bovens)

Christoph Wanner erläutert den Lernenden des BWZT die aktuelle Situation in der Ostukraine. (Bild: Rik Bovens)

LICHTENSTEIG. Es wurde schlagartig still in der Aula des BWZT in Lichtensteig, als der grossgewachsene Auslandkorrespondent Christoph Wanner den Raum betrat. Rund 80 Lernende lauschten neugierig, wie der BWZT-Prorektor Peter Egli den prominenten Gast vorstellte. Dieser war der Einladung der Vortrags- und Lesegesellschaft Toggenburg (VLT) gefolgt, am vergangenen Donnerstagabend in der Aula des BWZT Wattwil über die aktuelle Situation in Russland zu berichten. Der Korrespondent hatte sich auf Anfrage der VLT zudem bereit erklärt, auch den Lernenden des BWZT seine Tätigkeit näher zu bringen.

Als Quereinsteiger zum Reporter

Christoph Wanner erzählte den Lernenden, wie er nach seinem Studium über mehrere Redaktionspraktika in Moskau als Quereinsteiger zum Beruf des Korrespondenten und Krisenreporters kam. Er zeigte seinem Publikum zudem auf, wie sich seine Tätigkeit als Krisenreporter für den deutschen Privatsender N24 von seiner Funktion als SRF-Korrespondent in Moskau unterscheidet. Dabei seien für private Fernsehsender andere Aspekte wichtig als für öffentlich-rechtliche Sender. So berichtet er für SRF vor Ort über aktuelle Ereignisse. Im Auftrag des Nachrichtensenders N24 geht der Münchner hingegen dem russischen Zeitgeist auf den Grund, immer auf der Suche nach spektakulären Geschichten und Bildern aus dem postsowjetischen Russland.

S-Bahn-Surfen mit «Roofern»

Besonders fasziniert waren die Lernenden von Christoph Wanners Reportagen über russische Jugendliche, welche mit waghalsigen Aktionen ungesichert Fernsehtürme erklimmen und auf den Dächern von S-Bahnen umhersurfen. Der Korrespondent erzählte dazu, wie die spektakulären Aufnahmen für seine Reportage entstanden: Er begleitete die sogenannten «Roofer» und kletterte dabei ebenfalls ungesichert auf die höchsten Gebäude Moskaus, um dem Publikum die Geschichte möglichst authentisch zu erzählen.

Auch an den gefährlichen Berichterstattungen aus Krisengebieten zeigten die Jugendlichen grosses Interesse. Der Krisenreporter erzählte deshalb bereitwillig, wie die Menschen in Kriegsgebieten versuchen, trotz der ständigen Präsenz des Todes ihren Alltag irgendwie weiterzuführen. Christoph Wanner vermittelte den Lernenden ein authentisches Bild des Krieges, gab Auskunft darüber, wie ihm Sport hilft, mit den gefährlichen Arbeitsbedingungen umzugehen und weshalb er im Einsatz keine Schutzweste trägt: «Wer aussieht wie ein Soldat, wird auch behandelt wie einer», erklärte er.

Sanktionen bringen nichts

Trotz der ernsten Thematik vermochte es der Korrespondent, die Lernenden in seinen Bann zu ziehen. Dies gelang ihm mit seiner lockeren Art und einer Prise Humor, mit der er auf die Fragen der Jugendlichen einging und politische Aspekte aussen vorliess. Erst zuletzt wandte er sich der aktuelle Situation in der Ostukraine zu. Dabei schilderte er die Position Russlands und schaffte damit ein erweitertes Verständnis der Krise. Abschliessend hielt er fest, dass der Westen das Gespräch mit Russland suchen müsse, statt Sanktionen zu verhängen.

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