Runder Tisch, klare Fronten

Das dritte Mal wurde in Ganterschwil zum politischen Runden Tisch geladen.

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Das dritte Mal wurde in Ganterschwil zum politischen Runden Tisch geladen.

Die ersten zwei Treffen fanden in Ganterschwil statt und widmeten sich den beiden brisanten Themen «Strom ohne Atom» und «Ist das Boot voll?» Die ersten beiden Anlässe waren sehr gut besucht, dem aktuellen Anlass war aber wenig Echo beschieden. So versammelten sich kürzlich im Restaurant Hirschen nur rund ein Dutzend Interessierte um sinnigerweise drei runde Tische. Am Thema «Sozialwerke – Fluch oder Segen?» beziehungsweise «Solidarität versus Schmarotzertum?» konnte es kaum liegen, geht doch jeweils eine Woge der Empörung durch die Lande, wenn Missbräuche bei Sozialwerken publik werden.

Den Abend leitete Enzo Fuschini. Seine aufmerksame Diskussionsleitung, seine geschickten Fragestellungen und sein feines Gespür, den Diskussionen zwischen Kontrahenten und Publikum freien Lauf zu lassen und erst dann einzugreifen, wenn sie aus dem Ruder liefen oder ins Stocken gerieten, trugen wesentlich dazu bei, dass die Veranstaltung als lehrreich und gleichzeitig unterhaltend verlief.

Die Kontrahenten waren Barbara Gysi, noch Stadträtin von Wil, Nationalrätin und seit vorletztem Wochenende Vize-Präsidentin der SP Schweiz und Erwin Böhi, Kantonsrat der SVP aus Wil. Bei dieser Konstellation war es nicht verwunderlich, dass die Gegensätze aufeinander prallten und sich scharfe Konturen abzeichneten. Wer glaubte, dass dabei die Fetzen flogen, wurde eines besseren belehrt. Die zwei Politiker, beide mit den behandelten Themen bestens vertraut, legten ihre Positionen klar und unmissverständlich dar. In diesen Positionen wurden die bekannten und auf die einzelnen Parteiprogramme abgestützten Begriffe wie Eigenverantwortung, Solidarität, Staat versus persönliche Freiheit in Stellung gebracht und vielfach eingesetzt.

Die Diskussionen drehten sich um die Kernpunkte Altersvorsorge mit AHV und Pensionskasse, Sozialhilfebezüge, Ergänzungsleistungen, Nothilfe für Asylbewerbende mit Nichteintretensentscheid und das Stipendienwesen. Pro und Contra hielten sich beim Publikum die Waage. Und die bereits mitgebrachten Meinungen und (Vor-)Urteile wurden aufgrund der Diskussionen nicht geändert.

Beim Thema Zukunft der AHV waren sich die beiden Kontrahenten überraschender Weise einig. An der AHV darf nicht gerüttelt werden. Und für beide ist es denkbar, dass in rund zehn Jahren eine geringfügige Erhöhung der Lohnprozente – von je 0,5 Prozent für Arbeitgeber und -nehmer war die Rede – durchaus vertretbar ist, nachdem die letzte Erhöhung im Jahr 1973 vorgenommen wurde.

Bruno Facci