Gamsblindheit im Alpstein: Ruhe ist die beste Medizin für kranke Tiere

Beim Gamswild im Alpstein ist gebietsweise eine schwere Form der Gamsblindheit aufgetreten. Als Massnahme wird die Jagd auf die Tiere dieses Jahr ausgesetzt.

Karin Erni
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Gämsen sollten derzeit nicht gestört oder erschreckt werden, da sie abstürzen können.

Gämsen sollten derzeit nicht gestört oder erschreckt werden, da sie abstürzen können.

Bild Martin Rimer / Sonstige

Die Gamsblindheit ist eine hochansteckende Augenkrankheit und kann neben Gämsen auch Steinböcke, Schafe oder Ziegen befallen. Sie verläuft unterschiedlich schwer. In einigen Fällen kann sich eine Bindehautentzündung zur Hornhautentzündung verschlimmern. Diese führt zur Hornhautdurchlöcherung und dem «Auslaufen» der Augen. Die betroffenen Tiere bleiben blind und können sich im alpinen Gelände nicht mehr oder nur noch schwer orientieren. Die Fortbewegung und somit auch die Futtersuche sind nur noch eingeschränkt möglich. Im Sinne des Tierschutzes werden Tiere, welche das Augenlicht unheilbar verloren haben, durch die Wildhut erlegt, heisst es in der Mitteilung weiter. Die Standeskommission bittet zudem darum, sich dem Gamswild nicht zu nähern, um Störungen zu vermeiden. Die Krankheit ist hochansteckend und kann Steinböcke, Gämsen, Schafe oder Ziegen befallen.

In Ausserrhoden beobachte die Wildhut die Situation, sagt Jagdverwalter Heinz Nigg. Der Gamsbestand im Alpstein habe die letzten Jahre um die 1000 Tiere betragen und sei relativ stabil gewesen. «An der aktuellen Entwicklung haben wir keine Freude. Wir prüfen daher Massnahmen zur Unterstützung der Bemühungen in Innerrhoden.»

Ein erkranktes Tier im Alpstein.

Ein erkranktes Tier im Alpstein.

Bild: PD

Schafe als Krankheitsüberträger

Schafe gelten als Reservoir des Erregers, weil befallene Tiere oft keine Symptome zeigen. Der Innerrhoder Jagdverwalter Ueli Nef sieht die Alpung der Schafe aber nicht als alleinigen Auslöser der Krankheit. «Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass sich die Krankheit asymptomatisch in den Wildtierbeständen halten kann und von Zeit zu Zeit wieder ausbricht.» Ganz aus dem Schneider seien die Schafe allerdings nicht. «Wir haben in der Vergangenheit mit einzelnen Alpen Verträge abgeschlossen, dass sie auf die Schafhaltung verzichten.» Die Alpen erhalten dafür eine finanzielle Entschädigung. Derzeit sei aber keine weitere Ausdehnung dieser Gebiete geplant.

Jäger zeigen Verständnis

Die beste Massnahme gegen die Krankheit ist gemäss Nef der Verzicht auf Bejagung. Dadurch könnten weniger stark erkrankte Tiere wieder genesen und ihre Immunität an die Nachkommen weitergeben. Er windet diesbezüglich den Jägern ein Kränzchen. «Sie waren zwar enttäuscht, dass dieses Jahr keine Jagd auf das Gamswild stattfindet, aber sie haben grosses Verständnis für die Massnahme gezeigt. Das beweist einmal mehr, dass unsere Jäger einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur pflegen.»

Im Jahr 2015 war das Steinwild im Alpstein von der Gamsblindheit betroffen. Das sei derzeit nicht der Fall, so Nef. «Wir beobachten die Situation ganz genau.» Zur Dokumentation der räumlichen Ausbreitung und des zeitlichen Verlaufs der Gamsblindheit ist ein Monitoring geplant.

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