Rückblick auf Ostern

Das Wetter an jenem Ostertag war wie dieses Jahr winterlich und kalt. Eben sei sie dem Osterhasen begegnet, sagte meine Tante. Er habe geklagt, die Hühner legten wegen der Kälte keine Eier.

Esther Ferrari
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Bild: Esther Ferrari

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Das Wetter an jenem Ostertag war wie dieses Jahr winterlich und kalt. Eben sei sie dem Osterhasen begegnet, sagte meine Tante. Er habe geklagt, die Hühner legten wegen der Kälte keine Eier. Warum konnte die Tante mit dem Osterhasen sprechen? Ich hatte auch einmal einen Hasen gesehen. Der aber war weggerannt, als er mich sah. Die Geschichte vom Osterhasen sei ein Märchen, wie vieles, was die Grossen erzählten, behauptete mein etwas älterer Bruder. «Tante und Mutter färben die Eier selber mit Zwiebelschalen und kleinen Blümchen.»

Was bedeutete eigentlich Ostern? Vater hatte uns erzählt, dass an Ostern Jesus vom Tode auferstanden sei. Der Bruder aber flüsterte mir zu: «Wer richtig tot ist, kann nicht mehr aufstehen. Wahrscheinlich war er scheintot.» Das Wort Scheintod erschreckte mich. Ich hatte eine Geschichte über ein scheintotes Mädchen gehört, das aus dem Sarg geklettert war und im Totenhemdchen mit den Kindern des Totengräbers spielte. «Lieber Gott, bitte, lass mich nicht scheintot begraben werden», betete ich vor dem Zubettgehen. Was aber hatten die Auferstehung, der Scheintod, der Osterhase und die Eier miteinander zu tun? Ich begriff nie die Zusammenhänge. Dann kam der Ostertag. Vor unserem Haus stand eine «Schitterbiig». Im Schnee zwischen den «Schittern» leuchtete ein knallrotes Ei! Immer an Ostern steht dieses prächtige Bild vor meinen Augen. Heutzutage werden solche Eier zu Tausenden in Schachteln verkauft. Fast das ganze Jahr liegen sie in Körbchen auf Wirtshaustischen. Für mich war es das erste Osterei, an das ich mich erinnern kann.

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