Roulette der Krankenkassen

Brosmete

Roger Fuchs
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Da sitze ich nun und lasse mich beraten. So wie es viele andere tun. Mir gegenüber lächelt ein Versicherungsvertreter. Eigentlich wollte ich nur die obligatorische Krankenversicherung wechseln. Doch der Berater nutzt die Gunst der Stunde und führt mich auch in die Vorteile der Zusatzversicherungen seiner Arbeitgeberin ein. Sofort wird klar: Bei der Notwendigkeit einer neuen Brille würde ich im Vergleich zur heutigen Kasse besser fahren. Nicht so aber bei den Zähnen – da kriege ich heute immerhin einen Batzen an die jährliche Dentalhygiene.

So zieht sich dieses Spielchen ­einige Minuten in die Länge. Wir reden über Gesundheitsvorsorge, Spitaltransporte, Spitalaufenthalte oder Zahnstellungskorrekturen bei Kindern. Mal scheint meine heutige Kasse besser zu sein, mal die andere. Und wenn ich mir vorstelle, wie viele Krankenkassen ich eigentlich zu vergleichen hätte, wird mir geradezu schwindelig.

Eigentlich ist es ein bisschen wie in der Lotterie. Ich könnte zwanzig Scheine ausfüllen, in die Luft schmeissen und einen da­von auffangen. Wetten, es gäbe Lottoziehungen, bei denen mich mein gewählter Zettel lächeln liesse, und Situationen, bei denen ich besser den Zettel daneben ergriffen hätte. Zugegeben: Es kann in unserem Leben durchaus auch vorkommen, dass Verschiedenheit Trumpf ist. Beispielsweise in der Natur. Wir alle haben schon von Biodiversität gehört. Wie öde wäre eine artenarme Landschaft? Doch was in der Natur gilt, scheint im Versicherungswesen nicht zwingend der Fall sein. Nun: Ich könnte den Dschungel an Möglichkeiten noch akzep­tieren, wenn bei aller Vielfalt wenigstens an einer Stelle auch ­ die ultimativ familienfreundliche Lösung – sozusagen die strahlende Sonnenblume im Versicherungsgarten – zu finden wäre. Aber viel eher fühle ich mich nach der aktuellen Beratung einmal mehr an ein Spielcasino erinnert, wo der Croupier ruft: «Faites vos jeux! Neue Chance, neues Glück.»

Roger Fuchs