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Rotmilane kreisen über Gossau und Umgebung

Er ist der drittgrösste einheimische Greifvogel und wäre fast ausgestorben: Seit einigen Jahren aber breitet sich der Rotmilan wieder stärker aus und lässt sich immer häufiger auch in der Region beobachten.
Marion Loher
Rotmilane haben eine Spannweite von bis zu 165 Zentimetern. (Bild: Jürgen und Christine Sohns/Keystone)

Rotmilane haben eine Spannweite von bis zu 165 Zentimetern. (Bild: Jürgen und Christine Sohns/Keystone)

Wenn er seine schmalen langen Flügel ausbreitet und minutenlang über den Wiesen und Feldern kreist, wirkt er fast ein wenig majestätisch: Der Rotmilan ist ein eindrucksvoller Greifvogel und wegen seines rostrotgefärbten Federkleids und dem langen Gabelschwanz auch für Laien gut erkennbar. Zu beobachten sind die Rotmilane immer häufiger in unserer Gegend. So auch in der Region Gossau. Das ist Manuel Bühler, Präsident des Naturschutzvereins Gossau und Umgebung, ebenfalls aufgefallen:

«Es gibt hier in der Region einige Schlafplätze, wo die Rotmilane zum Teil überwintern.»

Auch beim Kanton hat man ein verstärktes Aufkommen des Greifvogels registriert. Allerdings nicht nur in der Region Gossau, wie Dominik Thiel, Leiter des Amtes für Natur, Jagd und Fischerei, sagt. «Die Rotmilane haben sich mittlerweile im ganzen Kanton ausgebreitet.»

Fast wäre er ausgestorben

Mit einer Länge von bis zu 73 Zentimetern und einer Spannweite von bis zu 165 Zentimetern ist der Rotmilan nach dem Bartgeier und dem Steinadler der drittgrösste einheimische Greifvogel. Die Brutpaarzahlen in der Schweiz stagnierten lange Zeit und in gewissen Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Spanien waren sie gar rückläufig. Fast wäre der Rotmilan ausgestorben. Seit den 1970er-Jahren breitet er sich allerdings im Schweizer Mittelland wieder stärker aus – und erobert auch die höheren Lagen.

«Kürzlich habe ich sogar einen Rotmilan auf 1800 Metern über Meer gesehen», sagt Dominik Thiel. «Das wäre vor 40 Jahren unvorstellbar gewesen, denn eigentlich bevorzugt der Rotmilan das Flachland.» Da seine Artgenossen das Mittelland in der Zwischenzeit aber stark besetzten, wanderten immer mehr in höhere Gefilde ab. Zwar sei der Lebensraum dort weniger geeignet, dennoch finde das Tier wegen des Klimawandels auch oberhalb von 800 Metern über Meer genügend Nahrung, sagt der Experte. Der Rotmilan erbeutet seine Nahrung im Flug und frisst am liebsten Kleintiere wie Mäuse und Regenwürmer, verendete Tiere sowie Abfälle.

Die Schweiz beherbergt mittlerweile rund 3000 Brutpaare. Das sind etwa 10 Prozent der weltweiten Population des Greifvogels. Gerade auch weil die Zahlen in anderen Ländern zurückgehen, trägt die Schweiz eine hohe Verantwortung für den Rotmilan. Der Bund räumt ihm denn auch eine sehr hohe nationale Priorität ein.

Ältere Vögel bleiben öfters hier

Es ist nicht das erste Mal, dass über Gossau und Umgebung viele dieser Greifvögel kreisen. Bereits vor drei Jahren sind in der Nähe von Andwil und Häggenschwil regelmässig zwischen 15 und 40 Rotmilane gesichtet worden. Ob es in diesem Gebiet nun aussergewöhnlich viele Rotmilane gibt, kann Livio Rey von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach nicht sagen. «Wir haben keine Zahlen für eine spezifische Region», sagt er.

«Unser Monitoring umfasst die gesamte Schweiz und da beobachten wir, dass die Zahl der Rotmilane seit gut 30 Jahren steil nach oben geht.»

Die rasante Zunahme hat verschiedene Ursachen. Zum einen ist der Rotmilan ein geschütztes Tier und darf nicht mehr gejagt werden. Zum anderen, sagt Rey, blieben infolge der wärmeren Winter immer mehr ältere Tiere in der Schweiz und nur die jüngeren zögen in den Süden. «Das erhöht die Überlebensrate und gleichzeitig den hiesigen Bestand.»

Um die Ausbreitung der Schweizer Rotmilan-Population noch besser verstehen zu können, hat die Vogelwarte ein Forschungsprojekt lanciert. Hierfür wurden seit dem Jahr 2015 mehrere hundert Rotmilane mit GPS-Loggern ausgerüstet. Damit werden die Abwanderung und die Ansiedlung sowie der Bruterfolg und das Überleben des Greifvogels untersucht.

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