Rossäpfel und Narren

Brosmete

Philipp Langenegger
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Was für eine Narregmend in Urnäsch! Ein «falscher» Donald Trump fährt auf. Nicht der richtig Falsche, sondern der falsch Falsche. Ein Double vom Fake. Dabei war der richtige Fake-Trump noch in der «Tuube» am Blut- und Leberwürstedegustieren mit seiner Frau Malaria. Der Hauptmann Chläppere-Sepp spuckt Galle. Einer, der noch falscher war als der falsche Präsident. Ein Trumpelpfad mit Pferd und Kutsche. Ein Raunen ging durch die Menge. Der Hauptmann und der bekannte Frick, als Kutscher, gifteten sich an. Frick, nicht verlegen, fing just im richtigen Moment einen Rossapfel auf und schleuderte ihn zur Freude der Menge auf den Hauptmann. Getroffen hat er das Oberhaupt nicht, aber den Nagel auf den Kopf. Sinnbildlich präzise gezeichnet.

1687 erfolgte das erste Verbot für die Narrengemeinden, aus­gesprochen von den Ratsherren, den obersten Volksvertretern. Die Regierung lächerlich machen, nur das nicht. Die einfachen Handwerker hinderten dann auch die saftig ausgesprochenen Bussen nicht, die gefakten «Landsgmeinden» nachzuspielen. So zahlten dann die Ratsherren den Narrengemeinden Geld, damit sie nicht «baareföödle» dastanden. Die Währung wur­de subito von den Laienspielern versoffen und die Räte doch verwurstet.

330 Jahre später fliegen wieder die Rossäpfel in Urnäsch, und die 400 Zuschauer amüsieren sich. Gut so. Und Gut war auch gut. Saugut. Der höchste Appenzeller wagt sich auf den Bock und gewinnt. Chapeau! Auch andere Volksvertreter und zukünftige «Ratsherren» sind auf Platz und amüsieren sich, zeigen Humor und Mut. Auch Chapeau! Kuk flaniert mit einem Pekinesen neben Edelweisshemden, Zofen und Goofen. Zusammen wird angestossen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Tradition hallt nach. Das Landsgemeindelied erklingt, und die Menge singt. Ein Hoch auf die Narregmend!

Philipp Langenegger