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Rollenkomik entscheidet über Erfolg

Seit drei Jahren gibt es in Wattwil wieder einen Theaterverein. Nach «Dinner for no one» und der Krimikomödie «Ein genial verrückter Coup» folgt im April «Ein Double zum Geburtstag». Regisseur Christian Heeb bleibt mit dem Amateur-Theater dem komödiantischen Boulevard treu.
Hansruedi Kugler
Christian Heeb strahlt nach der letzten Sonntags-Probe: «Es ist ein lustiges Stück mit einem interessanten Thema. Und die Texte sitzen schon.» (Bilder: Hansruedi Kugler)

Christian Heeb strahlt nach der letzten Sonntags-Probe: «Es ist ein lustiges Stück mit einem interessanten Thema. Und die Texte sitzen schon.» (Bilder: Hansruedi Kugler)

WATTWIL. Theater ist immer beides: Spass und Krampf. Beim Laienensemble des Theatervereins Wattwil ist dies nicht anders. So strahlt Regisseur Christian Heeb einerseits nach dem letzten Probe-Sonntag: «Wir sind auf Kurs. Es ist ein lustiges Stück mit einem interessanten Thema. Den Text können die Darsteller schon fast auswendig. Bis Ende März haben wir nun Zeit, an den Rollen zu feilen, an Tempo und Bühnenbild zu arbeiten.» Anderseits zerbricht sich Christian Heeb den Kopf über ein paar Dinge: Im grossen Saal des Thurparks bräuchte er eigentlich Headsets für alle zwanzig Darsteller. Nur: Woher das Geld nehmen? Er ist auf private Sponsoren angewiesen. Dank eines kleinen Überschusses aus «Dinner for no one» und einer anonymen Spende hat der Theaterverein für Investitionen 2500 Franken in der Kasse. Von Kultur Toggenburg gab es bisher keine Unterstützung. «Mangelnde Professionalität» lautete deren Antwort. Während bei den Chössi-Produktionen jeweils Profis Regie führen, dirigiert beim Theaterverein Wattwil wie in den anderen Dorftheatern ein Laie die Darsteller. Für das neue Stück «Ein Double zum Geburtstag» wird Christian Heeb trotzdem wieder einen Antrag stellen. «Wir sind und bleiben aber ein Amateur-Verein», sagt er.

«Eine Diva bleibt ewig jung»

So stehen die zwanzig überwiegend jungen Darsteller jeden Sonntagabend auf der Bühne im Thurpark-Saal und proben «Ein Double zum Geburtstag.» Marlene Rieber heisst die Hauptfigur in diesem Stück. Ihr Vorname ist kein Zufall: «Der Geburtsschein ist ein Gerücht, das eine Frau durch ihr Aussehen jederzeit dementieren kann», sagte einst Marlene Dietrich, eine der letzten Divas des Kinos. Und als ihr das eigene Aussehen nicht mehr gefiel, zog sie sich völlig aus der Öffentlichkeit in ihr Pariser Apartment zurück. Wie Marlene Dietrich wird auch Marlene Rieber von Altersangst verfolgt. Gespielt wird sie von Conny Oberholzer. Nach zwölf Jahren Zurückgezogenheit soll sie in einer Talk-Show auftreten. Anlass: Ihr 50. Geburtstag. Das ist der Beginn einer turbulenten Komödie, einem Versteckspiel mit viel Rollenkomik. Marlene Rieber schickt nämlich ihre Haushälterin als ihr Double in die Talk-Show und nach und nach wird die Bühne bevölkert von hochnäsigen Reporterinnen und vorlauten Dienern, tuntigen Modeschöpfern und übereifrigen, Handschellen schwingenden Polizisten.

Alter – eine Komödie mit Moral

Bei der Stückwahl (eine fünfköpfige Kommission macht jeweils Vorschläge) stehe das Komödiantische im Vordergrund, sagt Christian Heeb. Das Thema Altersangst und mediale Öffentlichkeit stehe für ihn deshalb nicht im Zentrum. Trotzdem sehe er aber in «Ein Double zum Geburtstag» mehr als einen blossen Schwank: Marlene Rieber mache im Verlauf des Stücks nämlich eine interessante Entwicklung durch, löse sich von der Fixierung von der Oberflächlichkeit des Selbstbilds. Sie mache die Erfahrung, dass das Alter eine Person interessanter machen kann und sie als Schauspielerin auch mit 50 Jahren immer noch gefragt sein kann. Aber wie gesagt: Das Stück steht und fällt mit der Rollenkomik. Und dies geschieht mal charmant, mal mit grobem Geschütz: «Nanü, Sie sind aber ein Künstbanause», näselt der Modeschöpfer mit französischem Akzent, die Fernseh-Reporterin poltert hingegen: «Als der Herrgott das Gehirn verteilte, hat sie nicht lauf genug <hier> geschrien.» Das Stück geschrieben hat Ina Kocher, eine deutsche Theaterautorin. Die Uraufführung fand mit ihrer eigenen Laienbühne «Kulisse» im Januar 2011 in Lünen bei Dortmund statt.

Darstellerisch verstärkt

Der Theaterverein Wattwil hat seit letztem Jahr darstellerische Verstärkung bekommen. Simon Keller, einer der Mitgründer der Jugendtheatergruppe Hemberg, ist dazu gestossen. Ebenfalls Andrea Vieritz, die in beiden bisherigen Chössi-Freilichtaufführungen markante Rollen gespielt hat. Andrea Vieritz wird denn auch am geplanten Proben-Wochenende vor allem im Bereich Sprechtraining Ausbildungs-Sequenzen übernehmen, zusammen mit Vera Stadler, die in «Dinner for no one» die Erzählerin spielte. Vera Stadler macht derzeit eine Schauspielausbildung in München und steht demzufolge der vielen Sonntags-Proben wegen als Darstellerin nicht zur Verfügung. Christian Heeb aber ist sehr froh, zwei erfahrene Darstellerinnen für die Weiterbildung der Laien in seiner Gruppe zu haben. Er selbst werde in absehbarer Zeit auch wieder auf der Bühne zu sehen sein, sagt Christian Heeb. «Sicher im <Bettelmann>, ein Stück, das mein Vater schon mal in der Lichtensteiger Kirche aufgeführt hat.»

Komödie und ein wenig Drama: Conny Oberholzer verzweifelt als Filmdiva Marlene Rieber. Edwin Heeb spielt ihren Butler Alfred.

Komödie und ein wenig Drama: Conny Oberholzer verzweifelt als Filmdiva Marlene Rieber. Edwin Heeb spielt ihren Butler Alfred.

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