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Roboter erspart den Zimmermann

Die klassische Holzbautechnik wird immer mehr computerisiert. Das Berufsbild der Zimmerleute wird sich in den kommenden Jahren dem technisierten Wandel anpassen müssen.
Andy Lehmann
Die maschinell gefertigte Holzskulptur «Wilder Zimmermann» wird Lehrmodell. (Bild: Andy Lehmann)

Die maschinell gefertigte Holzskulptur «Wilder Zimmermann» wird Lehrmodell. (Bild: Andy Lehmann)

Das weltweit grösste Holzdach in Zürich wurde von Maschinen zugeschnitten und zusammengefügt. ETH-Architekturprofessor Matthias Kohler prognostizierte gestern im «Tages-Anzeiger», dass ein Zimmermann künftig vielleicht mit Robotern zusammenarbeiten wird. Diese Aussage macht hellhörig, ist doch das Appenzellerland für seine Zimmerleute und deren Holzbaukunst bekannt. Firmen bilden und passen sich laufend den neuen technischen Möglichkeiten an. Längst hat auch bei uns der technische Wandel in der Bauvorbereitung Einzug gehalten. «Die Zimmerleute und Schreiner werden die Weiterentwicklung künftig zu spüren bekommen. Das Berufsbild wird sich verlagern», sagt Norbert Wick, Berufsfachschullehrer für Zimmerleute am Berufsbildungszentrum Herisau (BBZ). Besonders im Bereich der Fertigung werde der technische Fortschritt dafür sorgen, dass die Holzbauer ihren Arbeitsplatz von der Produktionshalle ins Büro verlegen müssen, ist Wick überzeugt.

Von Holzzapfen und Schwalbenschwänzen

Der Berufsfachschullehrer nahm vor einem Jahr Bildungsurlaub in Kanada. Neue Techniken im Holzbau sowie Konstruieren am Computer (CAD) waren seine Weiterbildungsziele. «Mit Technikern in Kanada entstand die Idee einer Holzskulptur, welche verschiedene Verbindungen der Holzbauweise aufzeigt», sagt Wick. Am Computer wurden die Teile gezeichnet und schliesslich bei der Krüsi Maschinenbau AG in Schönengrund gefertigt. Die verschiedenen Steckverbindungen der Holzbalken konnten dabei maschinell hergestellt werden. Nicht nur die gebräuchliche Form eines Holzzapfens als Verbindung, sondern auch die Schwalbenschwanztechnik kamen zur Anwendung. Diese Holzverbindungsart hat den Vorteil, dass keine zusätzlichen metallischen Verbindungselemente wie Nägel oder Schrauben benötigt werden. Die Steckform ist jener eines Schwalbenschwanzes ähnlich. Sie wird insbesondere zur Verbindung von Massivhölzern etwa bei Schubladen, Truhen oder auch Musikinstrumenten verwendet. «Die Skulptur erhielt den Namen <Wilder Zimmermann> und ist im Schaufenster der Inauen Holzbau AG in Schönengrund ausgestellt. Später wird diese als Lehrmodell in meinem Klassenzimmer stehen», sagt Norbert Wick.

Eine topmoderne Legemaschine

«Der Beruf des Zimmermanns erfreut sich nach wie vor grosser Beliebtheit», sagt Hannes Nägeli. Er ist Geschäftsführer der Gaiser Holz- und Innenausbaufirma Nägeli AG. Der Betrieb bildet gegen 20 Lehrlinge aus. Für nächstes Jahr sind die vier offenen Lehrstellen bereits vergeben. In Gais ist der technische Fortschritt in der Fertigungsvorbereitung bereits Alltag. Eine topmoderne Produktionsstrasse ist für die Herstellung und Abstapelung von Holzbauelementen in Betrieb. Die Maschine wird mit CAD-Daten gespeist und fertigt Bretterlagen an. Zwischen die Holzelemente wird ein Vlies aus Wolle, Baumwolle und Hadern gelegt. Das Vlies übernimmt die Funktion der Winddichtung. Es entsteht ein Bretterteppich, welcher unter Druck mit Dübeln versehen wird. Durch dieses Vorgehen kann auf Leim und Metall gänzlich verzichtet werden, was auch im Brandfall einen unschätzbaren Vorteil hat. Das Zusammenstürzen durch Ausglühen des Stahls wie bei Betonkonstruktionen ist mit diesen Holzelementen nicht möglich. Für Hannes Nägeli ist klar, dass die Technik und die maschinelle Entwicklung noch weitergehen muss. Trotzdem ist er überzeugt, dass die Zimmerleute und Schreiner auch künftig wichtig und nötig sind. «Ob irgendwann ein Roboter die Fassade hochkraxelt, habe ich mir so noch nicht überlegt. Ich denke aber, dass diese künftig dort, wo es sinnvoll ist, in unterstützender Form im Einsatz stehen könnten», sagt Hannes Nägeli.

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